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Seit 1972 reisen junge Menschen mit dem Interrail-Ticket durch Europa. Das Reisen hat sich zwar verändert, die Idee aber ist geblieben.

Interrail begeistert vor allem junge Menschen - früher wie heute.

Quelle: Eurail Group G.I.E.

Mit großen Rucksäcken stehen sie am Bahnhof. Häufig in Gruppen. Ein Ticket und eine Mission verbindet sie alle: Interrailing durch Europa. Seit 44 Jahren gibt es das Angebot, entstanden durch eine Werbeaktion zum 50. Geburtstag des Eisenbahnverbands UIC. Aber ist das Reisen mit dem Interrail-Ticket heute anders als früher? „Ob heute oder damals - das Interrailing ist immer noch ein Erlebnis“, sagt David Scheibler, Autor des „Zugreiseblog“.

Natürlich hat sich mit der Zeit einiges verändert. Liest man Reiseberichte der ersten Interrailing-Generation, kann man das Gefühl bekommen, dass die Reise mit der Bahn quer durch Europa heute kein Abenteuer mehr ist. Aber das ist falsch, meint Scheibler. „Wer heute eine Europatour mit dem Zug macht, wird genau das gleiche Abenteuer- und Freiheitsgefühl spüren wie die alten Generationen. Auch wenn es heute vielleicht anders ist als früher.“

Aber was genau ist anders? Es fängt mit dem Angebot an. Heute gibt es nicht mehr nur einen Global- oder Zonenpass wie noch am Anfang. Es gibt viele verschiedene Pässe, die sich mit individuellen Reisearten kombinieren lassen.

Der Preis ist ein wichtiger Punkt. Der ganz klassische Global Pass kostet junge Erwachsene für einen Monat unbegrenztes Zugfahren 479 Euro. Wer kann sich das als Student, Schüler oder Auszubildender mal eben leisten? „Die Tickets sind teuer geworden“, bestätigt Wolfgang Klein, Autor des Reiseführers „Preiswert durch Europa“. Er ist Ende der 1980er zum ersten Mal mit dem Interrailticket vereist. „Gerade in den Zeiten von Billigfliegern und -bussen hat das Interrailticket starke Preiskonkurrenz.“

Und das erkennt man auch an den Verkaufszahlen. „Nach dem Fall der Mauer, Anfang der 90er, wurden weit über 400 000 Tickets gekauft. Heute sind es viel weniger.“ Genauer: Nach Auskunft der Deutschen Bahn wurden im vergangenen Jahr 250 341 Tickets verkauft. Die größte Gruppe bilden immer noch junge Erwachsene unter 26 Jahren. „Wir konnten uns damit über einen Verkaufsrekord seit der Neustrukturierung 2007 freuen. Der Trend Interrail-Reise hält also an“, sagt Michael Peterson, Marketing-Vorstand Fernverkehr.

Damals hat die Deutsche Bahn das Angebot erweitert. Damit wurde Interrail an die neuen Reisegewohnheiten angepasst: „Früher wurde das Angebot in erster Linie für einen langen Europatrip genutzt. Mittlerweile geht der Trend eher zu mehreren kürzeren und mittellangen Reisen“, so Peterson.

Andererseits wurde das Reisen mit dem Ticket aber auch eingeschränkt, berichtet Wolfgang Klein aus seinen Erfahrungen. „Viele Bahngesellschaften denken offenbar: Langhaarige Rucksackträger bringen kein Geld. Also hat sich das Angebot radikal verändert.“ So muss man heute zum Beispiel die Plätze in vielen Zügen reservieren. „Früher konnte man ganz spontan in den nächsten Zug steigen. Heute muss man mehr planen.“

Auch Scheibler sieht einige negative Veränderungen. Vor allem den Wegfall vieler Nachtzüge bedauert er. „Das war früher entspannter. Man ist abends in den Zug gestiegen und morgens in einer anderen Stadt aufgewacht.“ Viele Interrailer haben das so gemacht. „So konnte man sich das Geld für das Hostel sparen.“ Zudem kritisieren beide Autoren die Aufschläge für die Hochgeschwindigkeitszüge. „Die Verbindung Paris-Brüssel kostet 20 bis 30 Euro extra. Da ist ja schon fast ein normales Ticket günstiger“, sagt Klein. Somit bleibt den Interrailern nur noch das langsame Reisen. Für Scheibler ist aber genau das das Reiseerlebnis. „Wer eine Stunde fliegt, wird nicht viel erleben. Wer dagegen acht bis neun Stunden im Zug sitzt, lernt das Land und viele Leute kennen.“

Und welche Reiseländer sind besonders beliebt? Der Trend geht nach Osteuropa, wie die Deutsche Bahn bestätigt. „Daneben zählen auch Südwesteuropa und Mitteleuropa zu den beliebtesten Reisezielen“, sagt Peterson. Klein hat aber noch einen anderen Trend beobachtet. „Im Norden werden die Tickets gekauft und gereist wird in den Süden. Viele junge Leute in Südeuropa haben noch nie von  Interrail gehört.“ Auch er empfiehlt die Reiseländer im Südosten Europas. Griechenland, Kroatien, Bulgarien oder Rumänien haben ihn fasziniert. Vor allem sind in diesen Ländern auch alle anderen Reisekosten günstig. Scheibler hat noch einen weiteren Tipp: Für die Bahnreisen in Osteuropa braucht man nicht zwingend ein Interrailticket. „Wenn man die Karten einzeln am Bahnhof kauft, ist es deutlich günstiger.“

Und mit dem Smartphone findet man eigentlich meistens eine schnelle Verbindung. Übrigens noch eine der positiven Veränderungen für alle Interrailer. „Klar, das Smartphone ist eine klasse Erfindung“, sagt Klein. Auch wenn für ihn manchmal die Kommunikation unter den Reisenden in den Hostels zu kurz kommt. „Früher musste man sich auf Mundpropaganda verlassen.“ Mal eben das Wetter checken, eine Unterkunft buchen und die nächste Weinbar finden, war früher deutlich komplizierter. „Man hat einfach mehr Infos und Planungssicherheit“, sagt Scheibler.

Letztendlich ist der Kerngedanke von Interrail aber immer noch derselbe. „Es ist die größte Friedensbewegung Europas“, sagt Klein. „Dass junge Menschen aufbrechen, andere Menschen, Sprachen und Kulturen kennenlernen.“

Tipps

Verkauf: Die Interrail-Pässe ind bei den beteiligten Bahnen zu kaufen. Außerdem können die Tickets über die Internetseite www.interrailnet.com bestellt werden.

Angebot: Es gibt den klassischen Global Pass für unbegrenztes Reisen innerhalb von 30 Ländern. Die Dauer ist allerdings gestaffelt. Von fünf Fahrtagen innerhalb von 15 Tagen bis hin zu unbegrenztem Fahren innerhalb eines Monats. Wer nur ein Land bereisen möchte, kann den One Country Pass wählen. Hier sind die Zeitstaffelungen etwas anders. Man kann einen Tarif für drei Fahrtage bis hin zu acht Fahrtagen innerhalb eines Monats wählen. Außerdem gibt es Pässe mit Extras, beispielsweise mit Fährfahrten.

Preise: Die Preise für die Pässe unterscheiden sich in den Altersklassen. So haben Jugendliche unter 26 Jahren und Senioren ab 60 Jahren einen vergünstigten Tarif. Kinder unter 4 Jahren reisen immer kostenlos. Zwei Kinder bis 11 Jahren pro Erwachsenem bekommen auch einen kostenlosen Kinderpass.

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