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Besser als Nichts?

Freitags Montag Besser als Nichts?

So, so. Fett, arm, faul und wer weiß, vielleicht auch noch blöde findet der auch keineswegs drahtige, aber reiche, rührige und wer weiß, vielleicht auch noch kluge Thomas Ebeling also sein Publikum, wie der  Mediendienst DWDL aus einer Telefonkonferenz mit Analysten zitiert. 

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Damit versucht der Vorstandsvorsitzende zu erklären, warum das verfettende, armselige, denkfaule, allzu oft saublöde Programm der ProSiebenSat1 Media SE auf längere Sicht das Millionengehalt seines CEO finanziert. Wenn die verunglimpften Zuschauer sich da mal nicht klüger zeigen als vom früheren Versicherungsmanager erhofft und dessen TV-Angebot fortan abschalten…

Aber im Grunde hat Ebeling ja Recht: Weil es bequemer, vor allem billiger ist als kostenpflichtige Streamingdienste, verbringt das wenig solvente Publikum den Feierabend vielfach mit dem allergrößten Mist, anstatt besseres zu tun. Nichts zum Beispiel. Wobei es hierzulande selbst das Nichts mitunter schafft, ins Rampenlicht zu geraten. Nur so ist zu erklären, dass zuletzt bei „Anne Will“ ständig die Beine von Verona Pooth im Bild waren, wie es öffentlich-rechtliche Kameramänner bereits bei Katja Suding (FDP) und Frauke Petri (äh…) getan hatten.

Nur so ist aber auch zu erklären, dass vorigen Donnerstag neben Glitzergestalten wie Tom Jones, Helene Fischer oder Arnold Schwarzenegger für was auch immer Heino Ferch und Alicia von Rittberg den „Bambi“ als beste Schauspieler*in/National erhalten haben. Zugegeben: In der unterhaltsamen Suter-Verfilmung „Allmen“ gab der geradeste Rücken des deutschen Heldenfernsehens eine prima Figur ab. Und die hinreißende Nachwuchsschauspielerin von Adel verlieh dem Klinikschinken „Charité“ im Ersten zumindest einen kleinen Rest an Würde. Dennoch: Beste Schauspielerei, lieber Burda-Boulevard, hat nix damit zu tun, bei einer promisüchtigen Preisverleihung Glanz auf die ARD-Bühne zu bringen, sondern mit bester Schauspielerei. Und davon gibt es 2017 gefühlt 200 Filme, die davon weit mehr zu bieten haben.

Einer davon läuft diesen Mittwoch. Im ARD-Zweiteiler „Brüder“ spielt der hochtalentierte Edin Hasanovic einen Wohlstandsverlierer, den das verpatzte Leben in die Arme radikaler Islamisten treibt. Ein herausragendes Psychogramm von Zülid Aladag, das über den zweiten Teil am Mittwoch drauf nachhallen dürfte. Wenn auch nicht bei der Bambi-Verleihung 2018, versteht sich. Auch ein anderer Schauspieler mit großem Potenzial, aber geringem Glitzerfaktor dürfte dort wieder fehlen: Aljosha Stadelmann. Erst kürzlich hat der Rheinländer einen „Tatort“ mit Maria Furtwängler zum Ereignis gemacht, Samstag spielt er zum zweiten Mal den Harzer Dorfpolizisten Frank Koops, ein „Harter Brocken“, an dem fiese Verbrecher im furiosen Westernfinale abermals abprallen wie Niveau an der Regenbogenpresse.

Auch Netflix zeigt diese Woche, welche Relevanz Fernsehen haben kann, wenn alle Beteiligten ernsthaft Interesse daran zeigen. Unter der Regie des Weltstars Steven Soderbergh brilliert die Western-Reihe „Godless“ ab Mittwoch sechs Folgen mit Jeff Bridges als unfreiwilliger Rächer im Reich des Unrechts. Besser geht’s nicht jenseits vom großen Kino. Ein Ort, den im übertragenen Sinne auch Boris Becker bewohnt. Was immer von ihm zu berichten ist, wirkt wie von Hollywood inszeniert. Derlei A-Promis mit C-Promi-Allüren lassen sich gemeinhin bestens porträtieren – was Michael Wech und Hanns-Bruno Kammertöns in ihrem Psychogramm „Der Spieler“ Montag um 20.15 Uhr im Ersten auch mit der gebotenen Distanz tun.

Gänzlich distanzlos ist dagegen Kuschelmoderator Kai P., wenn er Donnerstag (23.30 Uhr) an gleicher Stelle seinem Idol huldigt, was schon der Titel auf den Punkt bringt: „Pflaume feiert Dieter Hallervorden“ . Vor so viel Lobhudelei könnte einem glatt die Milch im Kaffee sauer werden. Womit wir, sorry für die plumpe Überleitung, bei einem wichtigen Themenabend auf Arte sind. Angefangen mit der Doku „Das System Milch“ , beleuchtet der Kulturkanal am Dienstag ab 20.15 Uhr die Machenschaften der Ernährungsindustrie, dicht gefolgt von „Bananen und Republiken“ übers System der United Fruit Company alias Chiquita.

Die Machtlosigkeit der Menschheit vor so viel legaler Kriminalität ist derart deprimierend, dass jetzt sofort die „Wiederholungen der Woche“ zur Entspannung folgen. Am Sonntag zeigt Arte zur besten Sendezeit den französisch-italienischen Juwelenraubklassiker „Vier im roten Kreis“ von 1970 mit Yves Montand, dem im Anschluss ein schönes Porträt gewidmet wird. Montag zuvor zeigt Arte ebenfalls ein ansehnliches Doppelprogramm: Norman Jewisons Südstaatenepos „In der Hitze der Nacht“ (1966), in dem Sidney Poitier als Virgil Tibbs an die Seite von Rod Steiger als rassistischer Bulle gerät (Montag, 20.15 Uhr). Im Anschluss läuft die schwarzweiße Provinzstudie „Der Rabe“ aus dem besetzten Frankreich von 1943, in dem der Weltkrieg nur am Rande vorkommt. Und im „Tatort“-Tipp „Der Fall Schimanski“ (Dienstag, 22.10 Uhr, WDR) rutscht der 1991 noch immer recht unkonventionelle Ermittler in eine Politaffäre.

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