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Deshalb gehört Schweiger in den Dschungel

TV-Vorschau Deshalb gehört Schweiger in den Dschungel

Unser Kolumnist Jan Freitag findet, der Schauspieler gehört direkt ins Dschungelcamp. Doch das sei leider schon voll. Was sich dagegen zum Einschalten lohnt, erzäht er in seiner TV-Vorschau.

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Til Schweiger alias Nick Tschiller sitzt in der Falle und weiß nur noch einen Ausweg - eine Szene der Hamburger Tatort-Folge Fegefeuer.

Quelle: Gordon Timpen/NDR/dpa

Über Til Schweiger ließe sich auch eine Woche nach seinem dritten Tschiller-Gemetzel viel Kritisches berichten: Dass er ein lausiger Schauspieler ist, dass seine ignorante Selbstgefälligkeit an Wladimir Putin erinnert, dass auch sein dritter „Tatort“ amerikanisches Action-Niveau erreicht, wenn auch bloß von drittklassigen Pay-TV-Produkten. Dass er sich von Nebensächlichkeiten wie Verachtung dramaturgischer Glaubhaftigkeit, meckernden Feuilletonisten oder mickrigen Quoten unterkriegen lässt, kann man angesichts seiner irrwitzigen Kollegen- und Medienschelte jedoch nicht behaupten.
So betreibt der, hüstel, Schauspieler mit voller Absicht das, was dem Streamingdienst Netflix künftig weitere 130 Länder, also (bis auf Ausnahmen wie China) praktisch die ganze digitale Weltkarte und irgendwann vielleicht auch mehr als bloß 70 Millionen Zuschauer verschafft: Er vernichtet das lineare Fernsehen als ernstzunehmendes Medium nachhaltig und verdient damit auch noch Millionen, die man da auch gleich amerikanischen Waffenlobbyisten spenden könnte. Danke Til! Auch für deinen Kino- „Tatort“ im Februar, der dein Festgeldkonto weiter mästen dürfte angesichts der Deppen, die dumpfe Haudraufs wie dich noch immer für gute Entertainer halten.
Gäbe es also so etwas wie Gerechtigkeit, gehörte Deutschlands lukrativste Film- und Fernsehfigur nicht auf die Sonnenseite des Boulevards, sondern direkt ins Dschungelcamp . Das allerdings ist dieses Jahr schon vollständig besetzt, unter anderem mit Jenny Elvers, Gunther Gabriel, Rolf Zacher und – huch! – Brigitte Nielsen, die am Freitag schon zum zweiten Mal ins RTL-Lager zieht, was auf ein langsames Versiegen masochistischer D-Promis schließen lassen könnte. Von denen fallen seit gestern ja auch wieder drei aus, nachdem die Ludolfs bei Kabel1 erneut ihren Schrottplatz zur Bühne machen dürfen. Nichts gegen die erfrischend subversive Kraft des umstrittensten Angebots im Regelprogramm, aber an dieser Stelle kann man mal eine Wette eingehen: Anke Engelke wird dort nie einziehen.
Die nämlich hat besseres zu tun. Deutschlands beste Komödiantin zu sein etwa. Oder heute Abend im Ersten das spröde Dokumentarfilmgenre ein wenig aufmöbeln. In „Fast perfekt“ nämlich darf sie zur besten Sendezeit dem Optimierungswahn zivilisierter Gesellschaften wie der unseren auf den Grund gehen. Und das macht sie, wenig überraschend, gut. Niemand, die These wird ihr 60 Minuten lang bestätigt, ist noch mit sich zufrieden: Zu dick, zu dünn, zu alt, zu jung, zu doof, zu klug, zu hässlich, zu gewöhnlich, zu hübsch – aus einem unerschöpflichen Reservoire zufällig getroffener oder gezielt besuchter Zeitzeugen fischt das Auorenduo Gesine Ewaldt und Ravi Karmalker allerlei Figuren, die an sich oder anderen was auszusetzen haben und sucht gemeinsam mit der Anke Engelke nach Ursachen des Drangs, Makel auszumerzen. Sehr unterhaltsam, manchmal auch witzig, jedenfalls besser als manch anderer Presenter, der sich ein bisschen zu gern selber reden hört.
Weil das auch jahrelang auf den Deutschen Fernsehpreis und seine Protagonisten bei der Verleihung zutraf, wird er zwar am Mittwoch nach einjähriger Pause wieder verliehen, aber nicht live übertragen. Im nächsten Jahr dann wird damit fraglos ein ARD-Format prämiert, dass zum Besten zählen dürfte, was das junge Jahr zu bieten hat:  „Die Stadt und die Macht“ . Mit Anna Loos als Anwältin, die Berlins Bürgermeister Burghart Klaußner dank des aasigen Spindoctors (brillant: Martin Brambach) vom Thron stürzt, wird das schwierige Metier des Politdramas hierzulande von Dienstag bis Donnerstag in Doppelfolgen ganz neu definiert.
Im wahren Leben wäre das zweifelsohne ein Thema für  Sandra Maischberger , die vom Donnerstag auf den Mittwoch rückt, den Anne Wills Richtung Sonntag verlässt, der gottlob längst jauch(e)frei ist. Talkshow als Taubenschlag. In der Pro7-Serie  „Zoo“ geht es ab Mittwoch hingegen zu wie im Affenstall: 13 Folgen lang erobern Tiere aus Gründen, die die zwei Helden der US-Story erst noch finden müssen, erbarmungslos die menschliche Zivilisation zurück, was zumindest den Vorschauen nach unglaublich gut gemacht zu sein schein.
Etwas, das man von der farbigen „Wiederholung der Woche“ wohl weniger behaupten kann. „Der gelbe Unterrock“ (Samstag, 23.25 Uhr, SWR) ist ein „Tatort“ mit Nicole Heesters als Ermittlerin im Mainzer Karneval 1980, der lange im Giftschrank der ARD lag, da er abgesehen von der rohen Gewalt schlicht zu schlecht gewesen sein soll. Auch mal schön. Und Anlass genug, das missratene Stück der Krimireihe mit dem schwarzweißen Vorläufer „Stahlnetz“ abzugleichen, von der der HR am Montag zuvor (23.15 Uhr) eine Episode namens „Strandkorb 421“ zeigt, die Jürgen Roland 1963 gedreht hat. Zwei Jahre später traten übrigens die Rolling Stones erstmals in Deutschland, genauer: Münster auf, woran EinsPlus Mittwoch um 20.15 Uhr mit dem Doku-Tipp „Satisfaction in NRW“ erinnert.

Mehr von Jan Freitag unter http://freitagsmedien.com/

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