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Jedem das Seine

Freitags Montag Jedem das Seine

Manchmal, wenn die Vergangenheit der alten Medien im Zeitalter der neuen auftaucht, wird klar, was wir an ihnen hatten.

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Moderator Oli Pocher

Quelle: dpa

Helmut Fischer etwa, bekannt als „Monaco Franze“, wäre am Dienstag 90 geworden, was der „ewige Stenz“ leider nicht erleben durfte, weil er schon 1997 gestorben ist. In jenem Jahr, als der Versicherungsazubi Oliver Pocher vermutlich grad für die Zeugen Jehovas Klinken putzte, was er mal lieber weiter getan hätte anstatt der Idee zu verfallen, anspruchslose Adoleszenzverweigerer mit gehässigem Fernsehen ohne Herz und Witz zu unterhalten.

Immerhin gibt’s dafür nun die gerechte Strafe: Aus der Senkgrube billigen Entertainments ist der armseligste aller Comedians, mit denen aus Scheiße Geld gemacht wird, auf die Resterampe gescheiterter B-Promis von ProSieben gekrochen. Im blödsinnigen Regionalvergleich „Deutschland tanzt“ ist Oliver Pocher zwar immer noch nicht zum annähernd Lachen, aber wenigstens angemessen lächerlich. Bei Willy Millowitschs Kölner Bauernschwänken, die das schwarzweiße Wirtschaftswunderprogramm bis tief in die tuttifruttibunte Wendezeit geprägt hatten, war es dagegen zwar nicht umgekehrt, aber doch stets mit einem Rest an Würde versehen.

Umso trister klingt es, dass sein berühmtes Theater nach mehr als 200-jähriger Familiengeschichte nun vor der Pleite steht, nachdem der WDR die Übertragungen schon vor Jahren eingestellt hatte. Cause the times, they are a’changing… Das gilt allerdings nicht für Regenbogenblätter à la „Neue Post“, die mit Stolz verkündet, eine Buchreihe zum deutschen Adel herauszubringen. Klingt bescheuert, kennzeichnet aber ein Phänomen, das auch im Sog der neuen Medien nicht totzukriegen ist: Das generationenübergreifende Interesse an den oberen Zehntausend.

Die bebildert am Freitag übrigens auch Arte. In „Familienfest“ lädt ein berühmter Pianist (Günther Maria Halmer) seine drei Söhne nebst Anhang ins herrschaftliche Anwesen, das von Klassik und Wein, Zank und Zynismus, Standesdünkel und Kulturbeflissenheit überläuft wie es in solchen Konstellationen üblich ist. All die Oberschichtenklischees werden jedoch vom herausragenden Ensemble – allen voran Lars Eidinger als todkranker Filius, der seinem Vater vorm Sterben die Leviten liest – unterlaufen. Trotzdem ärgerlich, dass solche Konstellationen hierzulande zwanghaft in elitären Kreisen spielen.

Der gleichen Regel zufolge spielen Flüchtlingsstorys wie „Der Andere“ (heute, 20.15 Uhr, ZDF) im Bereich unterer Einkommensschichten. Zwischen Vater (Jesper Christensen) und Sohn (Milan Peschel) herrscht darin seit langem Funkstille – bis der optimistische Nama aus Mali die beiden Streithähne versöhnt und auch sonst überall für Eintracht sorgt, wo ihm Verachtung entgegenschlägt. Parallel dazu geht 3sat ins Rennen um den Zuschauerpreis für Filme der Saison, angefangen mit dem Nachkriegsdrama „Der verlorene Bruder“, morgen um 21.45 Uhr gefolgt von Ulrich Noethen als boykottierter Nazi-Jäger in „Akte General“. Mittwoch läuft die grandiose NSU-Aufarbeitung „Heute ist nicht alle Tage“, bevor tags drauf zum Abschluss der selbstreferenzielle Tukur-„Tatort: Wer bin ich“ gezeigt wird.

Damit sind wir eigentlich im Wiederholungsmodus, aber erst nach ein paar Sachfilmtipps: Heute zeigt Arte einen bemerkenswerten Themenabend zur Türkei, der bis Mitternacht drei Dokus über Erdoganismus, Terrorismus und Kemalismus enthält. Freitag um 20.15 Uhr berichtet 3sat vom verstörenden Verhältnis der Pharmaindustrie zu Patientenverbänden. Und 90 Minuten später porträtiert Arte die Elektronik-Pioniere „Tangerine Dream“. Als die Berliner Band 1967 begann, aus Geräuschen Musik machen, war Fernsehen noch schwarzweiß – und zwar nicht nur in der DDR, wo vier Jahre zuvor Wolfgang Beyers Buchenwald-Drama „Nackt unter Wölfen“ um die Rettung eines Kindes im KZ entstand (Sonntag, 23.05 Uhr, MDR).

Um Heroismus geht es auch in der farbigen Wochenwiederholung „Rambo“ (Montag, 20.15 Uhr, Kabel1), wenngleich das Pro-Kriegs-Drama 1982 eine Form militärischer Männlichkeit geprägt hat, die heutzutage als Anschauungsmaterial für alle dienen kann, die wissen wollen, wie wehrhafte Hillybilly-Rednecks nach einem Wahlsieg von Hillary Clinton wohl reagiert hätten. Wem das zu brachial ist, kann sich Dienstag um 20.15 Uhr auf SRTL ja lieber das erfolgreichste Filmmusical aller Zeiten ansehen: „Grease“ mit John Travolta, Olivia Newton-John und viel Rock’n‘Roll.

Apropos: Gleich zwei Porträts widmen sich ohne konkreten Anlass einem der erfolgreichsten deutschen Musiker: Marius Müller-Westernhagen. Mittwoch (22.15 Uhr) Kabel1, am Donnerstag (22.45 Uhr) RBB und keine Sorge, liebe Fans – Kritik wird darin nirgends laut!

Von Jan Freitag

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