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Dramen um die "Landshut" und Crystal Meth

Freitags Montag Dramen um die "Landshut" und Crystal Meth

Die Entführung der "Landshut" endete am Mittwoch genau vor 40 Jahren: Der SWR widmet dem deutschen Herbst an diesem Tag deswegen ab 20.15 Uhr einen Themenabend. Den Abschluss macht das aufregende Dokudrama "Mogadischu". Dieses und weitere TV-Highlights hat Kolumnist Jan Freitag herausgesucht.

Die entführte "Landshut" der Lufthansa steht auf dem Rollfeld. Der SWR macht am Mittwoch ab 20.15 Uhr einen Themenabend.

Quelle: dpa-Archiv

„Schon“ ist ein beschleunigtes Adverb mit erleichtertem Klang. Wer etwas „schon“ getan hat, ist seiner Zeit meist ein Stück voraus. Das verspätete „erst“ dagegen wird tendenziell im Tonfall der Enttäuschung verwendet, als ginge irgendwas Gutes gerade zu langsam. So gesehen hätten ARD und ZDF bei der Verkündung ihrer Medienumfrage, „schon 90 Prozent der Deutschen nutzen das Internet“, besser mal durch „erst“ ersetzt. Immerhin muss man sich fragen, wo denn bitte die restlichen zehn Prozent über 14 leben, um der globalen Wucht des WWW noch immer vollumfänglich entgehen – die glasfaserlose Diaspora nahe der polnischen Grenze gilt schließlich als bevölkerungsärmste…

Wie auch immer die Antwort lautet: Es war klar, dass die Öffentlich-Rechtlichen auf Grundlage der Studie fix eine Ausweitung ihrer Netzaktivitäten ankündigten, was die Privaten reflexhaft zur Forderung nach dem genauen Gegenteil zwang. Dazu passt, dass der „Spiegel“ vorigen Montag mal wieder die Meinungsleiche aus dem Kampagnenkeller zerrte, der gebührenfinanzierte Rundfunk sei eigentlich ein Staatsfunk, weil er den Mächtigen nach dem Mund rede und überhaupt mimimi… Das erinnert in seiner Larmoyanz an den schwarzen Rotfunk-Vorwurf Richtung WDR, was allerdings in eine Zeit fiel, als die Mauer zwischen Ost und West aus Beton waren, nicht aus Verachtung.

Da die Reaktion der betroffenen Sender darauf allerdings auch wieder eher klein- als großmütig war, hocken alle Beteiligten dieser ewigen Debatte wieder in den Schmollecken ihrer Befindlichkeiten und warten auf die ordnende Hand von irgendwo, die es vor 50 Jahren vielleicht noch gab, als „Aktenzeichen XY ungelöst“ erstmals schwarzweiß vom Röhrenapparat flimmerte und zumindest der politische Humor im Fernsehen noch witziger war als der heillos überforderte Sven Ratzke, der Dienstag im Ersten die verwaiste Late-Night hierzulande wiederbeleben sollte und daran so krachend scheiterte, dass einem das Lachen erstmal vergangen ist.

Aber vielleicht sind das ja gute Voraussetzungen für Hans-Christian Schmids allerersten Ausflug vom Kino ins Fernsehen. Sein Vierteiler „Das Verschwinden“ um eine Mutter, die ihre vermisste Tochter im Crystal-Meth-Sumpf des bayerisch-tschechischen Grenzgebiets sucht, ist ab Sonntag um 21.45 Uhr so deprimierend und dramatisch, bei aller Tristesse provinzieller Abgründe aber auch derart brillant, dass man ungeachtet der bizarren Programmierung (die Teile 2-4 laufen erst fünf Tage später) unmöglich los kommt von dieser schwarzen Perle des linearen Programms. Seit „Im Angesicht des Verbrechens“ hat schließlich kein TV-Format auch nur annähernd diese Sogwirkung entfaltet – was unter anderem an der herausragenden Julia Jentsch zwischen Trotz und Hoffnung liegt.

Mit der sollte sich Anja Kling in einer ähnlich verzweifelten Mutterrolle am Montag im ZDF also besser nicht messen. Dennoch ist die Verfilmung von Dirk Kurbjuweits Bestseller „Angst“ absolut empfehlenswert. Es geht darin um einen Stalker (Udo Samel) im eigenen Haus, der Klings Fernsehfamilie bis zum äußersten nachstellt. Das ist trotz und wegen Heino Ferch als gewohnt stoischer Vater mit permanentem Rotweinschwenker zur Hand absolut sehenswert und mit einem wirklich überraschenden Ende versehen.

Dieses Gütesiegel verdient auch der ARD-Mittwochsfilm „Ich war eine glückliche Frau“ , gespielt von Petra Schmidt-Schaller. Deren ehemaliger Nachbar (Rainer Bock) eröffnet ihr nämlich, sie jahrelang ausspioniert zu haben, was unter Martin Enlens Regie zu einem sehr feinen Psychogramm verletzter Seelen gerät. Parallel dazu füllt der SWR seine Primetime mit der Erinnerung an den deutschen Herbst, der vor genau 40 Jahren mit der Entführung der „Landshut“ in sein blutiges Finale gesteuert ist. Ab 20.15 Uhr gibt es dazu erst drei faktenreiche Dokumentationen , bevor um Mitternacht Roland Suso Richters aufregendes Dokudrama „Mogadischu“ mit Thomas Kretschmann als Pilot läuft.

Das ist mit kleinem Hinweis darauf, dass Pro7 den kleinen Hype ums britische Pubsport-Ereignis Darts am Samstag mit einer vierstündigen Übertragung der „German Masters“ ab 20.15 Uhr auszuschlachten versucht, bereits der Einstieg in die „Wiederholungen der Woche“. Angefangen mit Tommy Lee Jones als Jäger des zu Unrecht verurteilten Harrison Ford „Auf der Flucht“ von 1993 (Montag, 20.15 Uhr, Kabel1), fortgesetzt am gleichen Abend von  „1984“ (21.55 Uhr) auf Arte mit dem kürzlich gestorbenen John Hurt als Opfer von Orwells berühmter Gedankenpolizei.

In Schwarzweiß gibt es ebenfalls zwei Tipps:  „Das Narrenschiff“ (Montag, 23.05 Uhr, MDR) von 1965 mit Vivien Leigh und Lee Marvin auf Kreuzfahrt nach Deutschland am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung. Heiterer geht es da auf einem völlig anderen Schiff zu: „Raumpatrouille Orion“ in einer remasterten Kinoversion von 2003 (Sonntag, 20.15 Uhr, Tele5). Und Horst Schimanski kriegt es im „Tatort: Kinderlieb“ am Dienstag um 22.10 Uhr im WDR von 1991 mit einem richtig widerlichen Vergewaltigungsfall zu tun.

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