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Wie das Leben als Blaubeeren-Pflücker zur schönsten Zeit wurde

Henrik und Mattes entdecken Neuseeland Wie das Leben als Blaubeeren-Pflücker zur schönsten Zeit wurde

Die Lübecker Abiturienten Henrik und Mattes reisen und arbeiten derzeit in Neuseeland. Die letzten eineinhalb Monate schufteten sie auf einer Blaubeerfarm als Pflücker. In ihrem Blogbeitrag berichten sie vom Glück und Unglück bei der Jobsuche.

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Als Pflücker auf einer Blaubeerfarm zu arbeiten, ist das Gegenteil eines Traumjobs, aber nicht, wenn man mit den richtigen Leuten zusammenwohnt und arbeitet. Hendrik (2.v.l.) und ein paar Freunde am "Ocean Beach" nahe Hastings.

Quelle: Mattes Becher

Vor dem Antritt unserer Reise nach Neuseeland war unsere größte Sorge, hier keinen Job zu finden und so quasi pleite zu gehen. Nach über 5 Monaten können wir jedoch stolz sagen, dass wir weit davon entfernt sind. Vor allem zwei Dinge mussten wir bei unserer Jobsuche feststellen: Man braucht unwahrscheinlich viel Glück, um einen gut bezahlten Job zu finden und in den meisten Fällen ist die angebotene Arbeit - vorsichtig ausgedrückt - eher weniger gut.

So war unsere erste echte Arbeitsstelle (nach der Schafsfarm, auf der wir nur für die Unterkunft arbeiteten) wohl das Gegenteil von einem Traumjob: Wir arbeiteten als Picker auf der Blaubeerfarm von "Gourmet Blueberries" in Flaxmere, der wohl größten Blaubeerfarm Neuseelands mit über 500 angestellten Pickern.

Arbeit auf der Blaubeerfarm

Arbeit auf der Blaubeerfarm



Den Job zu bekommen, war nicht gerade schwierig: Wir gingen in das Hostel "Sleeping Giant" in Hastings, nicht ahnend, dass es sich hierbei um ein Working Hostel handelt. In Working Hostels helfen die Besitzer den Bewohnern bei der Arbeitssuche, da sie ein Interesse daran haben, dass die Bewohner arbeiten und dementsprechend länger bleiben. Im "Sleeping Giant" teilten wir uns eineinhalb Monate lang ein Zimmer mit dem Belgier Alexis und hatten dank des Besitzers, Jason, nach drei Tagen unseren ersten Arbeitstag.

Unser Zimmer im Sleeping Giant

Unser Zimmer im Sleeping Giant



Eigentlich war die Arbeit relativ einfach, man konnte kommen wann man wollte, und musste auch nur vier Stunden bleiben. Der Haken an der Sache war jedoch, dass wir immer erst am Tag vorher Bescheid bekamen, ob wir am nächsten Tag überhaupt arbeiten konnten, da nicht jeden Tag gepflückt wurde. Im Nachhinein arbeiteten wir nur 3-4 Tage pro Woche, was dazu führte, dass wir beide an jedem der wenigen Arbeitstage von morgens 6 Uhr bis zum bitteren Ende (teilweise abends um 19 Uhr) pflückten, um genug Geld zusammenzubekommen.

Nur der frühe Vogel pflückt die Blaubeeren.

Nur der frühe Vogel pflückt die Blaubeeren.



Bezahlt wurden wir für die Menge, die wir pflückten. Jede Sorte hatte einen anderen Kilopreis. Dieser richtete sich danach, wie schwer es war, diese Sorte zu ernten. Dementsprechend musste man sich schon beeilen, um gutes Geld zu machen. Nur so zum Vergleich: Die besten Picker schafften zwölf Kilo pro Stunde bei einem Kilopreis von 3-4 Dollar. Wir gaben alles, kamen aber höchstens auf 5 Kilo und hatten trotzdem abends Rückenschmerzen, als hätten wir den ganzen Tag Steine geschleppt.

Henrik ist total begeistert: Wir gaben wirklich alles.

Henrik ist total begeistert: Wir gaben wirklich alles.



Letztendlich sparten wir kaum Geld an, da wir eben nur 3 bis 4 Tage pro Woche arbeiteten und teilweise schon mittags nach Hause geschickt wurden, wenn es keine Blaubeeren mehr zu pflücken gab. Dass wir es trotzdem eineinhalb Monate dort aushielten, lag garantiert nicht an dem Job, sondern vielmehr an dem Hostel, in dem wir während der gesamten Arbeitszeit blieben. Das Leben im Working Hostel gehörte, trotz der Arbeit zu der schönsten Zeit, die wir hier hatten. So ziemlich alle Menschen, mit denen wir hier häufiger was zu tun hatten oder mit denen wir uns hier häufiger getroffen haben, haben wir in dem Hostel kennengelernt.

"Sleeping Giants" in unserem Auto

"Sleeping Giants" in unserem Auto



Henrik und ein paar Freunde am "Ocean Beach" nahe Hastings.

Henrik und ein paar Freunde am "Ocean Beach" nahe Hastings.



Oft gingen wir zusammen an den Strand (wie auf dem Bild, teilweise lagen wir mit 20 Freunden aus dem Hostel am Strand) oder spielten zusammen Fußball und Tischtennis. Beliebt war auch ein nahegelegener Wasserfall, von dem man in einen See springen konnte. Im Sommer ist dieser zwar sehr überfüllt, aber dennoch blieb es eine unserer Lieblingsbeschäftigungen an den Wochenenden.

Nach Feierabend trafen wir uns alle für gewöhnlich auf der Terrasse an einem Gemeinschaftstisch und spielten Karten, kochten zusammen oder guckten zusammen Filme. Highlights waren aber immer die Wochenenden, an denen kaum jemand arbeitete und so diese zum Feiern und Party machen genutzt wurden. In unserem Hostel ging es teilweise sogar so bunt zu, dass man am nächsten Morgen um 11 Uhr aufstand und auf der Terasse immer noch (!) Bier getrunken wurde! Und zum Glück gab es in Hastings immerhin eine Bar, die samstags gewissermaßen zur Stammkneipe des Sleeping Giants wurde.

Da auch Jason, der Besitzer des Hostels, meistens gut gelaunt und sehr locker drauf war, hatten wir wirklich tolle anderthalb Monate hier und nach der Arbeit auch einen sehr guten Ort zum Entspannen. Wir können das Sleeping Giant also nur empfehlen, falls man vor hat, mal für längere Zeit in Hastings zu bleiben.

Trotz allem "mussten" wir dann natürlich irgendwann weiter. Unseren zweiten bezahlten Job fanden wir dann in einer Art Zeitarbeitnehmerfirma in Blenheim, auf der Südinsel Neuseelands. Während Blueberry Picking ein typischer Backpackerjob ist, war dieser Job mal etwas völlig anderes. Wir arbeiteten in Havelock, eine halbe Stunde von Blenheim entfernt, in einer Muschelfirma. Dort putzten wir nach der normalen Nachtschicht die Maschinen, Körbe, Fußböden und alles was nicht niet- und nagelfest war. Unsere offizielle Arbeitszeit war sechsmal die Woche von Mitternacht bis 5.23 Uhr, jedoch starteten wir immer erst um 2 Uhr, tranken bis dahin Kaffee, guckten Filme und wurden für neun (!) Stunden bezahlt.

Hier hatten wir mal wirklich Glück mit unserem Job, da wir gut bezahlt wurden, unabhängig vom Wetter waren und uns immer nur von anderen Backpackern in unserem Hostel anhören mussten, wie anstrengend die Arbeit auf den Weingütern sei, die es um Blenheim herum in Massen gibt.

Mattes in Arbeitskleidung

Mattes in Arbeitskleidung



Tatsächlich war unsere Arbeit wirklich sehr entspannt, aber trotzdem auch streng kontrolliert. So mussten wir dafür sorgen, dass kein einziges Muschelstück noch irgendwo herumliegt. Während Mattes eine Maschine säuberte, die Muscheln automatisch öffnet, war Henrik für den Kleinkram verantwortlich und musste Körbe, Eimer und Fußböden reinigen. Eigentlich durften wir keine Fotos in der Firma oder von den Maschinen machen, aber frech wie wir sind, haben wir natürlich doch eine Kamera hineingeschmuggelt.

Unser Arbeitsplatz in der Firma: Eine Muschelöffnungsmaschine

Unser Arbeitsplatz in der Firma: Eine Muschelöffnungsmaschine



Die Firma lag direkt an einem Fjord der Marlborough Sounds, doch leider können wir diese schöne Lage hier nicht präsentieren, da wir sie selbst nur im Dunkeln sahen.

 

Wie sie sehen, sehen sie kaum etwas: Unser Firmengelände bei Nacht

Wie sie sehen, sehen sie kaum etwas: Unser Firmengelände bei Nacht



Richtige Miesmuscheln, diese Muscheln

Richtige Miesmuscheln, diese Muscheln



Nach etwas mehr als vier Wochen dachten wir uns, dass es dann mal Zeit wäre, weiter zu reisen, da auch unsere Zeit in Neuseeland langsam dem Ende entgegengeht. Witzige Nebengeschichte: Hätten wir noch eine Woche länger gearbeitet, wären wir ohnehin gefeuert worden, da die Muscheln im Moment nicht so gut wachsen und so die komplette Nachtschicht kurzerhand abgeschafft wurde. Für uns glücklicherweise kein Problem, aber für unsere Kollegen, die teilweise schon 7 oder sogar mehr Jahre bei Sanford angestellt waren, tatsächlich eine Trägodie.

So noch ein Ratschlag für alle, die über ein Backpackerleben in Neuseeland nachdenken: Macht euch keine Sorgen, es gibt genug Arbeit, aber geht eher nicht davon aus, dass ihr hier euren Traumjob findet!

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