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Der größte Schrott läuft auf RTL II

Kolumne: TV-Vorschau Der größte Schrott läuft auf RTL II

Die gute Nachricht vorweg: Auch drei Tage nach Donald Trumps feierlichen Amtsantritt wurden nicht alle Informationskanäle außer Twitter, Breitbart, Fox verboten.

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Die schlechte hintendran: Seine Antrittsrede vom vorigen Freitag verheißt dennoch Schlimmes für die USA (und damit uns). Denn was passiert, wenn sich ein demokratisch gewählter Potentat die Medien Untertan macht, war bereits bei Silvio Berlusconi zu beobachten und ist zurzeit unter anderem in Russland, wo seriöse Nachrichten allenfalls Splittergruppen noch erreichen. Vielleicht sollten wir uns also atmosphärisch darauf einstellen, dass im Falle wachsenden Einflusses der AfD Kaugummikanäle wie Pro7 die Meinungshoheit übernehmen, wo Trumps Machtübernahme in einer Simpsons-Folge aus dem Jahr 2000 vorhergesehen wurde. Oder schlimmer noch: RTL2.

Vier Exempel gefällig, welche Art Mainstream-Unterhaltung uns dann blüht? Die dreckige kleine Schwester von RTL hat grad folgende Formate angekündigt: „Meine Eltern, ihre Kilos und ich“, dazu „Die Diät-Tester“, gefolgt vom „großen Promi-Curling“, alles garniert mit den Sturmhaubitzen des gute Geschmacks von Jenny Elvers über Walter Freiwald bis Micaela Schäfer in „Ich liebe einen Promi“. Ob so was dann auch Grimme-Preise gewinnt, sei mal dahingestellt. Doch schon jetzt zeigt die Vorauswahl der Jury in Marl, wie durchlässig unsere Hochkultur für so manche Niederung des Entertainments geworden ist.

Unter den 81 Nominierungen aus mehr als 1000 Vorschlägen befinden sich natürlich auch herausragende Produktionen wie der dreiteilige NSU-Komplex im Ersten oder zwei Tatorte an gleicher Stelle. Dazu Jan Böhmermann, Bastian Pastewka, Checker Tobi oder „Der Fall Barschel“ und Dokumentation wie „Der Clown“. Aber eben auch „Bares für Rares“ oder den Pro7-Trashtalk „Applaus und raus“, was es früher wohl nicht mal in die Videorekorder der Juroren geschafft hätte, geschweige denn in die engere Auswahl.

Dort wird sich im kommenden Jahr vermutlich auch nicht „Frau Temme sucht das Glück“ wiederfinden. Was dem Charme dieser neuen Dienstagsreihe im Ersten allerdings keinen Abbruch tut. Von Natur aus mit mathematischer Begabung ausgestattet, analysiert die Titelfigur Vertragsrisiken einer kleinen Versicherung. Es ist der perfekte Job für das eigenbrötlerische Genie – bis sein Arbeitgeber beschließt, mit absurden Policen aus dem Minus zu kommen. Gegen herumfliegende Gefrierhühnchen zum Beispiel oder eheliche Untreue, Irrungen und Wirrungen inklusive.

Es ist aber auch der perfekte Job für Meike Droste. Bekannt geworden als Dorfpolizistin Bärbel in „Mord mit Aussicht“, spielt sie ihre Rolle mit ähnlicher Ulkigkeit. Das ist insofern bemerkenswert, als Meike Droste auf der Bühne gern die weibliche Hauptfigur großer Dramen spielt. Doch gerade das macht die ARD-Reihe (dienstags, 20.15 Uhr) so nett, wofür auch der famose Martin Brambach als hyperaktiver Abteilungsleiter sorgt. Keine Fernsehsensation, aber sehr solide Unterhaltung von heute. Die sich ab Donnerstag gut mit der von morgen vergleichen lässt.

Dann zeigt Maxdome die erste deutsche Video-on-Demand-Serie namens „Jerks“. Unter der Regie von Christian Ulmen spielen er selbst und Fahri Yardim darin zwei Idioten im Kampf mit Geschlecherklischees und anderen Peinlichkeiten. Humoristisch betrachtet ist das meist eher grober Säbel als feines Florett, aber für die Zielgruppe der Generation Snapchat gewiss ganz unterhaltsam. Für die Generation NDW witziger ist da schon „Inas Nacht“, von der die ARD am gleichen Tag um 23.30 Uhr das Beste aus zehn Jahren zeigt, während die Generation Big-Brother sich am Sonntag (22.15 Uhr) aufs Wiedersehen der frisch ausgezogenen Dschungelcamp-Bewohner freuen dürfte.

Und damit aber doch zum trübsinnigen Ereignis der Woche, dem zumindest Arte eifrig Tribut zollt: Dem Holocaust-Gedenktag zur Auschwitz-Befreiung am 27. Januar. Während sich das Erste am Montag zuvor interessanterweise lieber deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich widmet (23.30 Uhr, „Schuften für den Erzfeind“), porträtiert der Kulturkanal zeitgleich Shoah-Überlebende, bevor er tags drauf bis in die Nacht aufs Erinnern verwendet. Darunter Alfred Hitchcocks grandiose Befreiungs-Doku „Night Will Fall“ (23.55).

Wobei das wäre im Grunde schon eine „Wiederholung der Woche“ wie diese hier in schwarzweiß wäre: „Hafen im Nebel“ (Montag, 22.10 Uhr, Arte), ein französisches Melodram von 1938 über die Liebe in Zeiten des drohenden Krieges. Der in Ernst Lubitschs Klassiker „Sein oder Nichtsein“ von 1942 (Freitag, 23.30 Uhr, BR) bereits in vollem Gange war. Auch in Farbe diesmal zwei Tipps: Der Coen-Brüder-Geniestreich „Fargo“ von 1996 (Dienstag, 22.10 und Donnerstag, 0.20 Uhr, Tele5). Dazu Wes Andersons ähnlich skurrile Indien-Reise „Darjeeling Limited“ von 2007 (Mittwoch, 20.15 Uhr, Arte). Und am selben Tag (22 Uhr) läuft im SWR der „Tatort“ von gestern: „LU“ aus Ludwigshafen mit Jürgen Vogel als Täter, der irgendwie keiner ist.

Mehr von Jan Freitag lesen Sie unter freitagsmedien.com

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