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Im Auge des Sturms

Keya Baier drückt die Schulbank in Uruguay Im Auge des Sturms

Es war eines der schlimmsten Unwetter in Uruguay - und Keya war mittendrin. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen.

Es war das schlimmste Unwetter seit 60 Jahren - und wie immer traf es die Ärmsten

Quelle: Keya Baier

 Vor etwa drei Wochen erlebte ich hier in meinem zweiten Heimatland Uruguay das schlimmste Unwetter seit 60 Jahren. Mit Gewitter, monsunartigen Regenfällen und sogar einen Tornado. Viele Städte versanken im Wasser, meine eingeschlossen, viele Häuser wurden komplett zerstört und über 2000 Personen verloren vorübergehend oder auf nicht absehbare Zeit ihren Wohnsitz. Die Stadt, die es am stärksten getroffen hat, heißt Dolores und liegt etwas weiter nördlich als mein Zuhause. Dort wütete der Tornado im Stadtzentrum, zerstörte ganze Straßenzüge, 20 Menschen starben. Auch im Rest des Landes ist das Leiden groß,  allein in meiner Stadt wurden sechs Tote gezählt, darunter ein Bekannter meiner Gasteltern und zwei kleine Kinder.

Mir persönlich und meiner Familie ist zum Glück weiter nichts passiert, da mein kleines Dorf relativ weit vom nächsten Fluss entfernt ist und außerdem einige Meter über dem Meeresspiegel liegt, die Fluten erreichten uns nicht. In San José aber, der Stadt, in der ich zur Schule und zum Sport gehe und wo beinahe alle meiner Freunde wohnen, wo also kurz gesagt fast mein komplettes soziales Leben stattfindet, war die Zerstörung unvorstellbar. Die drei dem Fluss am nächsten Stadtviertel wurden komplett überschwemmt, teilweise reichte das Wasser bis zu zweieinhalb Meter hoch und zwang so beinahe 300 Familien, ihre Häuser zu verlassen und in Notunterkünften untergebracht zu werden. Wie so oft in solchen Problemsituationen traf es leider vor allem den sehr armen Teil der Gesellschaft, also die Personen, die von vornherein schon kaum genug zum Leben hatten, und nun endgültig alles verloren haben.

Alle Evakuierten wurden in insgesamt drei Orten der Stadt untergebracht, und die Sporthalle meiner Schule war einer davon. Dort half ich also gemeinsam mit vielen meiner Freunde tagelang, vor allem mit der Verteilung des Essens, der Beschäftigung der über 40 Kinder, die dort bleiben mussten, und immer neu auftauchenden kleinen Aufgaben, zum Beispiel der Besorgung von Damenbinden, der Hilfe für eine ältere Frau beim Duschen und vieles mehr. Es hat mich sehr gefreut und überrascht zu sehen, wie schnell sich Hilfsgruppen formiert haben, und auf die sich alle bis zum Schluss verlassen konnten. Nach sechs Tagen in Notunterkünften konnten wir am Freitag der vorletzten Woche endlich beginnen, die ersten Familien zurück in ihre Häuser zu schicken. Seitdem sind wir fast täglich damit beschäftigt, die Häuser mit Hipochlorit zu reinigen, all den durch die Flut hereingetragenen Schlamm zu entfernen, einige eingefallene Wände neu zu konstruieren und generell zu versuchen, die Häuser wieder so bewohnbar wie möglich zu machen. Dabei, und auch während der Zeit in der Sporthalle, habe ich viele der Evakuierten besser kennengelernt und tatsächlich gute Bekanntschaften geschlossen, und es macht mein Herz froh zu wissen, dass ich in der Lage war, mit meinen wenigen Möglichkeiten diesen Menschen doch zumindest ein bisschen helfen zu können. Jeden Tag sehe ich nun, wie die betroffenen Familien sich ein Stück weiter der Realität annähern, und ich bin voller Hoffnung, dass bereits in einigen Monaten wieder alles beim Alten sein kann.

Die schlimmen Überschwemmungen machten den Menschen zu schaffen

Die schlimmen Überschwemmungen machten den Menschen zu schaffen

Quelle:



Wasser, Wasser, überall Wasser

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Viele Ortschaften wurden überflutet, Menschen starben

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Im Himmel brachen die Dämme, das Wasser ergoss sich in reißenden Strömen

Im Himmel brachen die Dämme, das Wasser ergoss sich in reißenden Strömen

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Und wieder traf es vor allem die Armen

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Es war das schlimmste Unwetter seit 60 Jahren

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