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Mit allen fünf Sinnen durch Bali

Madita reist durch die Welt Mit allen fünf Sinnen durch Bali

Madita Strähle ist schon über ein Jahr auf Weltreise. Auf Bali hat sie abseits der Touristenpfade ihre Sinne erweitert - um den Bali-Sinn.

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Ihre Wege abseits der Touristenhochburgen auf Bali führten Madita zur Bar "Mengong", wo sie talentierte und bescheidene Musiker traf.

Quelle: Fotos: Madita Strähle

Vorwort:

Neue Erfahrungen zu machen, ist einfach. Darüber abwechslungsreich zu berichten, ist da schon etwas komplizierter, vor allem wenn die Erfahrungen so überragend sind, dass Worte dafür nicht mehr ausreichen. Mir ist bewusst, dass die Menschen, für die ich diesen Blog schreibe, mit der wiedergegebenen Welt nicht vertraut sind. Erlebnisse und Erfahrungen so in Worte zu fassen, dass sich jemand für die unbekannte Welt begeistert, das ist genau die Challenge, die meine Co-Moin-Welt-Blogger und ich mit jedem neuen Blogbeitrag zu meistern haben.

In meinen ersten Tagen auf Bali versuchte ich mit weit aufgerissenen Augen all das in mich aufzusaugen, was ich zu sehen, fühlen, schmecken, riechen und hören bekam und wieder und wieder plagte mich die Frage: Wie kann ich das jemals irgendjemandem nahebringen, der dies nicht erlebt und gesehen hat? Ich entschied schließlich, mich von dem Wunsch freizumachen, alles in detailreichen Einzelheiten niederzuschreiben und besann mich auf das alte Sprichwort: "Weniger ist manchmal mehr."

Bekannterweise verfügt der Mensch über fünf Sinne. Und eben diese fünf Sinne wurden in Bali auf eine ganz besondere Weise angesprochen - auf eine sensationelle, außerordentliche, beeindruckende und herausragende Art und Weise:

Sehen.

Bali ist eine von 17 000 Inseln Indonesiens und hier gibt es mehr als genug zu sehen. Farben und Fröhlichkeit soweit das Auge reicht. Da sind riesige, grüne Reisterrassen, auf denen Männer und Frauen mit Strohhüten in der prallen Mittagssonne Knochenarbeit leisten.

Eine von vielen Reisterrassen

Eine von vielen Reisterrassen

Quelle: Madita Strähle



Altar im Reisfeld

Altar im Reisfeld

Quelle: Maxou



Vaz und ich im Reisfeld

Vaz und ich im Reisfeld

Quelle:



Da sind die weiten, teilweise schwarzen Strände, menschenleer, von denen aus man ein paar mutige, wartende Surfer in den Wellen treiben sieht.

Schwarze Sandstrände auf Bali

Schwarze Sandstrände auf Bali

Quelle:



Da sind die kleinen Körbchen vor jeder balinesischen Tür, gefüllt mit bunten Opfergaben, Blumen, Essen und Trinken für die 'Spirits'. Spirits sind die überirdischen Wesen, die auf Bali zu Hause sind. Da sind die unzähligen Tempel und Läden, voller Formen und Farben und die lächelnden Menschen.

Der berühmten Tempel auf dem Felsen im Meer: Tanah Lot

Der berühmten Tempel auf dem Felsen im Meer im Morgenlicht: Tanah Lot

Quelle:



Mehr zu Bali von unseren Ehemaligen Bloggern Tim und Jonas: Backpacker-Dasein auf Balinesisch

Statur im Palast eines balinesischen Prinzen

Statur im Palast eines balinesischen Prinzen

Quelle: Freund von Maxou



Da ist der Urwald mit wilden Affen und plätschernden Flüssen, die in reißenden Wasserfällen münden. Da sind menschenbelagerte Essensmärkte mit unbekannten Früchten und balinesisch traditionellen Gerichten. Da sind wundervolle Sonnenaufgänge und Untergänge, währenddessen die Sonne wie ein riesiger, roter Feuerball erscheint. Da sind gesperrte Straßen für Zeremonien, ganze Dörfer in weiß gekleidet, singend und musizierend.

Gruppenbild von Vaz, Maxou und mir

Gruppenbild von Vaz, Maxou und mir

Quelle:



Und da sind meine beiden Freunde Vaz und Maxou, "Team Bof", die jeden Tag ein Lächeln und einen Witz auf den Lippen haben und das Leben einfach erscheinen lassen.

Fühlen.

Für viele Urlauber, die Bali als Zielort ihrer Reise wählen, wäre unter dem Kapitel "Fühlen." wohl die traditionelle, balinesische Massage vermerkt. Ich muss zugeben, es ist unglaublich entspannend bei einer heißen Steinmassage seinen Gedanken freien Lauf zulassen, aber wenn ich an Bali denke, dann denke ich an das Gefühl von heißem Sand unter den Füßen und an die Wucht, mit der das Wasser von rauschenden Wasserfällen auf einen hinabfällt.

Fischerboote an Balis Stränden

Fischerboote an Balis Stränden

Quelle:



Ich denke auch an die Hitze und vor allem an die langen Tage auf dem Scooter, die für mich das ultimative Bali-Fühlerlebnis vereinen. Bali ist eine Verkehrshochsburg. In den ersten Tagen war ich geschockt - geschockt von den vielen Autos, dem Gehupe und den hunderten von Scootern, die sich, so schien es, mir ohne jegliches Regelwerk durch die Straßen und um parkende Autos schlängelten.

Die ersten paar Tage saß ich also mit bei Maxou auf dem Scooter, der mit der Verkehrssituation mehr als vertraut war. Maxou, mein ehemaliger, australischer Mitbewohner und Familienmitglied der "Unemployed Gang" ( siehe Blogbeitrag: Nach Unfall und Geldbetrug: Wie man als Backpacker wieder aufsteht) kannten sich aus in Bali. Er hatte ein Jahr lang in einem Hotel gelebt und als Fotograf gearbeitet. Vaz, ein alter Schulfreund von Maxou und das dritte Mitglied unseres Reiseteams, und ich hatten somit ins Schwarze getroffen und unseren ganz privaten, Indonesisch sprechenden Tourguide.

Auf dem Scooter: Maxou vorne, dann ich und Vaz

Auf dem Scooter: Maxou vorne, dann ich und Vaz

Quelle:



Es war an meinem Geburtstag, als ich mich zum ersten Mal alleine auf meinem weißen Scooter in den regen Inselverkehr wagte. Wir fuhren Kolonne. Maxou vorne weg, ich und Vaz bildete das entspannte Schlusslicht. Die ersten paar Stunden auf dem Scooter waren stressig, vor allem weil ich außer den Motorrädern auf der Cattlestation in Australien noch nie auf einem Zweirad mit Motor saß. Ich hatte mit meinem Scooter schon allerhand zu tun, und war wirklich beeindruckt, wenn ich eine fünfköpfige Familie auf einem Gefährt oder einen mit Essen beladenen Scooter neben mir erblickte. Hinzu kam der Verkehr und die Hektik auf den Straßen. Überall wurde gehupt, es liefen Hunde und Hühner auf der Straße und hin und wieder stand da auch eine Kuh im Weg.



Auch die Straßenverhältnisse waren teilweise wirklich bedenklich. Vor allem außerhalb der Städte wurden Straßen mehr zu steinigen Feldwegen, manchmal überraschten einen unerwartet Schlaglöcher oder Anhöhungen und der Kies, der in manchen Kurven auf der Straße lag, gefährdete die Sicherheit auf zwei Rädern.

Nach einigen Stunden Verstand ich das Prinzip, nachdem in Bali gefahren wurde: Wer zögert verliert. Also tat ich das Einzige, was mir übrig blieb. Ich fuhr ohne Rücksicht zu nehmen und seltsamerweise funktionierte dies einwandfrei. Und dann auf einmal fuhr ich nicht nur, sondern ich hatte Spaß. Ich fühlte den Wind, der mir um die Ohren sauste und die plötzliche Kälte, die eintrat, als wir nach Sonnenuntergang in den Bergen herumsausten.

Die Natur Balis

Die Natur Balis

Quelle:



Ich fühlte die Sonne, die während einer achtstündigen Scooterfahrt auf unsere Schultern hinabknallte und ich fühlte die Insekten, die nachts gegen meinen Helm trommelten. Ich fühlte die Abgase und den Dreck, der sich nach jedem Tag auf dem Scooter auf meinem gesamten Körper gesammelt hatte und ich fühlte die huckeligen Sandwege und geschmeidigen, betonierten Stadtstrassen. Ich fühlte Bali.

Schmecken.

Was darf es zu trinken sein? Ein Wassermelonen-Smoothie, ein gemischter Fruchtsaft und ein Eiskaffee, bitte.Und zu essen? Ein Nasi Goreng (frittierter Reis mit Gemüse, Hühnerfleisch und Ei) extra scharf, ein nicht scharfes Mie Goreng (Nudeln mit Gemüse, Hühnerfleisch und Ei) und ein Chicken Satay (Hühnerfleisch auf langen Stäben mit Erdnussbutter ummantelt). So hätte vielleicht eine typische Bestellung in einem der vielen Restaurants ausgesehen, in denen Maxou, Vas und ich aßen. Trotz der vielen westlichen Cafés und Restaurants waren wir uns einig, uns stets von einheimischen Speisen zu ernähren und so gewöhnte man sich dann auch an ein Nasi Goreng zum Frühstück, bei über 28 Grad.

Einen Tag waren wir unterwegs mit dem Scooter in Richtung Tabanan. Das ist eine touristenfreie Gegend, in der Maxou während seiner Zeit in Bali gelebt hat. Ich war hungrig und meine Konzentration fing langsam an nachzulassen. Erleichtert atmete ich auf, als ich Maxous Scooter vor mir blinken sah. Endlich Mittagessen! Wir waren bei Yani eingeladen, einer alten Freundin von Maxou. Die kleine, junge Frau aus Java kam uns schon auf der Straße entgegengerannt und begrüßte zuerst Maxou und dann Vaz und mich herzlichst.

Wir setzten uns an den einzigen Tisch, den ihr kleines Bistro bot und ich sah mich um. Das Bistro war mit einer Wellblechwand von dem unbefahrenen Feldweg abgetrennt. Wir saßen quasi in einem fünf Quadratmeter großen Vorhof. Es wimmelte nur so von kleinen Insekten, die sich aus den umliegenden Reisfeldern in Yanis Hof verirrt hatten. Die Küche war altmodisch und winzig, gerade so groß, dass Yani darin hantieren konnte.

Hitze und Getränke in der Mittagssonne

Hitze und Getränke in der Mittagssonne

Quelle:



In der Ecke hing ein Fernseher, in dem eine eigenartige indonesische Soap lief. Yani war aufgeregt und sprach durch ein breites Lächeln einen wirren Mix zwischen Englisch und Bahasar, bevor sie in der Küche verschwand und man sie mit Töpfen und Pfannen hantieren hörte. In der Zwischenzeit verkosteten Vaz, Maxou und ich Orangensaft und die von Yani selbstgebackenen Lumpia, eine balinesische Spezialität: kleine Teigpfannkuchen mit dem Geschmack von Frühlingsrollen. Ich hätte mich an Lumpia sattessen können, aber als ich mein drittes Päckchen gerade verschlang, kam Yani mit breitem Grinsen und dem Hauptgang aus der Küche.

Es gab Hühnchen und Reis. Das mag dem deutschen Leser unspektakulär erscheinen, aber traditionell angerichtet, lief mir beim Anblick meines Tellers das Wasser im Mund zusammen. Während Vaz und ich noch unsicher auf Besteck warteten, stopfte Maxou sich schon die erste handvoll Reis in den Mund. Natürlich! Vaz und ich grinsten uns an und Vaz deutete auf die kleinen, wassergefüllten Näpfe, die vor uns auf dem Tisch stehen. "Nicht zum trinken?", fragt er und Yani brach in schallendes Gelächter aus und rief fröhlich: "Hände waschen, Hände waschen!"

Meergeruch

Meergeruch

Quelle:



Die nächsten zehn Minuten herrschte Stille. Wir alle waren so mit essen, schmecken und genießen beschäftigt, dass wir die jeweils Anderen um uns herum vergaßen. Nachdem ich auch das letzte Reiskorn von meinem Teller aufgepickt hatte und anschließend meine Hände in dem dafür vorgesehenen Schälchen gesäubert hatte, fiel mir das Atmen schwer, so gesättigt war ich. Wir plauderten und lachten noch ein Weilchen mit Yani, bevor es uns wieder auf unsere Scooter zog.

Zum Abschied umarmte Yani jeden von uns, bedankte sich herzlich und mahnte uns sich ja wieder blicken zulassen. Wir gaben unser heiliges Ehrenwort und sausten auf der huckeligen Straße davon, um uns die bereits gut gefüllten Bäuche auf dem nächstgelegenen Markt mit frittierten Bananen noch voller zu stopfen.

Riechen.

"You're only here for a short visit. Don't hurry, don't worry and be sure to smell the flowers along the way." Der Satz war an einer der Mauern der Bali Karma Villa gepinselt, in der wir den Großteil unserer Nächte in Bali verbrachten. Mit Laura und Jason, einem französisch-südafrikanischen, jungen Paar und Freunden von Maxou genossen wir die gemeinsamen Abende in der Villa, die sie an Urlauber vermieteten.

Die Bali Karma Villa

Die Bali Karma Villa

Quelle: Bali Karma Villa-Facebook



Es waren nicht nur die Blumen, nach denen Bali roch, es war ein Geruch der Frische über der ganzen Insel. Die salzige Meerluft und der Dschungel, die frische Wäsche, gemahlener Bali-Kaffee. Der Geruch von Kokosnussöl auf der Haut nach einer entspannenden Massage. Es roch nach Räucherstäbchen, die überall angezündet wurden und es duftete nach all den verschiedenen Köstlichkeiten auf den Wochenmärkten.

Hören.

Es war schon dunkel und wir saßen am Lagerfeuer. Auf der größten Insel der Gili-Inseln, Gili Trawangan, gab es weder Autos, noch die in Asien so beliebten Scooter. Hier wurde marschiert oder wer dazu keine Lust hatte, der lieh sich eines der vielen bunten Fahrräder aus oder ließ sich von einer der kleinen Pferdekutschen, die dort wie Taxis operierten herumfahren.

Pferdekutsche auf Gili-Island

Pferdekutsche auf Gili-Island

Quelle: Maxou



Vas, Maxou und ich sind mit unseren Klapperrädern die ewig lange Promenade entlanggefahren, vorbei an all den modernisierten, touristischen Strandbars und Restaurants und vorbei and den vier Sterne Luxusressorts, bis wir in den etwas abgelegeneren Teil Gili Trawangans gelangten. Hier war weit und breit nichts von Luxus oder Touristen zu sehen. Hier lebten die Inselbewohner bescheiden und in simplen Verhältnissen und hier befand sich die kleine Bar, die sich Mengong nannte.

Wir zu Besuch in Mengong

Wir zu Besuch in Mengong

Quelle: Maxou



Das Mengong war weniger eine Bar und mehr das Zuhause von einer unübersichtlichen Zahl an Inselbewohnern. Schnell kamen wir in Kontakt mit Aphotyo Aphotyo, ein freundlicher, junger Mann mit einem riesigen Afro, der uns herumführte.

Aphotyo Aphotyo

Aphotyo Aphotyo

Quelle: Maxou



Das Mengong bestand aus der Bar, einem einfachen Holzunterstand, in dem Steine und Holzbänke als Sitzgelegenheit dienten, aus einem kleinen Tresen und einem Kühlschrank aus dem Bier verkauft wurde. Überall standen Instrumente und sogar ein kleiner Fernseher war installiert. Im hinteren Teil des Mengongs befand sich eine offene, überdachte Terrasse auf der geschlafen wurde und das Badezimmer - allerdings ohne Toilette. Vier steinerne Wände dienten als Sichtschutz und die Tür war ein provisorisches Tuch. Ziege Billy und einige Hühner waren im Mengong ebenfalls heimisch.

Mengong

Mengong

Quelle: Maxou



Als es dämmerte, lud uns Aphotyo Aphotyo zum Lagerfeuer ein und so drängten wir uns gemeinsam um das knisternde Feuer, wo ein gedrungener, oberkörperfreier Einheimischer bereits Gitarre spielte. Ich zweifelte oft an diesem Abend, ob das wirklich wahr ist, was vor meinen Augen passierte und daran, ob ich jemals zuvor in meinem Leben wahrhaftige Musik gehört habe. Ich erinnere diesen Abend wie einen Traum.

 

Ziege Billy in action

Ziege Billy in action

Quelle: Maxou



Jeder einzelne unserer neuen Freunde im Mengong war ein außergewöhnliches Talent. Sobald einer die Kongas verlies, kam der nächste und trommelte frei aus dem Bauch heraus die rhythmischsten Klänge. Dasselbe galt für Rasseln, Ukulele, Gitarre und Gesang. Ständig wurden Instrumente weitergereicht und jeder Einzelne von diesen jungen Menschen hatte die Musik im Blut, wie ich es vorher noch nie erlebt habe.

Mit unseren Freunden von Mengong

Mit unseren Freunden von Mengong

Quelle: Maxou



An einem Zeitpunkt des Abends sitzt ein europäisches Mädchen am Feuer und fragt, ob jemand das Lied "Crazy" kennt. Es ist den Musikern unbekannt, doch sie fordern die junge Frau auf a capella zu singen. Mit einer unglaublichen Stimme beginnt sie das Lied und innerhalb von einer halben Minute, hat der Gitarrist die Melodie verinnerlicht und nach einer weiteren Minute sind die passenden Akkorde auf der Gitarre ausgemacht und sowohl Trommeln, Rasseln und Ukulele stimmen ein.

Ungläubig blicke ich hinüber zu Maxou und Vaz, die mit geschlossenen Augen, schüttelndem Kopf und verträumten Lächeln in der Musik versunken dasitzen. Nach jedem Lied wird applaudiert, es wird "Bravo!" gerufen. Ein Inselbewohner ruft: "Noch ein Lied!" Aus einer anderen Ecke ruft jemand: "Noch zehn!" Es wird gelacht und schon stimmt jemand das nächste Lied an. So sitzen wir da, Stunde um Stunde, singend und zuhörend und genießen dieses Geschenk, was uns Dreien vom Leben vor die Füße gelegt wurde.

In Ubhud im Monkey Forest

In Ubhud im Monkey Forest

Quelle:



Ein "Angriff"

Ein "Angriff"

Quelle: Maxou







Der Bali Sinn

Die Erfahrung, die wir an diesem Abend im Mengong gemacht und in unsere persönlichen Schatztruhen legen durften, gehört wohl nicht nur in die Sinneskategorie "Hören", sondern zählt zu einem speziellen Extra-Sinn, den man unfreiwillig auf Bali entwickelt: den Bali-Sinn. Diesen zu definieren, ist schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Er besteht aus all den Gefühlen, dem Respekt und den Gedanken, die sich aus dem Erlebten entwickeln. Was mich in dieser Hinsicht vordergründig beschäftigt, sind das Talent der Menschen und die Bescheidenheit des eigenen Seins. Die positive Einstellung zum Leben.

Hier auf Bali wird jeden Tag gelächelt und "Danke" gesagt. Hier leben Menschen verschiedenster Religionen friedlich Seite an Seite. Als Touristen trafen wir natürlich auch auf andere westliche Touristen, die sogar teilweise in Bali lebten. Immer wieder fiel auf, dass all diese Menschen westlichen Standards, sich uns unumgänglich anpreisten, mit ihrem Können, ihrer Vergangenheit, ihren Fähigkeiten und ihrem Erfolg. Und ich verstand auf einmal, was Bali so besonders machte. Es waren die Menschen, die so talentiert sind. Die Musiker, die die unglaublichsten Rhythmen aus ihren Instrumenten zauberten, es waren die Jugendlichen, die in der hintersten Ecke des Strandes mit mehr als fünf Flaschen oder Feuerkeulen jonglierten und es waren die Frauen, die in vollen Gewändern bei intensivster Hitze Körbe mit Steinen auf ihren Köpfen balancierten.

Diese Menschen taten genau das, wozu sie fähig waren. Der Unterschied zu unserer westlichen Kultur lag in der Bescheidenheit. Aus irgendeinem Grund haben wir westlichen Kulturen stets den Drang, uns gegenseitig zu messen. Wer hat das schönere Haus, wer macht die atemberaubensten Fotos und wer trägt die hübschesten Kleider. In Indonesien erlebte ich, wie Menschen füreinander lebten, wie sich Musiker gegenseitig applaudierten oder miteinander lachten, wenn ein Ton daneben ging.

Ich realisierte, dass wenn jemand andere darüber informieren muss, wie gut seine Arbeit oder wie groß sein Talent ist, dass derjenige wohl nicht genug Vertrauen in sein Talent haben kann, um so sicher zu sein, dass andere dies nicht von alleine sehen. Zu Hause in Deutschland sind wir so überzeugt von uns und unserer Kultur, dass wir nicht die geringste Ahnung davon haben, was für große Künstler und starke Persönlichkeiten mit graziler Bescheidenheit durch den Alltag auf der anderen Seite der Welt tanzen. Ich bin dankbar und erfüllt mit Wertschätzung, ein paar Tage mit diesen Menschen getanzt haben zu dürfen. Und wenn mich jemand danach fragt, wie es denn so war auf Bali, werde ich lächeln und antworten: sensationell!

Weitere Bilder von Maxou findet ihr auf seiner Website.

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