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Nachrichten in Zeiten des Terrors

TV-Vorschau Nachrichten in Zeiten des Terrors

Klassische Medien, das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse einer neuen Woche mit terroristischem Ereignis, haben aus ihren Fehlern gelernt. Die Berichterstattung über den Anschlag von New York war vorwiegend angemessen, also eher nachrichtlich als reißerisch. 

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Selbst kommerzielle News-Redaktionen von Pro7 bis in die Aufmerksamkeitsstaubsauger des Internets ordneten die Attacke da ein, wo sie hingehört: In den Alltag, zu dem ein Islamist, der wahllos Menschen aus dem Leben radiert, mittlerweile nun mal gehört wie herbstliche Sturmfluten und Donald Trumps Twitter-Exzesse. Was unbedingt berichtenswert ist, muss schließlich keinesfalls sensationslüstern aufgeblasen werden.

Die „Tagesschau“ hat sich den üblichen „Brennpunkt“ also verkniffen. Auch seriöse „Tageszeitungen“ sahen von seitenlangen Analysen dessen ab, was sich zusehends von allein erklärt und überdies kaum zu verhindern ist. So blieb genügend Zeit und Muße, eine andere Art von Horror zu debattieren: Den Grusel-„Tatort“ vom vorvergangenen Sonntag. Dramaturgisch, ästhetisch, künstlerisch war der hessische Extremfall „Fürchte dich!“ zwar ungewöhnlich mysteriös, aber alles andere als außergewöhnlich gut. Deshalb fühlte sich die ARD womöglich bemüßigt, derlei Experimente fortan streng zu limitieren.

„Grenzüberschreitende“ Produktionen sollen künftig vorab gemeldet werden, damit sich ein Desaster wie der saftig missratene Improvisationsfall „Babbeldasch“ vom Februar nicht wiederholt und lieb gewonnene Sehgewohnheiten unangetastet bleiben. Der Reihenkoordinator Gebhard Henke vom WDR erklärte das klassische Ermittler-Szenario jedenfalls zur „DNA des Tatorts“. Es wird also auch weiterhin fleißig gefragt, wo Tatverdächtige denn vorgestern Abend gegen halb zehn gewesen sind.

Für Ausbrüche bleibt also auch weiterhin vor allem Felix Murot zuständig. Ab heute kriegt er allerdings Unterstützung im Internet. Dort liefert „Tatort-Plus“ sechs Kurzfilme, in denen ein biederer Pathologe mit Schnauz (Peter Trabert) im Dialog mit den Toten auf dem Seziertisch die Abgründe des Lebens erörtert. Dank Ralf Husmann (Buch und Regie) gerät „Lammerts Leichen“ dabei allerdings nicht bloß zum digitalen Spin-off der Dresdner Kommissarinnen, sondern entwickelt in aller Kürze große Wahrhaftigkeit mit viel Aberwitz. Unbedingt mal ansehen!

So wie den aberwitzig wahrhaftigsten Film dieser Woche. In „Einer nach dem anderen“ (Montag, 22.15 Uhr, ZDF) übt ein norwegischer Schneepflug-Pilot (Stellan Skarsgård) erstaunlich kreativ und sehr effektiv Rache an jenem Drogenclan, der seinen Sohn auf dem Gewissen hat. Irgendwie kein Wunder, dass so etwas aus Skandinavien stammt. Wobei man diesbezüglich die Kirche schon auch mal im Fjord lassen muss. Denn der schwedische Fünfteiler „Springflut“ mag ab Sonntag im ZDF atmosphärisch so dicht sein, wie man es auf diesem Sendeplatz aus Nordeuropa kennt. Die Aufklärung eines uralten Mordes, der sich zu einer gewaltigen Verschwörung entwickelt, ist im Kern unglaublich berechenbar und damit leicht öde. Na ja, vielleicht liegt es auch daran, dass er vom ZDF koproduziert wurde…

So richtig rasend toll sind demgegenüber zwar auch die zwei Serienempfehlungen aus der Welt des Streamings nicht; sowohl „White Famous“ als auch „The Sinner“ stechen allerdings schon deshalb aus den Importen heraus, weil man sie gut im Original sehen kann, statt in der grauslichen Synchronisation von „Springflut“. Im Sky-Format geht es ab Dienstag um den schwarzen Comedian Floyd (Jay Pharoah), dessen Erfolg beim weißen Publikum ein sehr interessantes Panoptikum sämtlicher Rassismen der amerikanischen Gesellschaft entfaltet. Im Netflix-Pendent geht es zeitgleich um eine junge Mutter, die ohne ersichtlichen Grund einen Fremden ersticht, was von einem ungewöhnlich mitfühlenden Detective bearbeitet wird.

Wem all dies zu fiktional ist, der hat zwei wirklich seltsame Alternativen aus der Welt des Live-Ereignisses zur Auswahl: Am Montag zeigt Eurosport ab 18.30 Uhr die Polo-WM, bei der man sich mal nach Herzenslust über den Jet Set amüsieren darf. Und tags drauf läuft um 23.20 Uhr „MTV unplugged“ nicht nur bei Kabel1, sondern auch noch mit einem Künstler, den man auf dieser einst lässigen Plattform wohl weniger erwartet hätte: Peter Maffay. Das Showbiz ist schon ein merkwürdiger Zirkus. Den man am besten ein paar erlesene „Wiederholungen der Woche“ entgegensetzt: Am Montag etwa um 20.15 Uhr auf One: Christian Petzolds episches Frühwerk „Die innere Sicherheit“ von 2000 mit Julia Hummer als Teenager-Tochter, die ausgerechnet auf der Flucht mit ihren RAF-Eltern erwachsen werden muss.

Zehn Jahre jünger, thematisch ganz woanders, ebenso gelungen: „The Social Network“ (Mittwoch, 22.55 Uhr, Pro7) von David Fincher mit Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg. Bisschen älter (1966), inhaltlich noch weiter weg und mal wirklich auf unvergleichliche Art, nun ja, besonders: „Die toten Augen des Dr. Dracula“ von Quentin Tarantinos großem Vorbild Mario Bava (Donnerstag, 23.25 Uhr, Arte). An gleicher Stelle dreht sich der schwarzweiße Hinweis um einen der größten Regisseure dieser Epoche: Sergei M. Eisenstein. Sein Durchhalteklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ von 1925 läuft am Mittwoch im Anschluss an den Dokumentarfilm „Die Russische Revolution und ihr Kino“ (21.45 Uhr). 64 Jahre älter ist der Tatort-Tipp mit Horst Schimanksi (Dienstag, 23.40 Uhr, WDR) und dem passenden Titel „Der Pott“. Jan Freitag

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