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Das Pubertier in Serie

TV-Vorschau Das Pubertier in Serie

Der Wahlkampf beherrscht derzeit die Medien - auch das Fernsehprogramm in dieser Woche ist daher politisch geprägt. Nach einer Sommerpause meldet sich unser Kolumnist Jan Freitag mit einem neuen Blick auf die neue Fernsehwoche zurück.

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"Das Pubertier" gießt die familiären Krisenjahre nach dem gleichnamigen Roman von Jan Weiler in ein locker-leichtes Serienformat.

Quelle: obs/ZDF/[M] KNSK, Tobias Schult"

Es ist seit Jahr und Tag ein beliebtes Spiel moderner Medienkritik , den Bock, also die Presse, zum Gärtner, also Schuldigen gesellschaftlicher Schieflagen zu machen oder wahlweise den Boten zu töten, statt den Absender. Erinnert sei da ans Unwort des Jahres „Herdprämie“. Dessen Verwendern wurde 2007 ja Frauenfeindlichkeit unterstellt, obwohl genau die doch durch den Begriff erst zum Ausdruck gebracht werden sollte. Ähnlich verhält es sich nun mit Melania Trumps Kleiderwahl beim Besuch (am Rande) des texanischen Flutgebiets. Während ihr Mann im Golf-Dress kondolierte (ohne auch nur ein Opfer zu treffen), trug seine Frau Stilettos und Caprihose. Dies zu thematisieren, wurde den Medien jedoch nicht als nötige Kritik, sondern Taktlosigkeit ausgelegt. Weil es doch um die Opfer gehe, nicht das Präsidentenpaar.

Dabei passt die Bewertung von Äußerlichkeiten gut zur heißen Wahlkampfphase . In der tigert die Spitzenpolitik nicht mehr nur durch erwachsene TV-Sender, was gestern seinen Höhepunkt im Spitzenduell auf vier Kanälen fand; Merkelschulzwagenknechtözdemiretc lassen sich auch auf den Plattformen der Jugend blicken, um sich als das zu präsentieren, was sie in der Regel eben nicht sind: jugendlich. Bei den „jungen Radio-Wellen“ der ARD lief das etwa unterm sendungmitdermausigen Titel „Frag doch mal die Merkel und den Schulz“. Das rechtfertigt zwar keine Falschmeldung einer Rundfunkgebührenerhöhung, von der die notorisch ARZDF-feindliche FAZ gerade mal wieder fabuliert hat. Aber man muss schon manchmal den Kopf schütteln, wie das öffentlich-rechtliche Publikum gleich welchen Alters behandelt wird. Und zwar explizit auch programmatisch.

Die ZDF-Serie „Zarah“ zum Beispiel sollte ab Donnerstag (21.45 Uhr) eigentlich den Kampf um Gleichberechtigung der frühen Siebziger in einer fiktiven Magazin-Redaktion namens „Relevant“ ausfechten. Was Regisseur Richard Huber und sein Team daraus gemacht haben, ist allerdings wenig mehr als eine (zunächst) sechsteilige Mottoparty, Thema 1973, das Jahr, in dem die feministische Schriftstellerin Zarah Wolf (Claudia Eisinger) die Leserschaft des „Stern“-Abklatsches um ein paar *innen erweitern soll, aber an den Herren der Zeitungsschöpfung abprallt wie Atemluft am Zigarettenqualm im Redaktionsbüro.

Dessen Einrichtung ist den Machern dummerweise wichtiger als die Handlung, weshalb „Zarah“ bestenfalls Karneval spielt, aber gewiss nicht Emanzipation. Schade eigentlich. Denn im Vorprogramm macht es „Das Pubertier“ ganz gut, die familiären Krisenjahre nach dem gleichnamigen Roman von Jan Weiler in ein locker-leichtes Serienformat zu gießen. Als schwer pubertierende Carla macht die junge Mia Kasalo ihren Eltern (Pasquale Aleardi, Chiara Schoras) unterhaltsam und nur selten überdreht das Leben zur Hölle.

Weniger ulkig ist hingegen "Der Sohn" am ARD-Mittwoch. Unter Urs Eggers Regie dient der Außenseiter Stefan da schließlich nicht bloß als Zotenlieferant in der Pickelphase, sondern garniert ein tonnenschweres Drama um mütterliche Selbstaufgabe und jugendliche Haltlosigkeit, das manchmal fast zu dick aufträgt, aber doch sehenswert ist. Wie die US-Serie „The Deuce" , mit der Sky ab Samstag einen Blick auf die bizarre Porno-Industrie der 70er und 80er Jahre wirft.

Ringsum bleibt das Programm aber politisch. Zum Beispiel wenn „illner intensiv“ von Dienstag bis Freitag um 23 Uhr wechselnde Wahlkampfthemen mit Spitzenpolitikern diskutiert. Zum Auftakt: „Welt im Chaos – wer führt Deutschland durch die Krisen“ . Tags zuvor klinken sich RTL und Sat1 nach dem prestigeträchtigen Sonntagsduell natürlich wieder aus, wenn die ARD um 20.15 Uhr zum oppositionellen „Fünfkampf“ lädt, an dem neben Grünen und FDP, Linke und CSU diesmal auch die AfD teilnehmen darf. Dazu passt so ganz nebenbei auch die anschließende Doku „Kreuz ohne Haken“ (23.45 Uhr), in der das Verhältnis der Kirchen zur Neuen Rechten in Deutschland beleuchtet wird.

Zur alten Rechten indes passt die schwarzweiße „Wiederholung der Woche“ . In „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ (Montag, 20.15 Uhr, Arte), mussten Hans Albers und Heinz Rühmann die Zuschauer zwei Jahre vor Kriegsbeginn als Nachfahren der berühmten Detektive noch mal kurz von Holocaust und Diktatur ablenken. Beides war bei zwei deutschen Klassikern im Anschluss allenfalls noch am Horizont zu erahnen: „Viktor und Viktoria“ von 1933 (22.05 Uhr) und „Die Liebe der Jeanne Ney“ (1928) um 23.40 Uhr.

In einer ganz anderen Zeit spielt Werner Herzogs Conquistadoren-Drama „Aguirre“ (Mittwoch, 23.45 Uhr, BR) von 1972 mit Klaus Kinski als gnadenlosem Eroberer auf der Suche nach dem sagenhaften Eldorado. Wie die Dreharbeiten damals ausgesehen haben, erklärt tags zuvor an gleicher Stelle um 23.30 Uhr die Doku „Mein liebster Feind“ .

Und der „Tatort“-Tipp : „Bienzle und der Todesschrei“ , eine SWR-Perle (Donnerstag, 22 Uhr) aus dem eigenen Sendegebiet von 2001.

Jan Freitag

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