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Bye Bye Philippinen!

Hanno setzt sich für Menschenrechte auf den Philippinen ein Bye Bye Philippinen!

Der 19-jährige Lübecker Hanno Mertin wollte eigentlich ein Jahr als Menschenrechtsbeobachter auf den Philippinen arbeiten, doch letztendlich blieb er nur drei Monate. Warum?

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Hanno hat Sulfur bei einem Vulkanausflug aufgetragen. Laut Heilkunst soll dies gut für die Haut sein.

Quelle: Hanno Mertin

Nach drei Monaten auf den Philippinen mit der Nichtregierungsorganisation IPON habe ich meinen, von "weltwärts" unterstützten Freiwilligendienst abgebrochen. Es gab schwere Konflikte im Team. Ich arbeitete nicht nur mit meinen Kollegen zusammen, sondern teilte mir auch eine Wohnung mit ihnen. Da man sich gezwungenermaßen regelmäßig sah und es kaum Wege gab, die starken persönlichen Differenzen abzubauen, kam es ständig zu erneuten Streitereien.

Für mich war es das erste Mal, dass ich außerhalb meiner harmonischen Familie in einer WG mit drei anderen, mir mehr oder weniger fremden Menschen lebte. Ich musste einsehen, dass das WG-Leben viele Kompromisse erfordert, aber bei all den Konflikten hatte ich immer das Gefühl, dass nur von meiner Seite die Bereitschaft kam, irgendeinen Kompromiss einzugehen. Dafür habe ich viel, mir persönlich wichtige Routinen wie regelmäßigen Sport, Dehnübungen und feste Essenszeiten aus meinem Alltag gestrichen, damit es nicht erneut zu Konflikten kommt. Aber egal was ich tat, egal wie oft ich meine Mitschuld vor meinen Teammitgliedern eingestanden und Besserung belobigt habe, es schien zu nichts zu führen.

Mein Team gab mir die Schuld an einer insgesamt sehr schlechten Team- und Arbeitssituation und hinterfragte meine Prioritäten. Zuerst hielt ich das für bösartige Unterstellung, später wurde mir jedoch klar, dass ich meine Talente in dieser Form von Menschenrechtsarbeit nicht einbringen konnte und deswegen keinen wirklichen Nutzen für das Team hatte. Deshalb musste ich mich immer wieder zur Arbeit überwinden. Morgens wollte ich gar nicht mehr aufstehen, so stark war der Frust in mir. Ich fühlte mich sehr alleine und missverstanden, wollte aber unbedingt durchhalten und habe deshalb die Probleme über Monate ignoriert, beziehungsweise mich immer wieder dabei erwischt, wie ich mich ablenkte, um der Arbeit und den dahinterstehenden Konflikten zu entkommen. Dann begannen die Fragen in meinem Kopf: Warum mache ich das hier eigentlich? Wieso bessert sich hier nichts? Was kann ich noch tun? Und was habe ich eigentlich mit diesem Freiwilligendienst gemeinsam?

Ich stellte fest: Viel konnte ich nicht mehr tun. Nachdem ich mich meinem Team geöffnetund ihnen mitgeteilt hatte, dass ich mich unwohl fühle und über einen Abbruch nachdenke, wirkten sie sehr verständnisvoll. Sie beteuerten immer wieder, dass sie sich nicht wünschen würden, dass ich abbreche, aber meine Entscheidung, egal wie sie ausfallen würde, unterstützen würden. Dafür bin ich ihnen im Nachhinein sehr dankbar. Viel schlimmer wäre es gewesen, hätten sie mich dann noch versucht, fertig zu machen, schließlich müssen sie nun für ein paar Monate mit einem Teammitglied weniger die Arbeit bewältigen.

Als ich dann einige Zeit von meinem Team getrennt war, fühlte ich mich gleich viel freier und glücklicher. Die Vorstellung, wieder zurück in den Alltag mit dem Team zurückzukehren, machte mich sehr traurig, weshalb ich dann mit Vertrauten von mir gesprochen habe. Sie sagten, es klänge für sie so, als hätte ich mich eigentlich schon entschieden. Und tatsächlich ist es so gewesen, schließlich waren mir die Probleme und Konflikte seit den ersten Wochen bewusst. Ich finde die Arbeit von IPON gut und wichtig, aber ich wollte nicht länger als Menschenrechtsbeobachter in Bacolod City arbeiten. Ich habe mir überlegt, mich stattdessen in Deutschland mit meinen Talenten und Fähigkeiten für IPON einzusetzen, und in der Öffentlichkeitsarbeit tätig zu werden. Diese Entscheidung ist für mein Team und für mich der richtige Weg.

Ich hatte insgesamt tolle drei Monate auf den Philippinen. Für mich war es unglaublich beeindruckend, beim Schnorcheln einer Wolke aus Sardinen nicht weniger als ein oder zwei Meter nah zu sein. Natürlich werde ich all den Smog und die langen Reisezeiten nicht vermissen, aber ich habe auch Vorurteile über Bord geschmissen, und zwar die meisten, denn Pauschalisierungen treffen im Allgemeinen nie zu.

Beispiel: Zu sagen, dass in einem Dritte-Welt-Land alle Menschen arm sind und unsere Hilfe brauchen, ist Quatsch. Zu sagen, dass dort alle kriminell sind und einem nur an den Geldbeutel wollen, ist auch Quatsch. Jede Aussage, die so beginnt: „Alle Philippiner…“ kann ich schon nicht mehr ernst nehmen. Ich habe die Filipinos als sehr freundliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt und habe gleichzeitig gegen Filipinos angearbeitet, die anderen Menschen ihre Rechte verweigern. Ich musste sozusagen dass Schwarz-Weiß-Denken aus meinem Kopf verbannen. Allein dafür hat es sich schon gelohnt.

Außerdem habe ich einen klasse Tipp an alle, die mal die Philippinen erkunden wollen: In jedem Lokal kann man nach Service Water fragen, was dann zur weiteren Bestellung serviert wird. Es kommt mir hier in Deutschland unglaublich albern vor, 2,50€ für ein Glas Wasser zu bezahlen. Das sind 150 Peso! Dafür kriegt man in den Philippinen drei warme Mahlzeiten!

Ich kann nur sagen: Nur Mut! Wann sagt ihr mal: „Moin Welt!“?

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