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Von der Freiheit in Uniform: Meike meistert den Schulalltag in Paraguay

Meike Ossyra - mit Schüleraustauch nach Paraguay Von der Freiheit in Uniform: Meike meistert den Schulalltag in Paraguay

Die Pansdorferin Meike Ossyra ist eigentlich Schülerin des Leibniz-Gymnasiums in Bad Schwartau. Für drei Monate macht sie bei einem Schüleraustausch mit. Sie wohnt in Asunción der Hauptstadt Paraguys bei einer Gastfamilie und besucht dort das Colegio Goethe.

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Meikes Klassenraum, in dem auffällt, dass es keinen Lehrertisch gibt.

Quelle: privat

Meike Ossyra - mit Schüleraustauch nach Paraguay. Das öffentliche Schulsystem in Paraguay ist in einem sehr schlechten Zustand und auch die Unterrichtsqualität ist dürftig. Deshalb schicken Paraguayer, die es sich leisten können, ihre Kinder auf Privatschulen. Doch das ist sehr teuer. Die drei Kinder meiner Gastfamilie gehen auf das Colegio Goethe (Goethe-Schule) in der Hauptstadt Asunción, was pro Kind im Jahr rund 21,5 Millionen Guarani kostet. Das entspricht rund 3 600 Euro. Während meines dreimonatigen Aufenthaltes in Paraguay begleite ich meine Gastgeschwister bei Ihrem Schulbesuch.

Schild am Schuleingang

Schild am Schuleingang

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Das Colegio Goethe besteht insgesamt aus vier Bereichen, dem Kindergarten für die ganz Kleinen, der Secundaria (7.-12. Klasse), der Primaria (1.-6. Klasse) sowie dem Sportplatz. Außerdem gibt es noch ein großes Auditorium, vergleichbar mit einer Aula in Deutschland, und eine Mensa für das Mittagessen. Ich gehe, wie auch meine Gastschwester Alexia in die 10. Klassen, mein Gastbruder Matheo in die 7. und meine kleine Gastschwester Denise in die 3. Klasse. Das entspricht in etwa auch den Klassenstufen, die wir von Deutschland her kennen. Auch die zwölfjährige Schulzeit bis zum Abschluss ist vergleichbar. Die Schule geht täglich bis 15.15 Uhr, wobei es gegen 12.30 Uhr ein Mittagessen gibt.

Die Mensa

Die Mensa

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Neben dem Deutschunterricht in allen Klassenstufen werden in den Klassen 7 bis 9 die Fächer Geschichte und Biologie in deutscher Sprache unterrichtet. Außerdem gibt es in jedem Jahrgang eine Klasse, die auf das deutsche Abitur vorbereitet wird. Die Schüler/-innen dieser Klasse schreiben zusätzlich die deutschen Abiturklausuren und können daher später in Deutschland studieren. Meine Gastschwester Alexia geht in eine solche Klasse.

Für alle Paraguayer der 9. Klasse - das sind in jedem Jahr rund 90 Schüler - besteht die Möglichkeit, für vier Monate, von November bis März, nach Deutschland zu reisen und dort an Schulen im ganzen Bundesgebiet am Unterricht teilzunehmen und in Gastfamilien zu wohnen. Von November 2014 bis März 2015 waren es 49 Schüler. Meine Gastschwester Alexia hat in dieser Zeit in meiner Familie gelebt und ist mit mir zusammen auf meine Schule, das Leibniz-Gymnasium in Bad Schwartau, gegangen. Seit Juni bin ich nun zum Gegenbesuch in Paraguay, der jedoch nicht als Schüleraustausch von der Schule veranstaltet wird, sondern von mir bzw. meiner Familie privat organisiert ist.

Der Schulhof

Der Schulhof

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Die Schule hier in Paraguay ist ganz anders als bei uns in Deutschland. Das ist für mich zunächst einmal erstaunlich, weil das Ziel für meine Gastschwester und mich ja das deutsche Abitur ist. Zu den sofort auffälligen Äußerlichkeiten gehört die Schuluniform, die hier alle tragen. Auch ich habe mir eine anschaffen müssen. Wobei Uniform nicht wörtlich zu nehmen ist, denn es handelt sich lediglich um ein einheitliches T-Shirt und eine Art Jogginghose. Im Winter fallen hier die Temperaturen manchmal an einzelnen Tagen auf etwas unter 20 Grad, dafür gibt es dann noch eine blaue Sweatshirt-Jacke.

Meine Schuluniform

Meine Schuluniform

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In der Schule wurde ich von allen herzlich aufgenommen. Ich werde genauso behandelt wie alle pa­ra­gu­a­yischen Schüler auch. Die Hauptsprache an der Schule ist Spanisch, was ich seit zwei Jahren in Deutschland lerne. Ich kann mich mit allen auf Spanisch verständigen. Gut ist natürlich, dass alle älteren Schüler und auch viele Lehrer Deutsch können und mir immer weiterhelfen, wenn ich etwas auf Spanisch im Unterricht nicht verstehe. Auch die Pausen ähneln denen in meiner deutschen Schule. Die älteren Schüler stehen in Gruppen auf dem Schulhof und unterhalten sich.  Ich habe viele Kontakte, auch zu Schülern aus anderen Klassen, geknüpft.

Mich erstaunt der Unterreicht und das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern am meisten. Die Lehrer verstehen sich hier in erster Linie als Helfer, Unterstützer und Partner ihrer Schüler. Sie haben zu jedem Schüler ein persönliches Verhältnis, welches stets im Vordergrund steht. Vielleicht ein wenig vergleichbar mit meiner Zeit im Kindergarten. Dort kam es ja auch nicht so sehr auf die Wissensvermittlung durch einen Erzieher/Lehrer an, sondern eine persönliche Beziehung zur Kindergärtnerin stand im Vordergrund.

Die Lehrer werden hier von allen Schülern geduzt. Es ist völlig normal, dass jeder Schüler einzeln mit einer Umarmung begrüßt wird. Frontalunterricht, wie er an meiner Schule in Deutschland herrscht, findet hier nicht statt. Der Lehrer gibt Anregungen für die zu erreichenden Lernziele, die Schüler entscheiden aber selbst, wie und weitgehend auch wann sie das Ziel erreichen wollen. Der Lehrer sitzt in der Regel nicht frontal vor den Schülern, sondern mitten unter ihnen. Zudem arbeiten wir Schüler sehr viel in Gruppen und der Lehrer unterstützt dann jede einzelne. Täglich beobachte ich, dass sich Schülergruppen gar nicht mit Schulthemen befassen, sondern beispielsweise im Internet surfen oder chatten. Dies wird geduldet, sofern andere, die arbeiten wollen, nicht gestört werden.

Das ist mein Klassenraum. Auffällig: Es gibt keinen frontalen Lehrertisch.

Das ist mein Klassenraum. Auffällig: Es gibt keinen frontalen Lehrertisch.

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Die Einteilung der Schüler eines Jahrgangs auf unterschiedliche Klassen (also z.B. 10a, 10b, 10c usw.) erfolgt nicht willkürlich, sondern nach Leistung. Ein Schüler kann also z.B. von der 9a zum Schuljahreswechsel in die 10b wechseln, wenn seine Leistungen dies erlauben. Hausaufgaben, wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es in diesem Sinne nicht. Jedoch müssen die Schüler, die gute Leistungen erzielen wollen, oft zu Hause Themen selbstständig aufarbeiten, eben weil die von uns bekannte zentrale Wissensvermittlung im Frontalunterricht weitgehend fehlt.

Für mich ergibt sich der Eindruck, dass das pa­ra­gu­a­yische Schulsystem die Schüler zum selbstständigen Lernen erzieht und viele Freiheiten lässt : Der Lehrer bespricht mit seinen Schülern sowohl das gemeinsame Lernziel als auch die individuellen Ziele jedes einzelnen. Dann können die Schüler entweder in der Gruppe im Unterricht oder/und alleine zu Hause lernen. In der Schule können sie jederzeit den Lehrer ansprechen und Fragen stellen, wenn sie Hilfe brauchen. Für mich bemerkenswert ist, dass ich keine Schüler kennengelernt habe, die dieses System ausnutzen und ausschließlich ihre Zeit mit Nichtstun verbringen. Die Schüler sind ja von kleinauf an dieses System gewöhnt und kennen nichts Anderes.

Viele pa­ra­gu­a­yische Schüler, die das Colegio Goethe in Asunción besuchen und unser deutsches Schulsystem kennenlernen, mögen die deutschen, restriktiven Schulen nicht so sehr. Sie sind an ihre individuelle Freiheit, Selbstbestimmung und das freiwillige Lernen gewöhnt und vermissen das persönliche Verhältnis zu den Lehrern. Mal sehen wie leicht mir die Rückkehr in das deutsche Schulsystem in einigen Wochen in Deutschland gefallen wird.

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