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Alles Fußball - oder was?

TV-Vorschau in die Woche Alles Fußball - oder was?

Wenn alle zwei Jahre um diese Zeit das Fernsehprogramm vollends mit Fußball geflutet wird, stellen sich manchmal ganz ungewohnte Fragen.

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Quelle: Fotolia/Archiv

TV Vorschau, Jan Freitag, Fernsehen, Blog . Was zum Beispiel ist daraus zu folgern, dass ein spürbarer Teil jener 27 Millionen Menschen, die Deutschlands Sieg gegen Polen am Fernseher verfolgt hat, zwar für "La Mannschaft" war, aber nicht so gern neben jedem der Spieler wohnen würde – dass der Rest vorwiegend aus AfD-Wählern besteht, die allenfalls heimlich vorm Live-Stream im Keller saßen, um Boateng ein Türchen im Herz zu öffnen? Oder doch, dass Alexander Gaulands Partei den Finger manchmal weniger am Puls des Volkes hat als er denkt?
Um solche Fragen zu klären ist dieses Medium momentan allerdings das falsche. Die verantwortliche UEFA nämlich liefert am liebsten Bilder, mit denen der Weltbevölkerung liebste Leibesertüchtigung keine Kratzer in den Lack gehauen wird. Wenn russische Hooligans also auf den Rängen Jagd auf englische machen, bleibt die Kamera stur auf dem Rasen, von wo sie jedoch flugs abdreht, wenn dort ein kroatischer Flitzer mitjubelt, ohne flugs abgeführt zu werden. Andererseits ist sich die Regie des Weltbevölkerungsbildes nicht zu blöde, voll auf Jogi Löws Hand in der Hose zu zoomen, was erst der intellektuell schlichte, aber herzensgute Lukas Podolski mit dem Verweis auf „80 Prozent und ich“, die sich gelegentlich die Eier kraulen, ins rechte Licht rückte.
Drei Tage später übrigens investierte die einst so ehrwürdige „Tagesschau“ geschlagene 20 Sekunden ihrer wertvollen Zeit in den Fahrer des deutschen Teambusses beim Rangieren ins neue Mannschaftshotel, was „echt eng“ war, wie der Reporter dramatisierte. Echt? So echt wie die menschenverachtenden Umwelt- und Gesundheitsfeinde von McDonalds und Coke, die beim sportlichen Großereignis unablässig ihren Profit mehren dürfen? Die Macht der Bilder ist manchmal die Ohnmacht der Relevanz.
Wie schön ist es da, wenn Bilder von künstlerischer Relevanz so verzaubern, wie am Mittwoch auf Arte. Mit den denkbar schönsten Mitteln kämpfen sie, während bei ARD und Sat1 die letzten zwei Vorrundenspiele laufen, um etwas Aufmerksamkeit des versprengten Häufchens Zuschauer ohne Ballinteresse. Im Berlinale-Beitrag vom vorigen Jahr, der um ein Haar auch bei den Oscars kandidiert hätte, geht es um „Die geliebten Schwestern“ Charlotte und Caroline (Henriette Confurius und Hannah Herzsprung), denen 1788 in Weimar gute Partien besorgt werden sollen. Dummerweise geraten beide jedoch an Friedrich Schiller, mit dem sie nach überlieferten Motiven eine Ménage-à-trois von grandioser Hingabe beginnen.
Im Normalfall wäre das ein weiteres Kostümfest auf dem Markt süffiger Historienmelodramen. Den Unterschied des zweieinhalbstündigen Werkes indes macht einmal mehr Dominik Graf. Nach eigenem Drehbuch sorgt der Regisseur mit seiner berühmten Zoomtechnik für eine dramaturgische Tiefe, als lebe Jane Austen mit Florian Stetter als Dichterfürst im Arthaus, der auch den zweiten Film dieser Woche von Belang adelt: „Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut“. Blöder Titel, tolle Annäherung ans jüdische Leben in Deutschland, wenn auch zu nachtschlafender Zeit Mittwoch früh um 0.35 Uhr im Ersten.
Darüber hinaus ist das Programmangebot selbst auf Arte naturgemäß arm an Erstausstrahlungen. Empfehlenswert ist daher allenfalls ein wenig Lach- und Sachfernsehen. Ersteres auf 3sat, wo die alten Humor-Homies Oliver Welke und Dietmar Wischmeyer am Freitag um 21.55 Uhr „… im Herzen jung“ sind, wenn sie aus einem Buch lesen, das nie erscheinen wird. Wem die schon „heute-show“ zu überdreht ist, wird an diesem Solo-Programm wenig Spaß haben, sollte also tags drauf die Reportage „Entscheidung in Großbritannien“ im Ersten sehen, wo Andreas Cichowicz die letzen offenen Fragen zum Brexit klärt, der am Samstag drauf das Programm ernstzunehmender Kanäle dominiert..
Ansonsten sind wie in der Vorwoche eher Wiederholungen im Angebot. Abgesehen von beiden Teilen „Kill Bill“ auf 3sat (Teil 1 Donnerstag, 23 Uhr, Teil 2 Freitag, 22.55 Uhr), kann man da in Farbe getrost die täglichen „Tatorte“ anführen, angefangen mit „Das Gespenst“ aus Hannover von 2008 um 20.15 Uhr im RBB. Am Dienstag dann der bayerische Klassiker „Roulette mit 6 Kugeln“ anno 1983 (BR, 20.15 Uhr). Der NDR holt am Mittwoch (23.15 Uhr) Manfred Krugs „Zeitzünder“ (1990) aus der Kiste, während der WDR Donnerstag um 20.15 Uhr die rheinisch-sächsische Koproduktion „Ihr Kinderlein kommet“ zeigt und die ARD Freitag um zehn den Münchner Fall „Gestern war kein Tag“ von 2011.
Gut 60 Jähre älter ist der Schwarzweißtipp am Montag (Arte, 20.15 Uhr): „Winchester 73“ mit James Stewart als Gewinner einer Waffe, die danach durch 1000 Hände geht und damit ein Stück amerikanischer Selbstermächtigungsgeschichte schreibt.
Von Jan Freitag

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