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Mit Wwoofing nach Waiheke Island

Lara macht work&travel in Neuseeland Mit Wwoofing nach Waiheke Island

Lara Zubes Start ins Work&travel-Leben war einmalig: Als Wwoofer - so werden Leute bezeichnet, die die Internetplattform Wwoofing nutzen - arbeitete sie eine Woche bei Kiwi John auf der Insel Waiheke Island und machte viele traumhafte Erfahrungen.

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An den Traumstränden Neuseelands

Als Wwoofer war Lara Gast beim Kiwi John - eine unvergessliche Erfahrung.

Quelle: privat

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich meinen ersten wwoofing Job auf der Insel Waiheke Island in Neuseeland an. Wwoofing (World-Wide Opportunities on Organic Farms) ist unbezahlte Arbeit gegen Unterkunft und Verpflegung und sehr beliebt bei Backpackern in Neuseeland. Hierfür muss man sich auf einer Website anmelden und eine Anmeldegebühr von 40NZ Dollar zahlen. Über diese Website bieten Biobauernhöfe, aber auch Privatpersonen/Familien, die einen naturverbundenem und umweltschonendem Lebensstil führen, einen Job an.

Jeder "Arbeitssuchende"/Volunteer/Wwoofer und Arbeitgeber/Hosts erstellt ein eigenes Profil, worin er Bilder und einen Text mit Infos über sich selbst veröffentlicht. Die Arbeitsfelder können von Host zu Host sehr unterschiedlich sein. Mal geht es um Gartenarbeit, Renovierungsarbeiten, Farmarbeit, um Haushaltshilfe (kochen und abwaschen) und es gibt Aupair/Nanny-Jobs. Auf der Website wird als Angabe von offiziell zwei bis sechs Stunden Arbeit gesprochen. Wie man sich bewirbt, ist recht simpel.

Bildschirmfoto der Neuseeländischen Website

Bildschirmfoto der Neuseeländischen Website

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Als Wwoofer schreibt man den für ihn interessanten Host einfach per Email an und schlägt einen Arbeitszeitraum vor. In Neuseeland ist kein formaler Text erforderlich. Zur Begrüßung reicht ein "Hi XX" aus und als Verabschiedung ein "Cheers". Meiner Erfahrung nach bevorzugen es Hosts sogar, in einem lockeren Chat zu kommunizieren, wie es für die Neuseeländer üblich ist. Relativ zeitnah und spätestens am nächsten Tag habe ich immer eine Rückmeldung erhalten. Entweder der Hosts hat bereits einen Wwoofer und ist somit ausgebucht oder man erhält eine Zusage. In meinem Fall suchte ich nach einem Job auf der Insel Waiheke Island und schrieb somit allen verfügbaren 27 Hosts an. Ich hatte von vielen gehört, dass es einer der schönsten Flecke Neuseelands ist!

Eindruck von Wihake Island

Eindruck von Wihake Island

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Wie ich feststellen musste, schien es nicht ohne Grund beliebt zu sein, besonders dort wwoofen zu gehen und ich erhielt daher unendlich viele Absagen. Alle Stellen waren besetzt, bis auf die von John, einem alleinlebenden Rentner, der mir vorerst für drei Tage zusagte.

Mit John an seinem Strand

Mit John an seinem Strand

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Gleich am Nachmittag nahm ich die Fähre, für die ich ein One-Way-Ticket 20NZ-Dollars kostete. Die Überfahrt an Devonport und Ragitoto vorbei dauerte eine halbe Stunde. Ziemlich aufgeregt und mit dem Wissen, dass nun das "richtige" Backpackerleben/Work&Travel startete, freute ich mich tierisch auf das Treffen mit John, der mich am Hafen auf Waiheke Island bereits erwartete. John ist ein 73 Jahre alter Herr, topfit und ein richtiger Kiwi. Auf Anhieb verstanden wir uns prächtig und tauschten die üblichen Informationen über Herkunft, Familie und den Lauf des Lebens aus. Sein extrem starker Akzent brachte mich anfangs echt zur Verzweiflung und ich musste des Öfteren mehr als zweimal nachfragen.

Schöne Momente auf Waiheke Island

Schöne Momente auf Waiheke Island

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...auf der Terasse

...auf der Terasse

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Das Besondere ist, dass John abseits der "Stadt" lebt. Genauer gesagt: "living in the whobwhobs", was soviel auf Deutsch hier wie "am Arsch der Heide" wohnen. Und das kann ich definitiv bestätigen. Natürlich war mir das vorher nicht bewusst, aber ich hatte auch keine Erwartungen und war für alles offen. Dennoch staunte ich nicht schlecht auf das kleine Motorboot, als wir das Auto nach einem kurzen Wocheneinkauf fernab von jeglicher Zivilisation parkten.

Blick von Johns Grundstück

Blick von Johns Grundstück

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Selbstverständlich hatte John alles abgepasst, was Ebbe und Flut anging, sodass wir sofort rüber zu seinem Grundstück fuhren. Bei der Überfahrt waren viele riesige, protzige, moderne Villen zu sehen mit Weinhang, Tenniscourt oder Helikopterlandeplatz. Waiheke Island ist dafür bekannt, dass die Reichen auf der schönen Insel ihre Zweitresidenz haben. Nach 15 Minuten erreichten wir das gegenüberliegende Ufer und legten an einer kleinen Anlegerstelle an. Wie er mir erzählte, sei dies seit Jahrzehnten sein einziges Transportmittel, da keine Straße zu seinem Grundstück führt. Es sei denn man hätte mehrere Millionen auf dem Konto, um diese bauen.

An Johns Haus

An Johns Haus

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Sein Grundstück

Sein Grundstück

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Gemütliche Wärmequelle

Gemütliche Wärmequelle

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Sein vergleichsweise "kleines", normales Grundstück war und ist einfach ein Traum! Der Garten besteht aus etlichen unterschiedlichen Obstbäumen, einem Gemüsegarten und sein selbstgebautes Haus bezieht Strom aus einem Dieselstromgenerator, Wärme aus einem Heizofen und thermischer Solaranlage. Das Wasser speist er aus Regen- und Grundwasser. Er ist einfach komplett unabhängig! Der Wahnsinn!

Der Strand nahe Johns Zuhause

Der Strand nahe Johns Zuhause

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Schätze auf Johns Strand

Schätze auf Johns Strand

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Auf Johns Strandabschnitt gibt es etliche Austern, die bei Ebbe nur darauf warten, frisch geerntet und natürlich verzehrt zu werden. Für seinen Eigenbedarf züchtet er leckere Grünschalmuscheln. Das sind Miesmuscheln, nur doppelt so groß.

Riesige Miesmuscheln

Riesige Miesmuscheln

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Zu meinen Jobs gehörten meist Gartenarbeit, wie zum Beispiel Unkraut zu jähten, das Kürzen von Bäumen, Holz hacken und - mein persönliches Highlight - das Abendessen kochen. Ich genoss dies bei der Vielfalt der Auswahl an neuen Zutaten und testete zu Johns Leidwesen etliche neue Rezepte/Variationen aus.

Eine meiner Kreationen

Eine meiner Kreationen

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John war immer für den Nachtisch zuständig und tischte typische neuseeländische Leckerein auf. Schon jetzt kann mein Rezeptbuch mit meinem Tagebuch mithalten.

Ich bei der Gartenarbeit

Ich bei der Gartenarbeit

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Wenn es hoch kam, arbeitete ich insgesamt nur zwei Stunden täglich. John und ich verbrachte den Tag einfach gemeinsam und die Zeit verflog wie im Fluge. Ich behaupte, dass John einfach nur glücklich war, wenn er jemand um sich hat, eine helfende Hand bei seiner täglichen Arbeit hat und einen guten Gesprächspartner. Es war keinesfalls eine Seniorenbetreuung, im Gegenteil! John ist für sein hohes Alter topfit, selbständig und aktiv - alle Achtung was dieser 73(!) Jahre alter Herr tragen und stemmen kann.

Mit John beim Fischen

Mit John beim Fischen

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Schlussendlich gefiel es mir so gut und auch John, dass ich sogar eine Woche statt nur drei Tage bleiben durfte. Ich habe so viele neue Erfahrungen sammeln dürfen und jeder Tag brachte etwas Schönes. Ich habe gelernt wie man mit einem Netz fischt, Alkohol braut, Obst und Gemüse anbaut und John unterrichtet mich auch in Meeres- und Vogelkunde. Zudem kenne ich jetzt allerlei typisch neuseeländische Vokabeln. Wir verbrachten auch lustige Abende gemeinsam mit John's Freunden und mehr oder weniger Nachbarn.

Obstbaum auf seinem Grundstück

Obstbaum auf seinem Grundstück

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Weg zum Meer

Weg zum Meer

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In meinen Augen ist Wwoofing eine richtige tolle Sache und die beste Gelegenheit, die Einheimischen und deren Alltag kennenzulernen und den Kiwi-Lifestyle selbst zu leben. Es ist ein Geben und Nehmen und somit eine Win-Win-Situation für Host und Wwoofer. Vor allem da als Wwoofer keinerlei Kosten auf einen zukommen und somit die Reisekasse geschont wird.

Auch jetzt noch habe ich regelmäßigem Kontakt mit John und werde ihn Ende Januar 2016 wieder für paar Tage besuchen, wenn ich wieder in Auckland bin. Ich konnte mir wirklichen keinen besseren Start und Job in meinem Work&Travel-Jahr vorstellen.

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