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Fernsehen im Ferienwiederholungsmodus

Freitags Montag Fernsehen im Ferienwiederholungsmodus

Während der Spitzenfußball auch hierzulande grad aus dem Sommer-Urlaub zurückkehrt (den Bayern München mit freundlicher Hilfe diverser Fernsehkanäle allerdings zum Geldverdienen in China genutzt hat), schlägt die Nachricht ein wie eine Bombe: ARD und ZDF werden wohl doch weiter von den Olympischen Spielen berichten.

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Dabei war der Verlust sämtlicher Übertragungsrechte im Grunde doch eine Chance der Öffentlich-Rechtlichen, sich vom Dirk Bachs menschenverachtendem Doping- und Korruptionssumpf ab- und dem wahren Sport zuzuwenden. Obwohl – wo gibt’s den eigentlich noch jenseits der Bundesjugendspiele?

Nirgends.

Weshalb man auch gut über die leichteren Aspekte des Fernsehens berichten kann. Dass die ARD seine Telenovelas „Rote Rosen“ und „Sturm der Liebe“ bis 2019 um jeweils 400 weitere Folgen fortsetzt zum Beispiel. Oder dass David Friedrich das Herz der „Batchelorette“ Jessica Paszka vor 3,02 Millionen Zuschauern erobert hat, wie RTL gefühlsduselig mitteilt. Aber Scherz beiseite. Denn zurzeit fällt es aufgeweckten, empathischen, kritischen Journalisten im wohlig warmen Medienbett Bundesrepublik Deutschland schwer, ganz normal zu arbeiten, während von der Türkei über Polen bis China immer mehr Kollegen exakt dafür kriminalisiert werden. So wie jene 17 Mitarbeiter der regimekritischen „Hürriyet“, denen die autokratisch gelenkte Demokratie Recep Tayyip Erdoğans seit vorigen Dienstag wegen des Gummivorwurfs terroristischer Betätigung den Prozess macht.

Weil Journalisten so etwas hierzulande trotz AfD und Pegida auch mittelfristig nicht zu befürchten haben, müssen sie also in die Ferne schweifen, um wirklich Drastisches zu erleben. Pro7 schickt Thilo Mischke also wieder „Uncovered“ dorthin, wo es wehtut. Vorigen Montag etwa in die Anbaugebiete jener Drogen, mit denen wir uns dann hier das Leben etwas schöner dröhnen. Ob es um Kick oder Erkenntnisgewinn steht, wenn der Field-Reporter halluzinogene Pilze an sich selbst ausprobiert, bleibt Spekulation. Aber er zeigt uns etwas, das im Kommerzprogramm zusehends selten ist: echtes Interesse mit Einsatz.

Heute Abend kann man selbst erleben, ob Mischke beides durchhält. Um 21.10 Uhr reist er an Orte wie Somalia oder Nordkorea, in denen normaler Urlaub eigentlich undenkbar ist. Was die ARD in jedem Fall durchhält, ist das angesprochene Dauersponsoring seines fußballerische größten Zugpferdes, indem sie ab Dienstag zur besten Sendezeit den FC Bayern in irgendwelchen Freundschaftsspielen um irgendwas mit Autos gegen irgendwelche Gegner mit Geld überträgt, was sportlich irrelevant, aber sehr lukrativ für die ist, die längst alles haben.

Zum Thema medialer Elitenförderung würde man sich gern mal ähnlich ansehnliche Dokumentationen wünschen wie jene zwei namens „Infokrieg im Netz“ und „Im Netz der Lügen“, die das Erste am Montag ab 22.45 Uhr dem aktuellen Großsujet Fake News mit politischer Stoßrichtung widmet, beide im Anschluss von „Die Eierlüge“ um das Horrorsystem der Massentierhaltung und zwei Tag vor „Die letzten Männer von Aleppo“, Mittwoch um 23 Uhr). Darin geht es um selbsterklärte Weißhelme wie Subhi oder Mahmoud, die der dänisch-syrische Film ein Jahr lang dabei begleitet hat, wie sie in der zerstörten Stadt Verletzte bergen, oft genug aber auch nur Leichen.

Fiktional, das ist die Regel jedes Sommers, gibt es dagegen eher wenig Neues zu empfehlen, weshalb der einzig unbekannte Film schon ziemlich alt ist und im Zusammenhang mit dem Arte-Sommer zur britischen Popkultur steht. Nachdem „Dark Glamour“ am Samstag um 21.55 Uhr die englische Horrorindustrie der Nachkriegsjahrzehnte beleuchtet („Aufstieg und Fall der Hammer Studios“), läuft tags drauf um 20.15 Uhr nämlich „Augen der Angst“, ein verstörender Thriller von 1960, in dem Karlheinz Böhm als mörderischer Kameramann auf der Suche nach echter Todesangst den Sisi-Kaiser vergessen machen wollte. Was ihm allerdings so gut gelang, dass er überhaupt keine Rollen mehr erhielt.

Ansonsten bleiben nur noch echte „Wiederholungen der Woche“. Donnerstagnacht ab 20.15 Uhr zeigt uns Kabel1 vom Ursprung mit Charlton Heston als Raumfahrer auf eigenem Planeten (1968) bis zur vierten Fortsetzung in fünf Jahren mit „Die Schlacht um…“ davor (3.50 Uhr) das ganze alte Spektrum des „Planet der Affen“. Schwarzweiß empfehlenswert ist am Montag (22.40 Uhr, Arte) „Deutschland im Jahre Null“. Ganze drei Jahre nach Kriegsende schildern Italien und Frankreich gemeinsam mit dem Exfeind das Schicksal der Halbweise Edmund im Bann eines überlebenden Nazis. Versöhnungskino der allerersten Stunde. Zwei Stunden früher bringt der Kulturkanal Bille Augusts oscarprämiertes Auswandererdrama „Pelle, der Eroberer“ von 1987. Und nur ein Jahr jünger ist da ein nostalgischer „Tatort“ aus der Schimanski-Reihe im WDR (Dienstag, 22.10 Uhr). In „Der Tausch“ geht es um ein verstörend aktuelles Thema: Iran, CIA, BKA und die Welt des internationalen Terrorismus.

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