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Diese Woche startet die neue Serie des "The Wire"-Machers

TV-Vorschau Diese Woche startet die neue Serie des "The Wire"-Machers

"The Deuce" zeigt seit Montag auf Sky das New York der Siebzigerjahre, wo die Pornografie seinerzeit gerade zum Milliardengeschäft wächst - "ein ganz großer Wurf", findet unser Kolumnist Jan Freitag. Außerdem schaut er unter anderem auf den Abgang von Alice Weidel bei Marietta Slomkas Wahlrunde zurück.

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James Franco und Maggie Gyllenhaal (r) in einer Szene der HBO-Serie «The Deuce».

Quelle: Sky/dpa

Der neue Duden ist redaktionell womöglich noch nicht abschließend bearbeitet, aber ein Begriff hätte es längst verdient, aufgenommen zu werden: „Talkshowabgang, der“, kombiniert mit „vorzeitiger“. Dieses Phänomen nämlich zählt mittlerweile fast schon zum guten Ton der Fernsehdebattenkultur . Erst im Juli verließ Wolfgang Bosbach Sandra Maischbergers Runde, weil ihm Jutta Ditfurth zu linksradikal war, nun folgte ihm Alice Weidel bei Marietta Slomkas Wahlrunde am vorigen Dienstag, weil Andreas Scheuer ihr Parteifreund Björn Höcke zu rechtsradikal ist.

Damit befinden sich beide in guter Gesellschaft einer illustren Runde von Boris Becker über Ruth Moschner bis Peter Maffay, die allesamt wutschnaubend vorzeitig das Weite gesucht – und dabei weit mehr Aufmerksamkeit gefunden haben als bei Einhaltung des Protokolls. Und so sinnierten die Medien am Mittwoch auch süffisant, ob der Auf-, besser: Abtritt von Alice Weidel nicht von langer Hand geplant gewesen war. Schließlich hat sie schon vorher mehrfach angedeutet, vom rotgrünschwarzgeldlinksversifften Kreis der Gegner nun aber echt bald die Schnauze voll zu haben. Während CSU-General Scheuer argwöhnte, die AfD-Kandidatin wolle nur rechtzeitig ans kalte Büffet, mutmaßte Moderatorin Slomka jedenfalls, sie drücke sich nur vor der anstehenden Rentendebatte.

In dem Zusammenhang könnte der Duden dann gleich noch um eine weitere Unterart des „Talkshowabgangs“ ergänzt werden. Denn nach dem vorzeitigen im Zweiten folgte gleich auch noch der vorsorgliche im Ersten. Ohne Angabe von Gründen hat Alice Weidel die zugesagte Teilnahme bei der Wahlrunde „illner intensiv“ am Donnerstag abgesagt. Und auch der ersatzweise angefragte Alexander Gauland hatte keine Zeit. Leider, leider. Obwohl sich der Partei-Rechtsaußen André Poggenburg dann doch erbarmte, stimmt da irgendwas nicht mit dem Vorwurf, die AfD wolle dringend sagen, was man doch mal sagen müsse, aber nicht dürfe. Interessanterweise ist das Ganze Wasser auf die Mühlen des WDR-Rundfunkrats, der nach Durchsicht diverser ARD-Talkshows zum gleichen Schluss wie 2012 und 15 kommt: zu belanglos, zu populistisch, zu oberflächlich und vor allem: zu sehr auf Krawall gebürstet.

Belanglos, populistisch, oberflächlich, aber eher gar nicht auf Krawall gebürstet, das gilt hingegen für zwei Filme, mit denen Arte am Montag ab 20.15 Uhr 100 Jahre UFA feiert. In der schwarzweißen Screwball-Komödie „Glückskinder“ dürfen die Nazi-Lieblinge Willy Fritsch und Lilian Harvey zum Auftakt heile Liebeswelt spielen, während die Gesellschaft drei Jahre vor Kriegsbeginn bereits den Untergang plant. Im Anschluss dann suhlt sich Propaganda in der deutschen Version von „Titanic“ zwei Jahre vor Kriegsende nochmals in der vermeintlichen Dekadenz des Feindes. Gewiss keine guten, aber bemerkenswerte Klassiker des Filmbetriebs von Goebbels Gnaden.

Der kleine Exkurs zum nationalsozialistischen Erbauungsfilm zeigt aber auch, dass die Auswahl neuer Formate eher ein bisschen dünn ausfällt. Frei empfangbar ist allenfalls der französische Arte-Dreiteiler „Kim Kong“ (Donnerstag, 21.45 Uhr) um einen Regisseur empfehlenswert, den ein asiatischer Despot entführen lässt, um ihm King Kong nach eigenem Vorbild zu verfilmen, was bestimmt nur ganz entfernt an ein Vorbild in Korea erinnert.

Wirklich brillant gerät hingegen eine HBO-Serie, die Sky ab heute auf vielen seiner Kanäle zeigt: „The Deuce“ . Nach seiner Gegenwartsdystopie „The Wire“ nimmt sich Showrunner David Simon darin das New York der Siebzigerjahre vor, wo die Pornografie seinerzeit gerade zum Milliardengeschäft wächst. Mit James Franco als ungleiches Brüderpaar Vinnie und Frankie gelingt dabei ein ganz großer Wurf historisierenden Fernsehens, in dem Kostüme – Achtung ARZDF! – nur die Nebenrolle einer durch und durch glaubhaften Inszenierung spielen.

Ansonsten steht die Woche bereits ganz im Zeichen der anstehenden Wahl. Nachdem die ARD tags drauf zwei Handvoll Nonnen und Ärzte das tun lässt, was sie seit Jahr und Tag am Dienstagabend tun, darf Stefan Lamby um 22.45 Uhr eine Stunde lang „Das Duell“ der Kanzlerkandidaten auf seine ganz eigene, sehr journalistische Art analysieren.

Und weil es das auch schon war, kommen wir zu den „Wiederholungen der Woche“ . In schwarzweiß: „Die Gefangenen von Alcatraz“ , das atmosphärisch sensationelle Knastdrama von 1962 mit Kirk Douglas als Doppelmörder, dem ein verirrter Vogel in der Zelle neuen Lebensmut gibt (Freitag, 22.25 Uhr, 3sat). Zum 40. Jahrestag des Heißen Herbstes zeigt Kabel1Doku am Freitag (20.15 Uhr), Steven Spielbergs famosen Politthriller „München“ von 2005, der die Geiselnahme israelischer Olympioniken 1972 als Rachefeldzug des Mossad weiterspinnt. Und zu guter Letzt der „Tatort“ -Tipp: „Blutwurstwalzer“ (Montag, 22.15 Uhr, RBB), Günter Lamprechts dritter Fall als Kommissar Markowitz, in dem er es 1991 mit einem blutjungen Schauspieler zu tun kriegt: Jürgen Vogel (Mo, 2215, RBB)

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