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"Zweigroschenoper" in Lima

Georg und Kolja reisen durch Südamerika "Zweigroschenoper" in Lima

"Dreigroschenoper" kennt man. Aber "Zweigroschenoper"? Und dann noch aufgeführt in Lima? Die Schleswig-Holsteiner Georg und Kolja erklären, was es damit auf sich hat. 

Kolja auf der Bühne

Quelle: privat

Nachdem wir einige Tage in der Provinz mit ausgiebigen Bergwanderungen verbracht hatten, hatte es uns nun wieder in die Großstadt gezogen, genauer gesagt in die peruanische Hauptstadt. Lima ist mit etwa nein Millionen Einwohnern mit Abstand die größte Stadt in Peru. Ein Drittel aller Peruaner hat dort seinen Wohnsitz. Es wundert einen daher nicht, dass es dorthin aus jeder Stadt des Landes Direktbusse gibt. Und so gut wie alle nationalen Flüge fliegen entweder von Lima weg oder dorthin zurück. Der Wechsel von Hochland an die Küste hieß auch, dass es anstatt Meerschweinchen und Mais wieder Ceviche, das peruanische Nationalgericht, gab.

Das Nationalgericht Ceviche besteht aus Zwiebeln und rohem Fisch, der durch die Säure von Limonensaft essbar gemacht wird. Sehr lecker!

Das Nationalgericht Ceviche besteht aus Zwiebeln und rohem Fisch, der durch die Säure von Limonensaft essbar gemacht wird. Sehr lecker!

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Auch hier ist eines der größten Probleme der Stadt der Verkehr. Im Gegensatz zu Bogotá gibt es hier kein Plakettensystem, um Autos an bestimmten Tagen von den Straßen fernzuhalten. Dazu kommt, dass die öffentlichen Verkehrsmittel hauptsächlich aus Micros (Kleinbussen) bestehen, die durch ihre große Anzahl die Straßen verstopfen. Das alles führt dazu, dass man gerne mal den halben Tag im Stau verbringt, einen echten halben Tag!

Zu den Kuriositäten des Verkehrs in Lima gehörte für uns dieser nackte LKW

Zu den Kuriositäten des Verkehrs in Lima gehörte für uns dieser nackte LKW

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Als ähnlich kurios empfanden wir zudem auf der ganzen Reise schon die Ideen, die es in Südamerika zur Arbeitsplatzschaffung gibt: Die Supermärkte haben Angestellte, deren einzige Aufgabe es ist, die Einkäufe an den Kassen in Plastiktüten zu stecken. Manche Aufzüge bekommen eigens jemanden zugeteilt, der während seiner gesamten Schicht mit dem Aufzug auf und ab fährt um die Knöpfe der Stockwerke zu betätigen. Nicht nur in piekfeinen Hotels, sondern auch in Einkaufszentren. Auch bieten einige der kleinen Tante-Emma-Läden einen Lieferservice aufs Haus an, der schon gerufen werden kann, wenn nur ein Päckchen Backpulver fehlt.

Eine bei vielen Latinos beliebte Art der Unterhaltung sind die sogenannten “Cómicos Ambulantes”. Das sind Komödianten, die auf Plätzen oder in Pärken Witze über Politik, den Alltag und auch über vorbeikommende Passanten machen. Schon in Kolumbien war uns diese Kunstform aufgefallen und wir nutzen jede Gelegenheit, den Späßen zu lauschen. Erst mit einiger Zeit begint man die Witze zu verstehen, denn die Sprache zu beherrschen garantiert noch lange nicht, den landestypischen Humor begreifen zu können, der oft durch Zweideutigkeiten oder einfache amüsante Laute geprägt ist. Und dafür sind natürlich gerade ein paar “Gringos” ein interessantes Opfer. Es war für uns bisher leider unmöglich, unauffällig einer Vorstellung beizuwohnen.

Kolja wurde auf die Bühne eingeladen und nach seiner Herkunft gefragt

Quelle:

 

Wie die gesamte peruanische Küste liegt auch Lima in einer Wüstengegend mit begrenzten Wasserressourcen. Durch das fortschreitende Abschmelzen der Gletscher in den Anden wird das Wasser, dass in Lima ankommt von Jahr zu Jahr knapper. Die ärmeren Viertel der Stadt haben bereits heutzutage stark mit der Wasserknappheit zu kämpfen und bleiben ab und an einige Tage ohne Versorgung. In den wohlhabenden Gebieten ist davon nichts zu bemerken. Vielmehr werden dort Pärke, Gärten und Seitenstreifen intensiv bewässert, um einen grünen Kontrast zu den sonst staubigen Straßen der Stadt herzustellen.



La Molina präsentiert sich mit feinen Grünflächen. . .

La Molina präsentiert sich mit feinen Grünflächen. . .

Quelle:



…Chorillos und Villa María haben hingegen mehr Fläche als Farbe

…Chorillos und Villa María haben hingegen mehr Fläche als Farbe

Quelle:



Unsere Zeit in Lima haben wir genutzt, um noch einmal im Pazifik zu surfen. Denn dank des Humboldtstroms wird das Wasser mit jedem Kilometer Richtung Süden kälter. Die Temperaturen entsprechen an dieser Stelle gerade der Nordsee im Sommer. Und noch etwas haben wir in Lima glücklicherweise entdecket. Über deutsche Bekannte in Lima haben wir von einer Schauspielschule Wind bekommen, die Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" aufführt. Der spanische Name der Aufführung war hier komischerweise "Opera de los dos centavos", also die "Zweigroschenoper". Überseztungsfehler oder Absicht? In jedem Fall war die Aufführung durchaus gelungen und es war interessant, dieses Stück sozusagen mit spanischer Synchronisation zu erleben. Alle Lieder schön schräg.

Zu aller letzt finden wir eine peruanische Vergangenheit erwähnenswert , die uns vor unserem Ankommen in Perú noch nicht bewusst war. Zudem vermuten wir zumindest, dass unsere Generation Perú kaum als ein ehemaliges Bürgerkriegsland ansieht. Ziemlich zeitgleich zu den Angriffen der RAF in der BDR wurde Perú in den 80er Jahren von einer Reihe von Terroranschlägen heimgesucht. Verantwortlich dafür waren zwei Guerillaorganisationen, die maoistische “Sendero Luminoso” (Erleuchteter Pfad) und die linke MRTA (Revolutionäre Bewegung Túpac Amaru). Der etwas traurige Kindergarten von ungefähr 70.000 Opfern brach aus, als die rechte Militärregierung 1980 einen Demokratisierungsprozess wagte und Wahlen einsetzte. Wahlurnen wurden angezündet. Viele Ältere, wie zum beispiel Lawrence Mutter, konnten davon erzählen, dass Andenstädte wie Ayacucho und Huancayo, stark schrumpften. Arme und benachteiligte Regionen, von den Antagonisten kontrolliert. Dort kam es wiederholt zu Bombenattentaten, die mehrheitlich gegen andere linke Organisationen und Versorgungseinrichtungen gerichtet waren, die sich den Wahlen nicht widersetzten. Teilweise hat die heutige Überdimensionierung Limas wohl auch seine Wurzeln in diesem Jahrzehnt. Man ist sich nicht ganz einig, aber als Ende des Konflikts wird mehrheitlich die Verhaftung Abimael Guzmáns im Jahr 1922 angesehen, dem Anführer des Sendero Luminoso.

 

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