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Interview mit einem Diktator

TV-Vorschau Interview mit einem Diktator

Darf man mit dem syrischen Diktator Baschar al-Assad sprechen? Ja, sagt unser Kolumnist Jan Freitag. Selbst wenn Journalisten an der geschmeidigen Eloquenz des Bösen im 21. Jahrhundert abprallen.

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Der ARD-Journalist Thomas Anders (r.) beim Interview mit dem syrischen Diktator Baschar al-Assad.

Quelle: Sana/EPA/dpa

Seit die Medien nicht mehr als Informationsplattform, sondern zusehends als Bühne wahrgenommen werden, steht die Frage im Raum, wem man sie freiwillig überlassen darf und wem weniger. Erich Böhme etwa hielt es vor 16 Jahren für ratsam, Jörg – möge er in der Hölle braten – Haider zum „Talk im Turm“ einzuladen und wurde vom Kärntner Rechtsaußen nach allen Regeln der Redekunst vorgeführt. Dem versierten Reporter Jörg Schönenborn, vor allem aber seinem Kollegen Hubert Seipel erging es bei ihren Audienzen im Palast Wladimir Putins zuletzt kaum anders. Nun aber traf ihr ARD-Kollege Thomas Anders mit Baschar al-Assad einen echten Schurken zum Interview, was angesichts der Menschheitsverbrechen des syrischen Diktators noch deutlicher die Frage aufwirft: Darf man das? Bringt das was? Und vor allem: wem?

Antwort: Man darf, es bringt und zwar allen. Kommunikation ist wichtig, immer, wie abstrus die Kommunizierenden auch kommunizieren. Gewiss, die Herren Böhme, Seipel, Anders sind wie so viele Journalisten an der geschmeidigen Eloquenz des Bösen im 21. Jahrhundert abgeprallt. Aber was wäre die Alternative – Schweigen, Maulen, Luft anhalten? Wie gut, dass es da den Humor gibt. Mit dem schaffte es vorige Woche ein „Papagei, der als Bankangestellter arbeite“, wie sich Moderator John Oliver in seiner HBO-Show „Last Week Tonight“ nannte, Donald Trump als das zu entlarven, was der irrlichternde Brachialpopulist ist, nämlich ein irrlichternder Brachialpopulist.

Womit bewiesen wäre: dem Aberwitz unserer Tage begegnet man mit witzigem Widerspruch immer noch besser als mit Waffen und Gewalt. Ein telegenes Beispiel dafür liefert ausgerechnet Til Schweiger. Sein (leider nicht letzter, sondern nur) voriger „Tatort “ hat laut einer Studie der Medienforscher Nielsen doch nicht wie zunächst berechnet 596.375 Abrufe in der ARD-Mediathek erzielt, sondern ein Drittel weniger. Weshalb ein Fall der Ulknudeln Liefers und Prahl mit 463.351 weiterhin Rekordträger bleibt. Den Hang zu heißer Luft haben Nick Tschiller und Donald Trump offenbar gemeinsam.

Die entweicht bekanntlich auch Sat1, wenn es sein Publikum emotional zu Kasse bittet. Wenn Annette Frier mitspielt, gelingt dem Schnulzen-Sender allerdings gern etwas Gutes wie das Melodram „Zwei Leben. Eine Hoffnung“ (Dienstag, 20.15 Uhr). Thema: Organspende. Auf die wartet Frank seit Jahren, und bevor die Frage geklärt ist, welche Berliner Eltern ihr Kind 1999 wohl so genannt hätten, halten wir fest: Bis auf ein paar seltsame Namen wie den Titel des Films, ist er auch deshalb so gut, weil es mal nicht um Annette Frier als bodenständiger Fels in der kapitalistischen Brandung geht, sondern die menschliche Seite der Transplantationsökonomie ringsum. Als endlich eine Leber mit Franks seltener Blutgruppe übereinstimmt, braucht sie das Flüchtlingskind Dafina noch dringender. Zwischen kalkulierender Klinikleitung, zweckoptimistischen Eltern, zerrissenen Kindern und Frier als überforderte Chirurgin, entsteht daraus ein intensives Kammerspiel, das Regisseur Richard Huber gottlob nicht ständig in Geigenteppiche wickelt. Das eint den Regisseur mit seinem Kollegen Stefan Schaller, der das andere Großdrama der Woche verantwortet.

 In „Aus der Haut“ hat Franks Altersgenosse Milan ein Coming-Out, das sich wohltuend vom Mainstream über Homosexuelle abhebt. Die Geschichte eines Jungen, der an seiner Verwirrung zu zerbrechen droht, wird konsequent übers Umfeld erzählt, in dem Milans Bekenntnis die gesamte Vielfalt der Homophobie offenlegt. Nicht nur wegen Merlin Rose als lebensfroh verzweifelte Hauptfigur unbedingt empfehlenswert.

Und bevor alle politisch relevanten Sender den Superdoppelbundesländernamenwahlsonntag in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg ab 17.30 Uhr mit Aufmerksamkeit bedenken (die dem Weltfrauen(diens)tag trotz dreier Arte-Dokus namens „The Power of Woman“ ,  „Freiheitskampf der Kurdinnen“ und „Kriegsfotografinnen “ ab 20.15 Uhr eher nicht so zuteil wird), gibt es auch noch leichtere Kost. Die österreichische Tragikomödie  „Der Glanz des Tages“ etwa (Mittwoch, 22.35 Uhr, 3sat), wo ein Schauspieler (Philipp Hochmeier) in den Bann eines Vagabunden gerät, der alle Realitäten auf die Probe stellt. Oder die Netflix-Serie  „ Flaked ab Freitag mit Will Arnett als Selbsterfahrungsguru Chip, der sich irgendwie liebenswert im eigenen Lügengeflecht verheddert.

Die „Wiederholungen der Woche“ widmen sich zum Weltfrauentag aber doch wieder den Damen der Schöpfung. In schwarz-weiß Billy Wilders oscarprämierte Hollywoodnabelschau „Boulevard der Dämmerung“ von 1950, in dem er heute (20.15 Uhr, Arte) die Stummfilmdiva Norma Desmond (Gloria Swanson) am Übergang zum Tonkino porträtiert. Tags drauf dann darf Barbara Sukowa nochmals in Margerethe von Trottas " Rosa Luxemburg" von 1986 brillieren (22.40 Uhr, 3sat), bevor die „Doku der Woche “ (Mittwoch, 21.55 Uhr, Arte) die wohl unvergleichlich politische Philosophin Hannah Arendt porträtiert. Und ab sofort, ganz neu und wirklich gut gemeint, ein DVD-Tipp. Zum Auftakt die 1. Staffel von „Candice Renoir“ (27,99 Euro, Edel) mit Cécile Bois als alleinerziehende Kommissarin, was atmosphärisch typisch für französische Filme ungeheuer leicht ist, ohne seicht zu sein.

Jan Freitag

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