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Fast auf dem Niveau von „Breaking Bad“

TV-Vorschau Fast auf dem Niveau von „Breaking Bad“

Eine neue Serie "fast auf dem Niveau von 'Breaking Bad'" hat unser Kolumnist in seiner TV-Vorschau dieser Woche im Angebot: "Ozark" läuft ab Freitag auf Netflix. Wer es gern weniger düster und lustiger mag, sollte sich die Serie "Crashing" auf Sky vormerken.

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Spannend: Die Serie "Ozark", die Netflix ab Freitag zeigt.

Quelle: hfr

Es ist schwer zu sagen, was beim G-20-Gipfel in Hamburg nun verstörender war: Die politische Fehleinschätzung des Gewaltpotenzials beider Seiten? Das polizeiliche Null-Toleranz-Debakel? Der linke Mangel an Distanz zum brandschatzenden Mob? Event-Touristen, deren Handys meist besser liefen als ihr Verstand? Oder am Ende doch wir Medien beim gescheiterten Versuch, selbst in der Nachberichterstattung journalistische Distanz zu wahren?

Ebenso wie die unbescholtenen Einsatzkräfte hatte aber auch die Presse sehr zu kämpfen. Erst wurde sie gezielt Opfer von Angriffen in und ohne Uniform. Dann verloren 32 Reporter aus „Sicherheitsgründen“, die womöglich von der türkischen Regierung geäußert wurden, ihre Akkreditierungen . Schließlich ist da noch das Elend mit der Impulsivität des Boulevards. Der „Faktenfinder“ der „Tagesschau“ etwa listete reihenweise Falschmeldungen über vermeintliche Exzesse im Exzess auf, von denen überraschenderweise viele bei „Bild“ erschienen sind. Die anschließende Kopfgeldjagd auf einen „Randalierer“, dessen Böllerwurf einem Einsatzbeamten angeblich fast das Augenlicht gekostet habe, wurde dann allerdings selbst der Polizei zu viel.

So wie sich Justizminister Maas gegen die Unterstellung wehrt, er habe analog zum „Rock gegen rechts“ nun „ Rock gegen links“ gefordert, was ihm ein Springer -Reporter nachweislich in den Mund gelegt hat. Weil sich aber auch seriöse Medien wie die „Tagesschau“ selbst keineswegs mit journalistischem Ruhm bekleckert haben, dürfte die Aufarbeitung der Ereignisse von Hamburg auch hier noch eine Weile brauchen. Dass Wolfgang Bosbach bei einer Diskussion darüber bei Sandra Maischberger vor Jutta Ditfurth floh, zählte dann schon zum heiteren Teil des Desasters, der durch die Ankündigung des türkischen Sultans Recep Tayyip Erdoğan, nun doch weiter gegen Böhmermanns Schmähgedicht vorzugehen, rasch ins Slapstickhafte überging.

Scheinbar unfreiwillig komisch geht es auch in der neuen Woche los. „Crashing“ , die neue Serie vom Komödienrevoluzzer Judd Apatow, spielt ab Dienstag bei Sky in der New Yorker Stand-up-Branche, wo der amerikanische Branchenstar sich selbst spielt – allerdings in einer besonders bemitleidenswerten Fassung als Mann in den mittleren Jahren, der von seiner Frau erst betrogen, dann rausgeworfen und schließlich obdachlos wird, weshalb er – „Crashing“ genannt – in den Wohnungen befreundeter Comedians einfällt, die allesamt reale Stars sind wie Sarah Silverman. Und das ist wirklich nicht nur deshalb sehr wahrhaftig.

Am Freitag dann zieht Netflix mit einer nicht linear gesendeten Serie nach, die zudem alles andere als lustig ist. In „Ozark“ flieht ein Finanzjongleur, der jahrelang für ein mexikanisches Drogenkartell Geld gewaschen hat, in die gleichnamige Pampa nach Missouri, die sich als ebenso verrucht zeigt wie jener Flüchtige (gespielt von Regisseur und Produzent Jason Bateman), der dort weiter für die Mafia tätig bleibt. Und das ist ohne Übertreibung fast auf dem Niveau von „Breaking Bad“.

Eine Doku ist noch zu empfehlen: „Die Liebenden und der Diktator“ (Montag, 23.10 Uhr, Arte) über zwei südkoreanische Filmkünstler, die 1978 angeblich nach Nordkorea entführt wurden, um das dortige Kino aufzuwerten. Absolut irre.

Ansonsten klingt die Woche sehr musikalisch aus. Freitag setzt Arte seinen „Summer of Fish’n’Chips“ um 22.10 Uhr mit dem berühmten 101-Konzert von Depeche Mode von 1989 fort, bevor „24 Hour Party People“ den Mythos der Britpop-Metropole Manchester des anschließenden Jahrzehnts zu einem halbfiktionalen Biopic macht. In der Nacht auf Sonntag dann feiert die ARD um 0.40 Uhr mit der WDR-Doku „40 Jahre Rockpalast-Nacht – I've lost my mind in Essen“ jene Konzertreihe, die vor genau 40 Jahren Fernsehgeschichte schrieb: am 23. Juli 1977 nämlich fand in der Grugahalle die erste der europaweit ausgestrahlten „Rockpalast“-Nächte mit Rory Gallagher, Little Feat und Roger McGuinn's Thunderbyrd statt. Im Rückblick ist kaum zu glauben, dass die ARD damals gleich nach dem „Wort zum Sonntag“ stundenlang Musik sendete – ohne Konzept, ohne Quotendruck, ohne Volks- davor.

Heute kann allenfalls mal Fußball dafür sorgen, dass die Öffentlich-Rechtlichen von ihrer massengefälligen Programmstruktur abweichen. Immerhin sind es am Dienstag Frauen , die dank der Übertragung ihres EM-Spiels dafür sorgen, dass das ZDF um 20.15 Uhr nur eine Krimi-Wiederholung zeigt; früher liefen selbst Endspiele mit deutscher Beteiligung allenfalls am Nachmittag. Apropos früher: Die „Wiederholungen der Woche“ sind diesmal Nicolas Roegs Horrorlegende ohne Horroreffekte von 1973 „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (Mittwoch, 23.30 Uhr, HR) und die „Lange Nacht mit Manfred Krug“ am Donnerstag im SWR (ab 22.45 Uhr), in der nicht nur sieben frühe Folgen der Trucker-Serie „Auf Achse“ am Stück gezeigt werden, sondern auch der „Tatort: Schüsse auf der Autobahn“ mit dem Odd-Couple Stoever/Brockmüller von 1998.

Mehr von Jan Freitag lesen Sie unter www.freitagsmedien.com

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