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Bitte, liebe Ausländer, lasst uns mit diesen Deutschen nicht allein!

TV-Vorschau Bitte, liebe Ausländer, lasst uns mit diesen Deutschen nicht allein!

Sat1 hat diese Woche „Verdammt verliebt auf Malle“ im Angebot. Darin ist in 90 Minuten nix romantisch, geschweige denn komisch, findet unser Autor. Er rät stattdessen zu einer Reportage über Nazidorf Jamel.

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In „Verdammt verliebt auf Malle“ ist in 90 Minuten nix romantisch, geschweige denn komisch, alles dient der handwerklich minderwertigen Reklame für Originale wie Jürgen Drews und Micky Krause, findet unser Autor.

Quelle: Jean-Peter Feller

Seltsam genug, dass die ARD ihre Themenwoche Anfang November in dieser buchstäblich bewegten Zeit nicht der Migration widmet, sondern der Arbeit. Genauer: Deren Zukunft. Zum Teil wird der Schwerpunkt entsprechend von einem Avatar moderiert, was in der Tat ganz schön zukünftig klingt. Dann allerdings bloß die Gegenwart zu beschreiben, eingeführt mit einem Bremer „Tatort“, fortgesetzt durch ein Bankerdrama, durchdrungen von allerlei Sendungen zum Ist-Zustand der Werktätigkeit, ist aber fast so sonderbar wie der Umstand, dass für den Unterschichtenulk „Wir sind die Rosinskis“ gleich drei Mitglieder der schier unerschöpflichen Familie Thalbach engagiert wurden (Katharina, Anna, Nelly), die man allerdings nicht im Trio interviewen könne, weil – kein Scherz – die „Bild am Sonntag“ ein Vorkaufsrecht habe, nach dem sich alle anderen Medien zu richten hätten.

Vor. Kaufs. Recht. Manche Journalisten sind eben doch gleicher als andere… Das gilt natürlich mehr noch für die Türkei . Deren Sport- und Erziehungsminister Akif Çağatay Kılıç ließ am Dienstag ein Interview mit Michel Friedman im Auftrag der Deutschen Welle konfiszieren, weil das Talkfossil darin Absurditäten wie die Lage nach dem Putsch erkunden wollte. Soweit kommt’s noch, dass Fragen auf die Inhalte von Antworten abzielen! „Bild“ hat Kılıç da besser verstanden und stellte sich zeitgleich Fragen, die gar nicht erst einer Antwort bedürfen, sondern ihrerseits Inhalt sind. In gewohnter Schützenhilfe für den Schwesterkanal hat sie das „Jenke-Experiment“ des RTL-Reporters Wilmsdorff, on air harte Drogen zu nehmen, so werbewirksam als „Skandal“ auf die Titelseite gesetzt, dass es abends Topquoten setzte.

Gut, das Thema ist lange bekannt und ähnlich skandalös wie ein Soap-Plot am Nachmittag; aber es ging ja auch gar nicht um Inhalt, sondern Aufmerksamkeit. Worin sich RTL kein Stück von Sat1 unterscheidet. Dort läuft Dienstag (20.15 Uhr) ein Film, dessen Titel alles sagt: „ Verdammt verliebt auf Malle “. Er handelt vom Ballermannstar Gregor, dessen Tochter mit einem Schüler auf Klassenfahrt anbändelt, was ihr der Papa mit dessen Lehrerin wiederholt. Diese Nichthandlung könnte man als üblichen Mumpitz privater Nicht-Unterhaltung ignorieren, wäre Ulli Baumanns „Romantic Comedy“ nicht so durchtrieben. In 90 Minuten ist nix romantisch, geschweige denn komisch, alles dient der handwerklich minderwertigen Reklame für Originale wie Jürgen Drews und Micky Krause. Die ärmste Sau ist da Stephan Luca, dessen Attraktivität allenfalls Machos mit Herz zulässt, was an Stumpfsinn nur dadurch übertroffen wird, dass er einen Sänger spielt, der weder singen noch performen kann, also selbst für Malle-Verhältnisse fehlbesetzt ist.

Völlig fehlbesetzt ist auch Neda Rahmanian als Kommissarin Branka am Donnerstag, der die Urlaubsortkrimis im Ersten über den Umweg Kroatien Richtung Vollständigkeit der UN-Staatenliste erweitert. Die Deutsch-Perserin ist einfach – bei allem Respekt für Mordermittlerinnen – viel zu schön, zu hot, zu sexy für eine solche, und sei es am Mittelmeer. Einerseits. Andererseits ist sie Teil einer Reihe, die sich zwischen den Postkartenambientes anderer ARD-Inlandsimporte durch einen seriösen Schuss Realismus im früheren Bürgerkriegsland auszeichnet.

Ein Realismus, den die Realität natürlich immer noch glaubhafter vermittelt. Der 3sat -Schwerpunkt zum Thema Flüchtlinge etwa reiht begonnen mit „ Haben wir’s geschafft? “ am Mittwoch drei aufschlussreiche Dokus übers aktuelle Kernthema hintereinander, bevor der Abend um 23.55 Uhr mit Michel Abdollahis eindrücklicher Reportage aus dem Nazidorf Jamel endet, der abermals belegt: Bitte, liebe Ausländer, lasst uns mit diesen Deutschen nicht allein! Ansonsten nämlich ließe sich das Volk paranoider Herrenrassenmenschen allenfalls berauscht ertragen.

Zumindest virtuell versorgt mit der neuen Sky-Serie " High Maintenance “, die ab Freitag einen Dealer in New York begleitet, der die Menschen allerdings mal nicht mit tödlichem Crystal Meth, sondern vergleichsweise harmlosem Hasch versorgt.

Abgesehen von einem Wende-Krimi am heutigen ZDF-Krimi, in dem Silke Bodenbender 27 Jahre nach dem Mauerfall einen Mord auf Honeckers damaligem Jagdschloss aufklärt ( „Lotte Jäger und das tote Mädchen“ ) gibt es nicht so viel Empfehlenswertes dieser Woche, weshalb wir mal die Wiederholungen der Woche etwas erweitern. Neben Johnny Depp als Neunzigerjahre-Cop „ Donnie Brasco “, der sich morgen um 20.15 Uhr auf Tele 5 in die Mafia einschleusen lässt, ist da zum Beispiel „ Der Junge “ (Mittwoch, 22.45 Uhr, Arte) ratsam. Im leicht absurden Film aus Japan von 1969 stößt eine Großmutter ihren Enkel regelmäßig vor fahrende Autos, um Schmerzensgeld zu kassieren. Jim Carrey in damals völlig ungewohnter Rolle ist am Donnerstag (22.35 Uhr) auf 3sat zu sehen: In „ Vergiss mein nicht! “ von 2003 spielt er einen Verlassenen, der seine Ex Kate Winslet mittels Gehirnwäsche löscht und dann zurückwill.

Schwarzweiß wiederholt wird am Freitag um 14.05 Uhr auf Arte Hitchcocks Thriller „ Im Schatten des Zweifels “ von 1943 mit Joseph Cotton als vermeintlichem Serienkiller. Und dokumentarisch empfehlenswert: die sechsteilige Reihe „ Geheimnisse der digitalen Revolution “ auf ZDFinfo (Donnerstag, 13.45 Uhr), die gekonnt den Bogen von den Erfindern des viktorianischen Zeitalters zu Smartphone und Tablet zieht.

Mehr von Jan Freitag lesen Sie unter www.freitagsmedien.com

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