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"I love KL"

Madita Strähle (19) reist um die Welt "I love KL"

Die Welt ist, was sie ist. Einerseits. Andererseits: "Ob es eine bessere oder eine schlechtere wird, liegt daran, ob wir selbst besser oder schlechter werden." Schreibt Weltreisende Madita. Ihre neueste Station: das malaysische Kuala Lumpur.

Die Welt ist nicht genug. Auf Endeckungsreise in Kuala Lumpur

Quelle: Madita Strähle

Meine französische Freundin Marion und ich stehen vor der City Gallery der malaysischen Hauptstadt. Wir warten geduldig in einer Menschenschlange, bis auch wir endlich an der Reihe sind, unser typisch touristisches Foto vor der bekannten „I Love KL“ - Statur zu knipsen. Einmal in die Kamera lächeln, noch ein Herzchen mit den Fingern formen und schwups ist das perfekte Erinnerungsfoto an die Millionenmetropole der Region im Kasten.
Als ich am Ende eines anstrengenden Tages in mein Bett falle und das Bild beim Durchstöbern meiner tagsüber geschossenen Fotos wiederentdecke, komme ich ins Grübeln.

I love KL. Tja, heutzutage lieben wir doch vieles: Schokolade, Fußball, den neusten Track von unserm Lieblingssänger -warum also nicht die Hauptstadt Malaysias? Je mehr ich über meinen kurzen Aufenthalt in Kuala Lumpur nachdenke, desto mehr Bedeutung messe ich diesem simplen, eigentlich nicht meinem Stil entsprechenden, Foto zu.

Erinnerungsfoto an die Millionenmetropole der Region

Erinnerungsfoto an die Millionenmetropole der Region

Quelle:

 

Zunächst möchte ich mich einer anderen These widmen, die mich seit langer Zeit auf meinem Weg begleitet: Ob die Welt um uns herum eine bessere oder eine schlechtere wird, liegt daran, ob wir selbst besser oder schlechter werden.

Der einzige Weg, besser oder eben auch schlechter zu werden, führt über eine Veränderung der bisherigen Verhältnisse.
Schauen wir zur Verdeutlichung doch einmal auf die Geschichte Kuala Lumpurs. Gegründet wird die Stadt 1857 von chinesischen Bergleuten, die auf der Suche nach Zinn am Zusammenfluss der beiden Ströme Gombak und Klang, wo heute die weltbekannte Jamek Mosche steht, rasten. Das matschige Flussufer der beiden Gewässer gibt der schnell wachsenden Stadt seinen Namen: Kuala Lumpur, schlammige Flussmündung. Über eine Periode britischer Kolonisation und dem späteren Erlangen einer unabhängigen Verwaltunghinweg, entwickelt sich Kuala Lumpur nicht nur zum modernen Zentrum der Region, sondern viel mehr zur kulturellen, ökonomischen und religiösen größten Stadt Malaysias. Nicht schlecht, denke ich mir, für etwas, das mit ein bisschen Schlamm seinen Anfang nahm. Heute laufe ich durch die Straßen und sehe der Stadt quasi beim Wachsen zu. Wolkenkratzer und Baukräne soweit das Auge reicht. Und wieder ein neues Hochhaus, was die Skyline Kuala Lumpurs in einer neuen Silhouette erscheinen lässt. Zwischendrin Überbleibsel der alten Mienenstadt, kleine baufällige Lehmhäuser, die in dem Betondschungle nahezu verloren wirken, aber dennoch einen roten Faden der Vergangenheit durch die pulsierende Stadt ziehen.

Veränderungen sind in der Zeitspanne zwischen der Gründungszeit KL’s und heute unumstritten vorhanden. Ob diese nun mehrheitlich gut oder schlecht waren, darüber lässt sich sicher diskutieren. Meiner Meinung nach hängt das Beurteilen einer Veränderung zunächst einmal von der ursprünglichen Intention ab, mit der die Veränderung angegangen wurde. Und genau hier ist dann also auch die richtige Stelle, an der ich gerne wieder die Liebe ins Spiel bringen würde. Was also ist Liebe? Für mich ist  Liebe das, was eine Person dazu bewegt, mit solcher Ambition und Leidenschaft für eine Sache zu leben, dass er sich für die stetige Verbesserung des Begehrten einsetzt.

Das mag sich nicht nur auf Personen, sondern auch auf gewisse Interessensgebiete oder Gegenstände beziehen. Zusammengefasst also: Wer liebt, will besser werden. Das gilt zum Beispiel für jemanden, der es liebt, ein Instrument zu spielen oder eben auch für jemanden, der es liebt zu reisen. Der Drang nach mehr und besser ist auf leidenschaftliche und emotionale Art in einer Person verankert.

Um den Bogen zurück auf meine Erlebnisse in Kuala Lumpur zu spannen, würde ich an dieser Stelle gerne von unserer Begegnung mit Zul erzählen.

Meine Freundin Marion und ich trafen Zul eines Nachmittages etwas außerhalb der Stadt während eines Schlenderganges durch die botanischen Gärten. Schnell kamen wir mit dem Malaysier ins Gespräch und nach nur wenigen Minuten bot sich Zul als privater Stadtführer an. Er garantierte uns, sofort mit einer Führung loszulegen, wenn er vorher noch für fünf Minuten in die Moschee beten gehen dürfe. Marion und ich warteten vor der Moschee. Während dem gemeinsamen Durchstreifens der Stadt und einem gemütlichen Abendessen in Chinatown, bei dem uns Zul freudestrahlend alle Köstlichkeiten der malaysischen Küche heranorderte, tauschten wir uns auf interkulturelle Weise aus. Mir machte es Spaß, Zul zuzuhören, der so euphorisch über die guten Aspekte seiner Heimat sprach.
Als wir eine enge Gasse hinunterliefen, blieb Zul stehen und zeigte auf ein Gebäude auf der gegenüberliegen Straßenseite und verriet uns, dass dies einer der schönsten buddhistischen Stätten der Stadt sei und fragte uns, ob wir nicht Lust hätten uns drinnen umzusehen. Mit dem Wissen, dass Zul selbst muslimisch war, fragten wir ihn, ob ihn das nicht irgendwie störe. Zul lachte und machte den Ansatz, unsere Eintrittskosten zu übernehmen. „Ich bin Muslim und ich glaube nicht an Buddha. Im Koran steht nirgendwo geschrieben, dass ich keine Tempel betreten darf. Ich respektiere andere Religionen und außerdem sieht der Tempel echt wunderschön aus von innen“
Mich beeindruckte nicht nur die Freude, die Zul dabei hatte, uns ohne Gegenforderung durch seine Stadt zuführen, sondern auch die Toleranz mit der er seinen Teil dazu beitrug, im religiösen und kulturellen Kuala Lumpur Seite an Seite mit Atheisten, Christen, Buddhisten und Muslimen zu leben.
Es war die Liebe zu seiner Heimat, die ihn dazu animierte, zwei Fremden einen Einblick in seine Welt zu verschaffen und dafür war ich sehr dankbar. Als wir nach dem Treffen mit Zul auf den riesigen Aufsichtsturm hinauffuhren, brachte uns der höfliche Mann an der Kasse lachend die Worte Saya Sayang Awak bei. – Ich liebe dich. Ich musste irgendwie schmunzeln.

Dass ich Kuala Lumpur in 10 Jahren wohl kaum noch wieder erkennen werde, bezweifele ich kaum. Veränderungen machen den Fortschritt. Die Welt ist nicht perfekt und Kuala Lumpur ist es sicher auch nicht. Mit eigenen Augen sehe ich, wie ein Polizist von einen Motorradfahrer in einer dunklen Gasse abseits des Straßenrandes Geld annimmt. Korruption ist sicher nicht das einzige Problem, dass Kuala Lumpur in den nächsten Jahren zu bekämpfen hat. Aber es macht mir Hoffnung und Mut zu wissen, dass es in Kuala Lumpur Menschen gibt, die im Herzen für etwas brennen, welches sie nach dem Guten streben lässt.
Ich blicke auf das Foto von mir und Marion vor der KL Statur.

Kuala Lumpur, Saya Sayang Awak, denke ich still und schlafe ein.

Streifzug durch Kuala Lumpur

Streifzug durch Kuala Lumpur

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Die Welt ist nicht genug

Die Welt ist nicht genug

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Hoch hinaus in Kuala Lumpur

Hoch hinaus in Kuala Lumpur

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