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Unser Kolumnist Jan Freitag schaut diese Woche erstmal zurück auf die letzte - und arbeitet sich an der Berichterstattung über den G-20-Gipfel in Hamburg ab. Sein Tipp für die laufende Woche ist ein Themenschwerpunkt bei Arte, der den ganzen Sommer über die britische Popkultur feiert.

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Unterstützer des schwarzen Blocks nehmen am 08.07.2017 in Hamburg an der Demonstration «Grenzenlose Solidarität statt G20» teil.

Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Wer Björn Staschen bereits vor fünf Tagen kannte, war vermutlich ein Kollege beim NDR, aus seiner oldenburgischen Heimat oder absoluter Nachrichtenjunkie. Seit Donnerstag allerdings dürfte der „Tagesschau“-Reporter auch darüber hinaus vielen ein Begriff sein. Da nämlich stürzte er sich voll ins Getümmel der Ausschreitungen rings um den G-20-Gipfel in Hamburg, plapperte jedoch anders als viele Verlautbarungsjournalisten nicht nach, was die Polizei verlautbaren ließ, sondern machte sich sein eigenes Bild vom Chaos. Die „angeblich 1000 Vermummten im schwarzen Block“ hat er zum Beispiel einfach mal nachgezählt und ist dabei „auf weit weniger gekommen“, wie er Donnerstag live von den Landungsbrücken berichtete.

Da selbst sein Chefredakteur Andreas Cichowicz zugleich – hüstel – vergessen hatte, Hamburgs Polizeipräsidenten im Interview nach so sperrigem Zeugs wie exekutiver Verhältnismäßigkeit zu fragen, blieb am Ende dieses bürgerkriegsartigen Wochenendes vor allem eines hängen:  ausgewogener Journalismus wurde von ZDF über RTL bis n-tv oft nur vor Ort geliefert; die Studios waren in beklemmender Art und Weise staatstragend. Sollte das kein falscher Eindruck sein, könnte Pro7Sat1-Vorstand Conrad Albert demnächst recht bekommen mit seiner Aussage, „nur fünf Prozent der Zuschauer von ARD und ZDF sind unter 30 Jahre alt“. Das ist zwar nachweislich falsch, aber vielleicht hat der "Cheflobbyist", wie ihn das Öffentlich-Rechtliche indigniert nannte, ja nur in die nähere Zukunft geschaut.

Die übrigens hält eine Sensation bereit: In der ersten DFB-Pokalrunde am 14. August zeigt die ARD nicht, wir wiederholen: NICHT das Spiel des FC Bayern München in Chemnitz live, sondern irgendwas anderes mit Hansa und Hertha. Das grenzt fast an Palastrevolution. Und könnte um ein paar Ecken damit zu tun haben, dass die Münchner Haus- und Hofberichterstatter der Springer AG gerade mit Constantin über den Kauf des Spartenkanals Sport1 verhandeln, um daraus womöglich einen FCB-Kanal zu machen, wer weiß.

Bevor die ARD Anfang August allerdings wieder den Audi Cup überträgt, eine weitere Dauerwerbesendung für den Rekordmeister ohne sportlichen, aber mit viel kommerziellem Reiz, ist aber ohnehin fußballfreie Zeit im Fernsehen. Zeit also für den „Summer of Fish’n’Chips“ , mit dem Arte ab Freitag seine Tradition fortsetzt, den Sommer mit einem musikalischen Schwerpunkt zu füllen. 2017 dreht er sich ums Vereinigte Königreich. Zum Auftakt zeigt der Kulturkanal um 21.50 Uhr die Dokumentation  „United Kingdom of Pop“ , dicht gefolgt von der Wiedervereinigungstour der legendären Monty Pythons vor drei Jahren, alles präsentiert von niemand geringerem als der Punk-Ikone Johnny Rotten . Tags drauf gibt es um 22.40 Uhr eine Dokumentation über die Britpop-Pioniere Pulp , dazu das letztjährige Konzert von Radiohead in Berlin, bevor am Sonntag (23.25 Uhr) der unvergessene  Peter Sellers mit einem Biopic gefeiert wird.

So unterhaltsam kann es sein, wenn sich ein Sender mal ausgiebig mit einem Thema beschäftigt, das nicht nur den Mainstream befährt, sondern dessen Zuflüsse. Das wagt am Dienstag auch die ARD, wenn sie ihre dreieinhalbstündige Kurzfilmnacht zeigt. Dummerweise erst ab 2.05 Uhr, was Zuschauerzahlen im niedrigen vierstelligen Bereich nach sich ziehen dürfte. Nicht, dass irgendjemand aus dem öffentlich-rechtlichen Stammpublikum auf die Idee kommt, sich für was anderes als Show oder Krimi zu interessieren… Eine Mischung daraus ist ab Freitag um 21.15 Uhr zu sehen: Mit dem True-Crime-Format „Morddeutschland“ spielt der NDR vier Folgen lang RTL2, indem wahre Verbrechen unterhaltungstauglich gemacht werden.

Für echten Thrill sei daher doch lieber Arte empfohlen, das am Dienstag den ganzen Abend lang an den türkischen Putsch vor einem Jahr erinnert, was die ARD tags zuvor wiederum erst um 23.10 Uhr mit einer dreiviertelstündigen Doku macht. Und bevor wie zu den „ Wiederholungen der Woche“ kommen, gibt es da noch den unerlässlichen Netflix-Tipp: „Friends from Collage“ , eine Serie über die Tücken des Wiedersehens alter Studienfreunde ab Freitag. Schon gesehen, aber unverändert fantastisch: Marvin Krens deutscher Zombiefilm „Rammbock“ (Montag, 23.50 Uhr, ZDF), der bereits 2010 bewiesen hat, wie viel sozialkritisches Potenzial in den Untoten schlummert. Ein Jahr zuvor ist die schwarzweiße Wiederholung vom Montag (0.20 Uhr) entstanden: Michael Hanekes weltweit gefeiertes Vorkriegsepos  „Das weiße Band“ . Und der  „Tatort“-Tipp kommt mal wieder aus Köln:  „Manila“ von 1997 (Dienstag, 22.10 Uhr, WDR), einer der frühen Fälle des amtierenden Teams Ballauf und Schenk ums Thema Kindesmissbrauch, als es noch nicht zum Standardrepertoire des Krimis gehörte.

Mehr von unserem Kolumnisten Jan Freitag lesen Sie in seinem Blog http://freitagsmedien.com/

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