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Singapur - die Stadt der Verbote

Madita reist durch die Welt Singapur - die Stadt der Verbote

Öffentliches Urinieren: 500 Dollar. Auf die Straße spucken: 1000 Dollar. Madita Strähle ist schon über ein Jahr auf Weltreise. In Singapur lernt sie vor allem, was alles nicht erlaubt ist.

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An jeder Ecke sind moderne Kunstwerke

Quelle: privat

Zum ersten Mal meines Lebens betrete ich den Boden der modernen Finanz-und Wirtschaftsmetropole Singapur. Den Boden des "schönsten Flughafens der Welt" ziert ein hässlicher braun, orange gemusterter Teppich. "Geschmacksache", denke ich mir unbeeindruckt und schultere meinen Rucksack.

Auf dem Weg in die Stadt mit dem Taxi blicke ich verwirrt auf die modern schimmernde Skyline des vor 50 Jahren gegründeten Stadtstaates. Die Straßen leer, am Straßenrand regelmäßig gepflanzte und gepflegte Bäume, und es fallen mir die Geschwindigkeitsbeschränkungsschilder sofort ins Auge. "Fürs zu schnelle Fahren gibt es hohe Strafen." Mein Taxifahrer, chinesischer Abstammung, beeindruckt mich nicht nur mit allerhand Faktenwissen, sondern erklärt mir auch alle Kniffe und Tricks, die man beim Taxifahren in Singapur drauf haben sollte: Immer eine Rechnung geben lassen, mahnt er, und ich nicke und frage mich still, ob es auf Bali auch nur einen einzigen Taxifahrer gibt, der weiß, was eine Rechnung ist.
Am Ziel angekommen, bezahle ich meinen Taxifahrer und frage nach einer Rechnung. Er grinst mich breit an und klopft mir auf die Schulter und ruft: "Good girl." 

Blick auf die Skyline

Blick auf die Skyline

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In Singapur wird in die Höhe gebaut

In Singapur wird in die Höhe gebaut

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Die nächsten zwei Tage vergehen wie im Flug. Mein selbstauferlegter Gewaltmarsch führt mich kreuz und quer durch die Metropole.
In Singapur wird in die Höhe gebaut. Während einer kurzen Verschnaufpause in einem Bistro klärt mich die freundliche Kellnerin in perfektem Englisch über die verzwickte Wohnsituation in Singapur auf. Steigende Migration, beschränkter Wohnraum und hohe Lebenshaltungskosten machen die Wohnungssuche zu einer Herausforderung. Zwischen den modernen Wolkenkratzern, die teilweise über ganze Etagen mit künstlich angelegten Gärten verfügen, fühle ich mich als streunender Backpacker irgendwie verloren.

Im Gegensatz zu Bali erscheint mir die Stadt - mit Ausnahme der belebten U-Bahnschächte - menschenleer. Selbst an den Hauptattraktionen bin ich  immer wieder allein. Als ich am späten Nachmittag auf den asphaltieren Weg hinter dem berühmten Shoppingcenter Marina Bay Sands heraustrete, von dem man eine wunderschöne Sicht auf die gesamte Marina Bay inklusive des Riesenrads hat, bekomme ich nach kurzer Zeit sogar das Gefühl, mich dort illegal aufzuhalten. Auch als ich am nächsten Morgen den Singapur River entlang wandere und durch das niedliche, bunte Viertel Clarke Quay schlendere, frage ich mich, wo sich die 5.3 Millionen Einwohner Singapurs eigentlich verstecken.
Als ich mich schließlich überwinde, eine der intensiv heruntergekühlten Shoppingmalls zu betreten, bekomme ich die Antwort auf meine Frage. In dem Gewusel von Designerläden, Rolltreppen, Gängen und Etagen schieben sich die Menschenmassen, ein guter Mix aus der High Society Singapurs und schaulustigen Touristen aus aller Welt. Hier findet man wohl alles, was das Shoppingherz begehrt, sogar einen künstlich angelegten Fluss, auf dem man sich nach einem langen Einkaufstag in einer Gondel zum anderen Ufer kutschieren lassen kann. Meine Füße hätten mir die sicher auch gedankt, mein Portemonnaie wohl eher weniger.

Gewusel von Designerläden, Rolltreppen, Gängen und Etagen

Gewusel von Designerläden, Rolltreppen, Gängen und Etagen

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Ausgenommen von den kühlen Temperaturen, die einen angenehmen Kontrast zu der schwülen Hitze Asiens boten, hält mich in den Shoppingpalästen allerdings nichts, vor allem nicht die Preise. Das einzige, was ich mir leiste, ist ein kleines Schnapsglas für meine Sammlung. Aus jedem Land eins, das ist der Plan, 18 Schnapsgläser besitze ich bis zum heutigen Tage. Auf dem Neunzehnten steht der Slogan "Singapur - Fine city". Das Wort "fine" bedeutet nicht nur "gut", sondern auch "Geldbuße".
Und tatsächlich findet man überall in der Stadt Verbotsschilder, die auf Rauchverbot, Hundeverbot, Verbot der Durian-Frucht, die übrigens wirklich furchtbar stinkt, hinweisen. Im Vergleich zu Deutschen Verbotsschildern, stehen hier jedoch auch gleich die fälligen Geldstrafen mit aufgedruckt. Und die fallen nicht unbedingt gnädig aus. So muss man für öffentliches Urinieren in einem Fahrstuhl 500 Dollar oder fürs auf die Straße Spucken 1000 Dollar blechen. Kaugummi ist in ganz Singapur nicht zu finden, dafür gibt es nämlich auch Strafen über 1000 Dollar.

"Deutschland! Willkommen!"

Vergeblich suche ich in Singapur nach den kleinen lokalen Restaurants, wo Familienmütter in viel zu engen Küchen nationale Gerichte zubereiten und Einheimischen beim  gemeinsamen Plausch ein breites Lächeln in Gesicht gezaubert wird, sobald ein westlich Aussehender ihr Lokal betritt. Im Stadtteil "Little India" werde ich fündig. An einer Straßenecke stehen ein paar metallisch glänzende Tische auf dem makellos sauberen Fußweg, nicht so ganz das richtige Ambiente um Streetfood zu essen, aber wenigstens stimmt das Publikum. Ich bin die einzige Europäerin. Neugierig beäugen mich die Einheimischen, wie ich mich mit meinen Stäbchen und meiner Noodle-Suppe abmühe. Irgendwann setzt sich die Bistrobesitzerin neben mich und gibt mir lachend Nachhilfe mit dem asiatischen Besteck. Ihr Englisch ist sehr schlecht und trotzdem ist es die beste Unterhaltung, die ich in Singapur habe. Ich bestelle Getränke und weitere Köstlichkeiten auf ihre Empfehlung, um deren Zutaten ich nicht die geringste Ahnung habe, und immer wieder bringen uns die Sprachbarrieren zu einem Punkt, an dem wir uns ratlos anblicken, um dann in verwirrtes Lachen auszubrechen.
Als ich sie frage, woher sie komme, antwortet sie verwirrt, dass sie aus Singapur sei, aber dann versteht sie und fuchtelt wild mit den Händen. "Meine Eltern, China. Viele Leute China", sagt sie und ich signalisiere mein Verständnis, worauf sie erleichtert lächelt. Dann zeigt sie wild auf Leute im Lokal und ruft: "Manche Malaysia, manche Indien, manche Asien." Dann zeigt sie auf mich und mustert mich fragend. "Deutschland", erwidere ich und die junge Frau klatscht in die Hände und ruft begeistert: "Deutschland! Willkommen!"

Streetfood a la Singapur

Streetfood a la Singapur

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Mein letzter Tag in Singapur neigt sich dem Ende. Ich habe eigentlich wirklich nichts dagegen, von der Dachterrasse des Marina Bay Sands Wolkenkratzers die Stadt bei Nacht zu beobachten. Nachdem ich den Eintrittspreis erfahre und an mir herunterblickend eingestehe, dass ich dem Dresscode wohl eher weniger entspreche, entscheide ich mich, durch die von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichneten botanischen Gärten zu schlendern. Auf den pingelig gepflegten Grünflächen findet man alles, was Singapur ausmacht. Struktur, Sauberkeit und Modernität. An jeder Ecke sind moderne Kunstwerke zu bewundern. Herausragend ist die Sammlung an riesigen, baumartigen Staturen, die sich über den gesamten Garten verteilen. 

Bauminstallationen im botanischen Garten

Bauminstallationen im botanischen Garten

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Oase im chaotischen Asien

Ich sitze mutterseelenallein auf den Dielen eines Holzsteges, der sich über einen künstlich angelegten See schlängelt. Es dämmert, und ich habe eine wunderschöne Aussicht auf die merkwürdigen Baumstaturen, die in der Dunkelheit blau und rot angestrahlt werden. Umgeben von Wolkenkratzern fällt es mir schwer, sich vorzustellen, in diesem Augenblick in Asien zu sitzen. Irgendwie komme ich mir vor wie auf einem anderen Planeten, irgendwo in der Zukunft. Singapur - eine richtige kleine Oase der Moderne, im so chaotischen Asien.

Under the boardwalk: Spaziergang über einen künstlich angelegten See

Under the boardwalk: Spaziergang über einen künstlich angelegten See

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