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Als Vollbartträger nicht hip, sondern kauzig waren...

TV-Vorschau Als Vollbartträger nicht hip, sondern kauzig waren...

Unser Kolumnist hat diese Woche vor allem etwas über das neue Koch-Format "Karawane der Köche" mit Tim Mälzer und Roland Trettl zu sagen: Das Konzept ist abgestanden. Neu daran ist lediglich, dass "Imbisswagen" jetzt "Food-Trucks" heißen und die Köche gerne bis zum Hals tätowiert sind.

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Die TV-Köche Roland Trettl (l) und Tim Mälzer, aufgenommen am 25.01.2016 in Hamburg.

Quelle: Bodo Marks/dpa

Eine umfassende Erhebung brachte es wieder an den Tag: Das Vertrauen in die Medien befindet sich weltweit im Sinkflug. Hierzulande liegt es zwar immer noch fast doppelt so hoch wie in den USA, aber ebenfalls unter 50 Prozent. Da kann der Medienforscher Rasmus Kleis Nielsen von der Universität Oxford in der „ Süddeutschen “ noch so betonen, Zeitungen wie jene, in der er das sagt, würden langfristig überleben, weil „der beste Journalismus heute besser denn je“ sei – es scheppert so laut im Informationsgewerbe, dass leise Stimmen zusehends untergehen.

Darüber können auch Überraschungen wie die RTL -Berichterstattung beim Münchner Amoklauf nicht hinwegtäuschen. Ähnlich der am 11. September vor 15 Jahren stellte Peter Kloeppel, würdevoll ergrautes Randgewächs im scheinrealen Kölner Urwald, die Öffentlich-Rechtlichen da erneut in den Schatten. Und als Günter Wallraff vorigen Dienstag an gleicher Stelle mit einer gut recherchierten Enthüllungsreportage in den Autobahnraststätten der Autobahnrepublik für politische Konsequenzen bis rauf ins Verkehrsministerium sorgte, da schien es fast, RTL sei seriös geworden.

Dann aber fand tags drauf dessen saisonale Programmpräsentation in Hamburg statt und das Wort „Seriosität“ entwich dem schicken Industriedenkmal schneller als der Duft vom geschmorten Ochsenbäckchen, das Senderkoch Christian Rach fürs Pressepublikum kredenzte. Recycling einstiger („ Der Heiße Stuhl “) oder aktueller („ Raus aus der Armut “) Formate, alte Frischware („ It Takes 2 “) oder frische Altware („ Winnetou “) – auch Begriffe wie „Innovation“ wirken beim ehemaligen Marktführer irgendwie fehlinterpretiert. Darin unterscheidet er sich kaum von einer anderen Irrenanstalt des Fernsehens: Sat1. Auch hier fließt der Wein mal mehr, mal weniger offen aus alten Schläuchen.

Nehmen wir die „ Karawane der Köche “. Wenn Tim Mälzer ab Mittwoch (20.15 Uhr) Food-Trucks prämiert, riecht das Konzept abgestanden wie eine Premierenfolge „ Perfektes Dinner “. Elf verwandte/befreundete/liierte Duos steuern je einen – so hießen die, bevor Vollbartträger nicht hip, sondern noch kauzig waren – Imbisswagen durch Deutschland, bis eines übrig bleibt. Es wird halt gekocht – nur dass die Köche jetzt Veggieburger statt Currywurst aus der Luke reichen und gern bis zum Hals tätowiert sind. Schon deshalb sind Food-Trucks jedoch auch ein Segen fürs fettverliebte Land gewissenloser Fleischfresser. Darauf ein Spaziergang zum nächsten Schnellimbisslaster. Fernsehen macht sowieso dick…

Und dicht. Zumindest Jenke von Wilmsdorff , der sich am Montag um 21.15 Uhr im Auftrag von RTL wieder einem seiner durchaus erhellenden, meist selbstzerstörerischen Experimente unterzieht. Diesmal wirft er sich von Ritalin über LSD bis K.O.-Tropfen die wirklich harten Sachen ein und schaut, was passiert. Schauen wir also, was passiert, wenn man zurück auf bessere Sender schaltet, zu denen sogar der Brausekanal ServusTV zählt. Im Abenteuerdrama „ Turning Tide “ kann man dort Dienstag um 20.15 Uhr bestaunen, wie der Solosegler Yann bei der härtesten Regatta an zweiter Stelle liegt, als er einen blinden Passagier an Bord entdeckt, der nach Frankreich fliehen will…

Ebenso dramatisch, aber frei von Thrill ist zwei Stunden später „ Der Kreis “ auf 3sat. Röbi und Ernst sind darin zwei Schwule, die das offene Klima im liberalen Zürich der Nachkriegszeit genießen, bis die konservative Reaktion das homosexuelle Refugium beseitigt. Besonders faszinierend an dem Dokudrama sind jedoch nicht die Spielszenen, sondern die Gespräche mit den zwei Hauptfiguren, die bis heute glücklich vereint sind. Wie viel Intimität und Hingabe in gereiften Beziehungen steckt, hat niemand eindrücklicher gezeigt als Michael Haneke in seinem preisgekrönten Film „ Liebe “, den der WDR parallel um 21.10 zeigt. Sein Porträt einer uralten Ehe im Kampf gegen den Verfall, rechtfertig das anschließende Porträt des Regisseurs gleich doppelt.

Gar nicht erst zustande kam die Liebe von Petra Schmidt-Schaller und Wotan Wilke Möhring im norddeutschen „ Tatort “. Wer das bedauert, sollte den ARD-Mittwochsfilm „ Was im Leben zählt “ sehen. Hier sind beide nämlich ein Paar – und füttern die Milieu-Studie eines Münchner Mietshauses mit viel Gefühl und Wahrhaftigkeit.

Völlig unromantisch geht es kurze Zeit später in einer Dortmunder Neubausiedlung zu. An ihrem Beispiel zeigt die WDR-Doku „ Göttliche Lage “ um 22.35, wie systematisch Städte heutzutage im Dienste des Profites von der Unterschicht entvölkert werden. Und wenn man so will, war es ja so etwas, dem sich die Studentenbewegung vor 50 Jahren entgegenstellte, bevor sich ihre Radikalisierung verselbstständigen sollte. Letzteres macht die „ Wiederholung der Woche “ (Mittwoch, 22.45 Uhr, RBB) zum Kaugummikino: Der „ Baader-Meinhof-Komplex “ von 2008 mit Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck in den Titelrollen.

Schwarzweiß ist dagegen heute um 23.55 Uhr im MDR ein wahrer Klassiker: „ Alexis Sorbas “, oscarprämierte Romanadaption von 1964 mit Anthony Quinn als griechischer Dickkopf, der für den Film angeblich den Sirtaki erfunden hat. Was Film & Fernsehen sonst noch erfinden können, zeigt „ Building Star Trek “ (Freitag, 21.50 Uhr, Arte) die wissenschaftliche Analyse des Enterprise-Universums zum 50. Geburtstag der legendären Serie.

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