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Warum heiratest du keine Ccapeña?

Jan-Philipp unterrichtet in Peru Warum heiratest du keine Ccapeña?

Der Stockelsdorfer Jan-Philipp Schmidt ist zurück aus dem kleinen Dorf Ccapi in Peru. Ein Jahr lang hat er dort als Englischlehrer unterrichtet. Zum Abschied gaben die Dorfbewohner ein Fest und er ging noch einmal auf Reisen - nach La Paz, zum Salar de Uyuni, in die Atacama-Wüste und nach Iquique, Chile.

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Der letzte Tanz auf peruanischem Boden: Jan-Philipp tanzt zum Abschied beim Schulfest mit einer Ccapeña.

Quelle: privat

Nun ist mein Jahr in Peru tatsächlich vorbei und der deutsche Alltag hat mich wieder fest im Griff. So wirklich Zeit in Ruhe Zuhause anzukommen, hatte ich leider nicht, denn schon kurz nach meiner Ankunft in Deutschland begann mein Studium. Zwischen dem alltäglichen Stress und der ständigen Planung gibt es immer öfter diese Momente, in denen ich daran zurückdenke, wie anders mein Leben noch vor zwei Monaten war. Ich bin sehr glücklich wieder in Deutschland zu sein, aber ein wenig vermisse ich schon jetzt diese andere Welt, deren Teil ich ein Jahr lang war.

  Eindrücke aus La Paz

Im letzten Monat unseres Freiwilligendienstes hatten wir, meine Mitfreiwilligen Sintje, Jonas und ich noch eine Chance auf Reisen zu gehen. Unsere zweiwöchige Route begann in Bolivien, in einer der höchstgelegenen Großstädte der Welt - La Paz. Es war schon mein zweiter Besuch der Stadt, die sich durch den Kontrast von Wolkenkratzern im Zentrum, prachtvollen Kolonialbauten wie der Kirche San Francisco, Einfamilienhäusern im Südteil der Stadt und den Armutsvierteln der angrenzenden Nachbarstadt "EL Alto" auszeichnet.

Mehr lesen von Erlebnissen in Bolivien und La Paz - Blogger Jonas und Tim:

Zwischen Coca-Blättern und Alkohol: Unter Tage bei bolivianischen Minenarbeitern

Nervenkitzel auf der Todesstraße

La Paz von oben aus der Gondel

La Paz von oben aus der Gondel



Unter der sozialistischen Regierung des Präsidenten Morales wurden 234 Millionen US-Dollar für den Bau des größten innerstädtischen Seilbahnnetzes der Welt investiert, wovon drei Bahnen seit 2014 bereits in Betrieb sind. Bis 2019 soll sie 1400 Kabinen bekommen und insgesamt wird das Transportnetz dann rund 30 Kilometer umfassen. Tatsächlich scheinen die roten, grünen und gelben Waggons (die bolivianischen Nationalfarben), die unter anderem La Paz mit El Alto verbinden - in rund 15 Minuten -, nicht so richtig ins Bild der dicht bebauten Stadt zu passen.

Mehr zur Politik des bolivianischen Präsidenten Evo Morales: Der ewige Evo Morales

Dennoch bietet die Seilbahn vielen Menschen eine gute Alternative zur Vermeidung des stockendenden Straßenverkehrs. Viele Bolivianer haben zudem kein Auto und mit drei Bolivianos (25 Cent) ist eine Fahrt auch erschwinglich. Für Touristen wie uns boten die Gondeln eine super Aussicht auf die Stadt.

Die rote Linie verbindet La Paz mit El Alto. (Georg Ismar/dpa)

Die rote Linie verbindet La Paz mit El Alto. (Georg Ismar/dpa)



Der Hexenmarkt

Eingang eines Geschäftes auf dem Hexenmarkt

Eingang eines Geschäftes auf dem Hexenmarkt



Einer der skurrilsten Orte in der Stadt La Paz ist der berühmte Hexenmarkt, auf dem allerhand kuriose Waren in den kleinen Läden verkauft werden. Man findet dort alles was mit Zauberei, okkulten Riten und traditioneller andiner Heilkunst zu tun hat - unter anderem auch getrocknete Lama-Föten, die zum Schutze des Hauses benutzt werden, Köpfe von Babylamas, Elexiere oder besondere Kräutertees, die einem Erfolg und Glück im Leben versprechen.

Erlebnis Death Road

Die Todesstraße in Bolivien

Die Todesstraße in Bolivien



Eigentlicher Sinn unseres Besuchs in La Paz war aber ein anderer: Denn nicht weit von der Stadt findet man die angeblich gefährlichste Straße der Welt- die Death Road. Die Death Road beginnt auf 4800 Metern Höhe als breite, asphaltierte Straße und endet auf einem schmalen, steinigen Pfad auf ca. 1600 Metern. Dieser Ort zieht jährlich tausende Touristen an.

Mehr lesen von Erlebnissen in Bolivien und La Paz - Blogger Jonas und Tim:

Nervenkitzel auf der Todesstraße

An einem sonnigen Morgen ging unsere Tour also los mit unseren Mountainbikes die Bergstraße hinunter. Es war ein fantastisches Gefühl, mit den Bikes die Berge so schnell hinunterzusausen wie es ging. Wenn man nicht bremste und sich gut in den Wind legte, wurde es tatsächlich ziemlich schnell. In die Pedale musste man so gut wie nie treten.

Am besten hat mir aber der untere Streckenabschnitt gefallen, der statt Highspeed auf Asphalt, eine kurvige, abenteuerliche Dschungelstraße bot. Hier merkte man nun, dass das schnelle Um-die-Kurve-Fahren auf der schmalen, steinigen Straße schon ein bisschen gefährlich war, denn neben der Straße waren keine Zäune, sondern lediglich der bis zu 600 Meter Tiefe Abgrund. Aber über die Gefahren haben ja Jonas und Tim bereits geschrieben.

Expedition in die Hochwüsten Boliviens und Chiles

Die Insel Incahuasi im Salar de Uyuni

Die Insel Incahuasi im Salar de Uyuni



Die nächste Etappe unserer Reise führte in den Südwesten Boliviens zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Erde, der mit einer ebenen, weißen Landschaft beeindruckt. An der berühmten Laguna Colorada, einer rot schimmernden Lagune, an zahlreichen Flamingos, brodelnden Geysiren und heißen Quellen vorbei bahnte sich unser Fahrer den Weg durch die karge, bergige Wüstenlandschaft.

Eine von zahlreichen Lagunen auf dem Weg nach Chile: Hier leben zahlreiche Flamingoarten.

Eine von zahlreichen Lagunen auf dem Weg nach Chile: Hier leben zahlreiche Flamingoarten.



Die Sonne hier spendet in der Mittagszeit grelles Licht und eine angenehme Wärme. Wenn sie dann nachts nicht mehr da ist, wird es jedoch bitterkalt. Aufgrund zahlreicher Vorwarnungen von Reisenden, die hier die kälteste Nacht ihres Lebens mitgemacht hatten, waren wir mit Schlafsack und unzähligen Decken zum Glück gut gerüstet für die Nacht. Und so kalt war es dann am Ende doch nicht in den einheimischen Unterkünften - teilweise Salzhotels.

Meine Wenigkeit vor einer Gysirlandschaft

Meine Wenigkeit vor einer Gysirlandschaft



Jonas und ich vor einem Vulkan in der Hochebene im Südwesten Boliviens

Jonas und ich vor einem Vulkan in der Hochebene im Südwesten Boliviens



Nach zwei Tagen Wüste in Bolivien brachen wir am nächsten Morgen auf in die Atacama Wüste. Von San Pedro de Atacama aus, einer kleineren, sehr touristischen Stadt, machten wir uns mit Mountainbikes auf den Weg zur Quebrada del Diablo und zum Valle de la Luna - wo angeblich die Mondlandung gedreht worden sein soll.

Aussicht auf die Atacama Wüste vor San Pedro de Atacama, Chile

Aussicht auf die Atacama Wüste vor San Pedro de Atacama, Chile



Die Umgebung hier ist wirklich einzigartig. Die bergige Landschaft hat einen leichten Rotstich und eignet sich super, um mit dem Bike um die steinigen Kurven zu flitzen. Unerwarteterweise befinden sich auf der Strecke auch einige Hindernisse wie zum Beispiel kleine Flüsse, die vermeintlich so flach scheinen, dass man mit dem Fahrrad problemlos hindurchfahren kann. Wie sich unter panischem Treten herausstellte, war der Fluss doch nicht so flach, was mich auf der Hälfte des Weges zum Absteigen zwang. Nasse Schuhe und Hose waren die Folge.

Die Strandpromenade in Iquique im Norden Chiles

Die Strandpromenade in Iquique im Norden Chiles



Gringos on Tour

Nach unseren Wüstenabenteuern stand uns der Sinn nach ein wenig Abwechslung, weshalb wir an die Pazifikküste Chiles fuhren. In der Küstenstadt Iquique im Norden Chiles genossen wir den schönen Strand und die sommerlichen Temperaturen.

Dann machten wir uns auf, das Nachtleben Chiles zu erkunden. Als einzige Ausländer landeten wir am Ende des Abends in einer Großraumdisco, in der wie zu erwarten war eine Menge Salsa gespielt wurde. Der lustigste Moment, der mir am meisten in Erinnerung blieb, ist der, in dem der DJ durchs Mikro gröhlte "Wo sind die Gringos?" und sich gefühlt hundert Leute direkt zu uns umdrehten. Mit diesen Eindrücken endete unsere zweiwöchige Reise.

Abschied aus dem Dorf

Der Abschiedstanz auf der Abschiedsfeier in der Secundaria

Der Abschiedstanz auf der Abschiedsfeier in der Secundaria



Nachdem wir dann zurück in unserer Heimatstadt Cusco bzw. ins abgeschiedene Dorf Ccapi gekommen waren, lag das Schwerste in diesem Jahr noch vor uns: Der Abschied aus dem Dorf.

Nach fast einem Jahr in Ccapi haben uns die Dorfbewohner in den Wochen vor unserem Abflug immer öfter mit fragendem Blick angeschaut, als wir ihnen mitgeteilt haben, dass wir nun bald nicht mehr hier sein werden: "Ihr fahrt schon?", war eine häufig gestellte Frage. Einige Kinder sagten zu uns: "Geht nicht!" Andere akzeptierten es ganz einfach.

Die Klasse 2b der Secundaria mit mir

Die Klasse 2b der Secundaria mit mir



Vor allem die älteren Dorfbewohner stellten mir immer wieder die typisch peruanische Frage: "Warum suchst du dir nicht eine Ccapeña (Frau aus Ccapi) zum Heiraten und siedelst dich hier an?" Auch wenn ich bei der Vorstellung von mir in der Rolle eines peruanischen Landwirts lächeln musste, antwortete ich dann: "Ich kann nicht bleiben, muss zurück nach Deutschland, zu meiner Familie und meinen Freunden." Eine wirklich zufriedenstellende Antwort war das nicht, auch nicht für mich.

Tanzende Kinder auf der Abschiedsfeier

Tanzende Kinder auf der Abschiedsfeier



Ein großes Fest

Dann war es fast soweit: Für meine Mitfreiwillige Anna und mich haben Lehrer und Schüler der Grund- und weiterführenden Schule an den letzten Tagen extra jeweils ein großes Abschiedsfest organisiert. Dort haben die Kinder verschiedene typische Tänze aufgeführt und uns viele kleine Geschenke gemacht. Auch gesungen wurde viel und das nicht nur ganz traditionell auf Quechua, sondern diesmal auch auf Englisch. Zum Abschied kam dann noch ein Meer aus Umarmungen auf uns zu.

Der rührende Abschied von den Kindern, den Lehrern, meiner Gastfamilie, meinem Patensohn und den Dorfbewohnern hat mir gezeigt, wie wir in einem Jahr zu einem Teil des Dorfes geworden sind. Auch wenn wir immer ein bisschen die "Gringos" bleiben werden, sind wir keine Fremden mehr, sondern Freunde. Das ist jedenfalls mein Gefühl.

Fazit meines Einsatzes

Klasse 3b der Secundaria

Klasse 3b der Secundaria



Ein bisschen nachdenklich werde ich, wenn ich überlege, wie wenig Englisch die Kinder nach einem Jahr Unterricht beherrschen. Auf einige Schwierigkeiten bin ich im Unterricht gestoßen. Es ist nämlich nicht einfach, die sehr lebhaften Klassen zum konzentrierten Lernen zu motivieren und ihnen trotzdem Spaß am Englischen zu vermitteln. Da im Dorf die indigene Sprache "Quechua" mit Spanisch vermischt ist, ist es für die Kinder umso schwerer ein grammatikalisches Grundverständnis zu entwickeln, womit ein wichtiger Faktor zum Erlernen einer neuen Sprache fehlt.

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