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Quantico: Eine Serie, schlechter als die Realität

TV-Vorschau Quantico: Eine Serie, schlechter als die Realität

Unser Kolumnist lässt in seiner TV-Vorschau diese Woche kein gutes Haar an der Serie "Quantico", bei der die Darsteller offenbar rein nach optischen Kriterien gecastet wurden. Trotzdem hat er auch wieder einige Tipps zum Einschalten dabei.

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Die ehemalige indische "Miss World" Priyanka Chopra spielt die Hautpfigur in der Serie "Quantico" - was den Schluss nahelegt, dass es beim Casting nicht unbedingt um schauspielerische Qualität ging.

Quelle: AFP

Stimmt ja, da war doch was, ein seltsames Loch im kollektiven Gedächtnis, das vom Fernsehen bisher nicht wirklich gestopft wurde. Und damit ist dieser blutrünstigen Nachrichtentage weder die „Tagesthemen“-Sprachlosigkeit des BR-Korrespondenten Wolfgang Jandl nach dem Axt-Angriff im Würzburger Regionalzug noch die Verlegung der neuen (siebten (letzten (aarrgh!))) Staffel von „Game of Thrones“ in den Sommer 2017 gemeint, sondern ein Schlagzeilenlieferant weit älteren Datums: Gladbeck, 1988 , das Geiseldrama aus Zeiten, als solch eine Horrormeldung noch nicht nach zwei, drei Tagen von der nächsten verdrängt wurde.

Damals hatten sich deutsche Medien erstmals seit dem Krieg zum integralen Bestandteil eines Schwerverbrechens gemacht, das bislang allen Ernstes unverfilmt geblieben ist. Und nachdem Phänomene wie zuletzt der NSU-Prozess mittlerweile schon mal vor deren Vollendung fiktionalisiert werden können, macht Ziegler Film aus dem tödlichen Bankraub gerade – von Täterseite aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen durchaus marketingtauglich bekämpft – einen Zweiteiler. Mit Zsá Zsá Inci Bürkle als Opfer, die angemessen schön ist fürs Gute, und Sascha A. Gersak als Täter, der adäquat schmierig ist fürs Böse.

Schlecht, aber vielerorts glaubhaft informierten Fotoanalytikern einschlägig verachteter Boulevardmedien zufolge laufen übrigens parallel dazu bereits die Dreharbeiten zu „ Merkel – Die Schicksalswahl “ (Sat1) und „ Gysi – Der Verräter “ (ZDF), beides mit Heino Ferch und Veronica Ferres in den Hauptrollen. Beides aber insofern noch nicht spruchreif, weil beide ja eigentlich ständig irgendwas mit Hitler und dessen Folgen drehen.

Von daher geben wir kurz Entwarnung: Wenn ZDFInfo seinem Namen am Mittwoch durch irgendwas mit Hitler und dessen Folgen übergerecht wird, fehlen Fer(ch)res und Fiktion völlig. Stattdessen wagt der Spartenkanal Neues mit altem Material: Sein Thementag leitet das Tagesthema Rechtsextremismus mit echten Nazis ein, um sodann deren Nachfolger mit „Neo“ davor unter die Lupe zu nehmen. Eine ebenso kluge wie pragmatische Dramaturgie. Ab 12.45 Uhr liefern Bestandsdokus mit Titeln wie „ Hitlers letzte Wunderwaffe “ die Grundlage für das, was seine Epigonen heute anrichten. Der Dreiteiler „ Die neuen Nazis “ etwa ab 18 Uhr), dazwischen das Wutbürger-Psychogramm „ Zwischen Protest und Extremismus “, gefolgt von zwei NSU-Analysen und Mo Asumangs Reportage „ Die Arier “, in der sich die farbige Journalistin ins Herz des weißen Rassenhasses begibt.

Wer einen labilen Magen hat, sollte Mittwoch also nicht von Mittag bis Mitternacht ZDFInfo sehen. Robustere Zuschauer mit genug Freizeit indes kriegen dort die volle Breitseite rechter Gesinnung von eliminatorisch bis, nun ja, auf dem Weg dorthin. Das ist ein echtes Kontrastprogramm zu dem, was Pro7 zur gleichen Primetime aus der Realität macht. Die US-Serie „ Quantico “ schildert unterhaltungsfixiert, aber spürbar um Authentizität bemüht einen Fall interner Ermittlungen beim FBI, in dem es um eine Rekrutin geht, die fälschlich für einen Terroranschlag verantwortlich gemacht wird. Das hat schon inhaltlich Mängel bis in jeden mies synchronisierten Dialog. Aber wenn sämtliche Polizisten – vor allem die indische Miss World 2000 Priyanka Chopra als Hauptfigur – einzig nach optischen Kriterien gecastet wurden, ist die 22-teilige Hatz nach der Wahrheit von Beginn an egal. Und man kann sich getrost der echten Realität zuwenden.

Etwa wenn 3sat Brasilien bis Mittwoch in den Programmfokus stellt. Begonnen mit einem atmosphärischen Montag voller Zugfahrten und Fußmärsche durchs Olympia-Land, begibt sich Julien Temples Doku „ Rio 50 Grad Celsius “ heute um 22.55 Uhr auf einen Problempfad, den das Straßenkinderporträt „ Zona Norte “ morgen (22.45 Uhr) ebenso wenig verlässt wie die Wassermangelreportage „ Ausgetrocknet “ am Mittwoch um 21 Uhr. Tags drauf folgt Maybrit Illner Sandra Maischberger in die wohlverdiente Sommerpause, wird aber wie im Winter zuvor mehr als gleichwertig ersetzt durch Dunja Hayali – die im Anschluss an ihren „ ZDFdonnerstalk “ (22.15 Uhr) gleich auch noch von Michael Kessler imitiert wird. Bei „ Kessler ist… “ wird sich also zeigen, ob die preisgekrönte Journalistin im Selbst- oder Zwiegespräch besser ist.

Und weil sich derzeit auch die besseren Sendeplätze für Spielfilmpremieren im Urlaub befinden, kommen die „ Wiederholungen der Woche “ voll zu ihrem Recht auf PR: In Serie zeigt Eins Festival ab Freitag um 20.15 Uhr abermals, wovon Kenner gar nicht genug kriegen: Braunschlag, Bernd Schalkos erschreckend wahrhaftige Provinzgroteske „ Braunschlag “. Ebenfalls in Farbe und von viel altmodischerem Charme, ist „ Der Millionenraub “ (Montag, 23.40 Uhr, MDR), eine US-Komödie mit den damals jungen Goldie Hawn und Warren Beatty als Tresorknacker, die den Direktor (Gert Fröbe) einer Hamburger Bank um eine Million Dollar aus illegalen Geschäften berauben, wofür sie deren Täter durch die knallbunte Hansestadt von 1971 verfolgen. Nicht nur was für Kiez-Nostalgiker. Weitere 40 Jahre älter ist die schwarzweiße Wiederkehr der „ Scharlachroten Kaiserin “ (Montag, 23 Uhr, Arte). Josef von Sternbergs Historienepos mit der Dietrich als Katharina die Große schert sich zwar kaum um Dramaturgie und Fakten, war dank der exzentrischen Ausstattung des Regisseurs 1934 aber ein echtes Ereignis.

Apropos. Der Dokutipp ist ein exzentrisches Ereignis sondergleichen: „ Björk !“, das Porträt der Popikone von Hannes Rossacher (Mittwoch, 21 Uhr, Eins Festival), der schon den Stones, Kraftwerk, Lindenberg und zuletzt Rammstein (in Amerika) so dicht auf die Pelle gerückt ist, das man fast glaubte, sie zu verstehen. Fast.

Mehr von Jan Freitag lesen Sie unter freitagsmedien.com

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