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Spannung abseits des runden Leders

TV-Vorschau Spannung abseits des runden Leders

Die Zeit der K.o.-Phase bei der EM ist angebrochen. Doch wer jetzt glaubt, angesichts so viel Fußballs läuft im TV entweder gar nichts oder nur Wiederholungen, der irrt sich. Unserem Kolumnisten Jan Freitag ist es erneut gelungen, etwas Abwechslung im Programm zu finden: mit Crime, Drama, Doku und Musikklassikern.

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Benedict Cumberbatch und Martin Freeman ermitteln heute in "Sherlock" auf EinsFestival.

Quelle: ARD Degeto/BBC/Hartswood Films

Nachdem die erste EM -Woche besonders durch Bilder geprägt war, bleibt die zweite eher im Ohr haften – und das nicht nur, weil Bildschirmgeräusche jeder Temperatur am Freitag auf der FilmTonArt endlich mal ausreichend gewürdigt wurden. Kurz bevor zeitgleich der Jubel des Brexit-Lagers samt Wehklagen ringsum bis München drang, gab es für Hörseher allerlei Erstaunliches zu hören. Dem isländischen Reporter des Spiels gegen Österreich etwa entlockte der Sieg seiner Landsleute Laute wie auf einer effizienten Swingerparty. Bela Réthys süffisanter Sportpatriotismus dagegen machte nicht mal vorm deutschen Schiedsrichter Halt, dem das ZDF-Fossil selbst krasse Fehlentscheidungen nationalstolz nachsah, während der sexistische Furor gegen Claudia Neumann nicht so klang, als hätte die erste Frau ein deutsches Länderspiel kommentiert, sondern gefordert, Pädophilie zum Schulfach zu machen.

Frauen im Fußball sind halt noch immer so irritierend wie Fußball auf Sat1 . Das kaum messbare Interesse an den sechs EM-Partien, die dort aufgrund der Parallelität finaler Gruppenspiele liefen, zeugen jedenfalls davon, dass der Sender mit dem Ball sportaffine Zuschauer mindestens so sehr verwirrt wie all die Dialoge hinter vorgehaltener Hand, mit denen Trainer vieler Nationalmannschaften – warum auch immer – verhindern wollen, von professionellen Lippenlesern entlarvt zu werden.

Aber auch in der Politik irritieren Frauen noch immer selbst emanzipierte Medien wie die Tagesschau . Der nämlich durften wir vor Wochenfrist entnehmen, Virginia Raggi werde Roms „erste weibliche Bürgermeisterin“. Verrückt, nach all den männlichen Bürgermeisterinnen zuvor. Es bleibt halt dabei: Die vermeintlichen Herren der Schöpfung und ein paar debil-servile Damen an ihrer kernigen Seite, wollen deren weibliche Geschlechtsgenossinnen eben nicht am Mikro sehen, sondern hinterm Herd. Damit der treusorgende Ehemann nach Feierabend was warmes auf dem Tisch hat und saubere Kinder zur Seite. Wenn die denn nicht gerade entführt, geschändet, vernachlässigt werden.

Wer Mittwoch „Aktenzeichen XY“ sieht, könnte nämlich den (falschen) Eindruck gewinnen, Gefahr drohe Minderjährigen nicht durch Autoraser mit mutiertem Y-Chromosom oder falsche Ernährung, für die immer noch mehrheitlich Trägerinnen des intakten XX-Satzes zuständig sind, sondern durch Fremde mit finsterem Blick, die womöglich jene „fünf mysteriösen Fälle“ verschwundener Kinder verantworten, denen Rudi Cerne zur besten Sendezeit auf die Spur gehen will. Das klingt löblich, nährt aber einen fatalen Trend: die Zahl kapitaler Delikte von Mord bis zur Gewalt von und an Jugendlichen befindet sich seit der Wende nahezu durchweg im Sinkflug. Telegene Panikattacken wie „XY“ jedoch sorgen unbeirrt dafür, dass die Bevölkerung mehrheitlich vom Gegenteil überzeugt ist. Gerade Kinder ziehen dabei immer. Geigen drüber, Augen auf, Quote hoch, fertig.

Immerhin ist zwischen Achtel- (bis Montag) und Viertelfinale (ab Donnerstag) gewiss, dass die Sendung auch läuft. Solang unklar ist, wer wann wo gegen wen spielt, lohn sich ansonsten nur dann ein abendlicher Tipp, wenn man auf die Sparte ausweicht. Arte zum Beispiel reist ab heute um 19.30 Uhr durch „Italien, meine Liebe“ und zeigt es – angefangen in Kalabrien – täglich eine Dreiviertelstunde von seiner wirklich apartesten Seite, ohne seifig zu werden. Etwas Ähnliches gelingt im Anschluss mit der Donau, die 3sat sechs Teile infolge von der Quelle über Eiserne Tor bis ins Delta erkundet.

Weniger idyllisch, dafür umso realer wird es um 22.45 Uhr in der ARD , wo das FilmDebüt im Ersten mit Ester Amramis Erstlingswerk Anderswo um eine Israelin in Berlin auf der Suche nach ihrer Identität. Noch realer, dazu nicht fiktional ist die kompromisslose Dokumentation „Florence Fight Club“ , mit der EinsFestival am Mittwoch um 15 Uhr dem Calcio Storico auf den Grund geht, einer regellosen Form des Fußball, die einmal jährlich ihr bisweilen blutiges Welttreffen Treffen in Florenz feiert. Und tags drauf zeigt Arte das furiose Finale der dänischen Serie „Die Erbschaft“. Macht große Lust auf die zweite Staffel…

Bis dahin muss man sich in fußballgesättigter Zeit mit den „Wiederholungen der Woche“ begnügen. In Farbe wären das zwei gänzlich verschiedene Filme zweier Epochen: Montag auf EinsFestival (20.15 Uhr) „Ein Fall für Pink“ , Benedict Cumberbatchs erster Fall als „Sherlock“ (Holmes) von 2010, mit der die Dominanz des Fernsehens übers Kino zementiert wurde. Aus der Blüte des Kinos stammt hingegen der morgige Musikklassiker „Flashdance“ auf SuperRTL mit der schönen Jennifer Beals als tanzende Schweißerin von 1982. What a Feeling! Das auch die schwarzweißen Tipps entfachen: Der rasante Kriegsthriller „Saboteure“ (Montag, 20.15 Uhr, Arte ) etwa, mit dem Alfred Hitchcocks 1942 sein Markenzeichen der Suspense begründete. Und danach beim MDR (22.05 Uhr), ein Klassiker politischer Unterwanderung im Unrechtsstaat: „Spur der Steine“ mit Manfred Krug als renitenter Brigadier Balla von 1966 mit anschließender Dokumentation zum Film.

Mehr von Jan Freitag lesen Sie unter www.freitagsmedien.com

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