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In der Höhle der Löwen

Freitags Montag In der Höhle der Löwen

Unser Medienexperte Jan Freitag blickt zurück auf Olympia, wagt wieder einen Blick in die Fernsehwoche - und wendet sich wie  gewohnt teils mit Grausen ab ...

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Digitale Boulevardisierung

Die Löwen (v.l.): Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Steiner und Jochen Schweizer.

Quelle: Vox/Frank W. Hempel

Das rosarote Sporteventjahr

So, der letzte Höhepunkt des an Höhepunkten jetzt auch nicht gerade armen Sporteventjahrs ist vorbei und damit die vorerst letzten Sommerspiele, in denen Misstöne vom, Kritik am, Randsportarten im Premium-Produkt Olympia während der Wettkampfphase sichtbar werden. Denn wenn Eurosport die Veranstaltung beider Jahreszeiten hierzulande im Auftrag des US-Unternehmens Discovery Communications für stolze 1,3 Milliarden Euro bis 2024 überträgt, dürfte der ertragsorientiert Konzern im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Grundversorgern Null Interesse daran haben, seine Ware schlechtzusenden.

Doping? Vielleicht mal im Nebensatz… Korruption? Soll es geben, womöglich, aber eigentlich nicht… Nachhaltigkeit? Ist doch alles so schön bunt hier… Politik? Read the IOC-Statute, stupid… Terror? Ist doch wohl eher derjenige ewig stänkernder Gutmenschen… Alles also ganz im Sinne des betriebsblinden Schönwetterpräsidenten Dirk Bach, dessen TV-Vermarkter OBC wie in Rio gewiss peinlich genau darauf achten wird, nur Friedfreudeeierkuchenbilder zu zeigen. Schöne neue Olympiawelt im Kommerzfernsehen.

Das uns dafür zum Beispiel Peinlichkeiten von Wolf-Dieter Poschmann bis hin zu Bely Réthy erspart, die jeden Kommentar angepeitscht von debilem Sportpatriotismus garantiert zur Folter machen. Oder den albernen Disput um Christoph Harting, der sich nach seinem Sieg im Diskurswurf erdreistete, während seiner Nationalhymne nicht in Ehrfurcht zu erstarren. Dabei war seine vermeintliche Respektlosigkeit einer der ganz wenigen Momente impulsiver Wahrhaftigkeit in der scripted reality von Rio. Man hätte ihr besonders im Fernsehen etwas weniger Dienst nach Drehbuch gewünscht.
Die Gehässigkeitskultur des Casting-Fernsehens
Ob „Factual Entertainment“ der Art von „Die Höhle der Löwen“ inszeniert oder spontan ist, wird dagegen ein ebenso großes Rätsel bleiben wie dessen anhaltander Erfolg. Dienstag jedenfalls geht das Existenzgründertribunal um 20.15 Uhr bei Vox in die 3. Staffel und wird dabei abermals weit über Senderschnitt Zuschauer anlocken, von denen man nicht recht weiß – wollen sie die Kandidaten nun scheitern oder reüssieren sehen? Tendenz: letzteres, was in der von Dieter Bohlen und Heidi Klum befeuerten Gehässigkeitskultur des Casting-Fernsehen ja schon mal durchaus der Rede wert ist.

Seit die RTL-Tochter das britische Konzept junger Start-ups, die fünf mehr oder minder prominente Investoren vor laufender Kamera von sich überzeugen wollen, importiert hat, erntet das Cover nämlich icht nur Quoten weit überm Senderschnitt, sondern ungewohnt positives Feedback im Feuilleton. Und das dürfte auch in neuer Besetzung anhalten: Statt Vural Öger bietet nun schließlich Carsten Maschmeyer mit, anstelle eines insolventen Reiseveranstalters also ein verhasster Finanzdienstleister, der ganz sicher adäquat polarisieren wird.

120 Minuten Schleichwerbung

Im Kreise der Konkurrenz darf er nun 120 Minuten Schleichwerbung pro Folge für sich und andere machen, etwa einen Klebestift mit LED-Härtung, dem saturierte Geldgeber mit Labels von e24 (Frank Thelen) bis HSE24 (Judith Williams) kostenlose Primetime-PR im stereotypen Ambiente gönnen, das für die einzige Frau der Runde natürlich nur die Rolle der „Shopping-Queen“ übrig hat, die sich (ent)kleidet, als werde sie nach der Höhe von Absätzen und Rocksaum entlohnt – aber nun: das Ganze ist auch diesmal erstaunlich unterhaltsam. Typisch Vox irgendwie.
Sehenswert: „Olympia 36“
Ansonsten wird das Olympialoch unverzüglich durchs Sommerloch ersetzt, das nur zwei Neuausstrahlungen, nun ja, bemerkenswert macht: Die neue Staffel von „Tierärztin Dr. Mertens“ , in dessen Seife sich seltsamerweise ab morgen um 20.15 Uhr im Ersten seltsamerweise auch der talentierte Ralph Herforth mit einer tragenden Nebenrolle als Zoo-Direktor legt. Scheint finanziell schon besser gelaufen zu sein, beim Fiesling vom Dienst… Zeitgleich auf Arte allerdings gibt es dann aber wirklich etwas sehr Sehenswertes: „Olympia 36“ , ein französischer Dokumentarfilm, der die erste echte PR-Orgie des Sports mit unfassbarem Material bebildert, das auch abseits vom Faschismus zeigt, wie kommerziell und professionell die Spiele schon vorm Fernsehzeitalter waren.

Mehr von Jan Freitag lesen Sie auf www.freitagsmedien.de

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