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TV-Woche 1 nach Trump

Freitags Montag TV-Woche 1 nach Trump

Die US-Wahl ist gelaufen, das Fernsehen kann sich wieder anderen Themen widmen. Wie wäre es mit der 1000. Folge von "Akte" oder der "Illusion von Profanität mit Scheinplebejern"? Unser Kolumnist Jan Freitag hat das Passende parat.

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Ulrich Meyer und "sein bemerkenswert alterungsresistentes Gesicht" (r.) werden "Akte" nach 1000 Folgen an Claus Strunz übergeben.

Quelle: obs/SAT.1

Das also war die Woche, in der ein ungewöhnlicher Freak mit maximaler Außenwirkung alle Medienkanäle durchlief. Ein Sonderfall unserer überhitzten Aufmerksamkeitsindustrie, der es trotz allen Unsinns seiner Thesen zu einer Aufmerksamkeit bringt, die sich Argumente vergebens wünschen. Ach ja, und es war natürlich auch die Woche von Donald Trump, der gleich nach dem absurden Auftritt einer Muslima namens Illis bei Anne Will die Schlagzeilen dominierte – wenngleich ein paar Tage länger und globaler als die vollverschleierte Schweizerin, der ein latent islamophober Boulevard flugs den Kampfnamen Niqab-Nora gab.

Aus der Kanalisation menschlicher Vernunftbegabung folgt uns die irre IS-Apologetin von gestern ebenso wie der kaum weniger zurechnungsfähige US-Präsident von morgen in die anbrechende Woche, was die dritte Topnews der vergangenen Medientage fast untergehen ließ: bei Pietro und Sarah Lombardi, so vermeldeten verlässliche Quellen aus dem direkten Umfeld des Pentagon, geht womöglich doch noch was, was selbstredend überhaupt nichts mit einer gezielten PR-Strategie zur Markenaufwertung dieser zwei seltsamen Gossippressegewächse zu tun hätte, Gott bewahre.

Und dann wäre da natürlich noch die Sache mit Ulrich Meyer. Nach gut 1000 Folgen Akte wird ihr Moderator die kleine Skandalsause auf Sat1, der er 21 Jahre lang sein bemerkenswert alterungsresistentes Gesicht lieh, an Claus Strunz übergeben, so wurde nun bekannt. Viel weniger Blut, Schweiß und Tränen dürfte das Format indes auch unter der Leitung des früheren BamS-Chefs kaum absondern. Mit Scheinintellektuellen die Illusion von Seriosität zu erzeugen, das war schließlich schon immer eine Kernkompetenz des ehemaligen Kanzlersenders.

Wer umgekehrt die Illusion von Profanität mit Scheinplebejern mag, sollte zwingend am Sonnabend um 20.15 Uhr das Erste einschalten. Dort nämlich beackert der Großintellektuelle des deutschen Fernsehfilms – Dominik Graf – das Feld größtmöglicher Massentauglichkeit – den Krimi – mal wieder auf herausragende Art und Weise. Wie bereits Im Angesicht des Verbrechens macht der Regisseur nach Rolf Basedows brillanten Buch seine Lieblingsdarsteller Ronald Zehrfeld, Ulrike C. Tscharre und Arved Birnbaum zu Bullen, die abermals in Osteuropa unterwegs sind, diesmal jedoch als Zielfahnder auf der Suche nach einem Haftflüchtling in dessen rumänischer Heimat.

Weil ein Adliger noch immer Privilegien genießt, geht es dabei von der 1. bis zur 112. statt wie branchenüblich bloß 90. Minute hochspannend zu, ohne je effekthascherisch zu sein. Grund dafür ist Grafs Marotte, fast schon ein Manierismus, Wichtiges in Zappelschnitten abzuhandeln, während Alexander Fischerkoesens Kamera oft minutenlang auf scheinbar Beiläufigem verharrt. Wenn der Regisseur zum Beispiel die Schilderung des Gesuchten und all der Begleitumstände seiner Flucht in rasender Abfolge übereinanderschichtet, hängt das Bild oft förmlich fest, falls landestypisch geheiratet oder die Ziege gemolken wird.

Diese Unwucht zugunsten der Charakterzeichnung sorgt erneut dafür, dass ein Graf-Film bis ins verstörende Finale nahezu jede Konvention bricht und damit meist mehr Fragen stellt als Antworten gibt. Anspruchsvoller kann Fernsehen kaum sein. Und Krimi schon gar nicht. Um es in dieser Anschlusswoche des orchestrierten Wahnsinns schnell zu machen, wären hier noch die Tipps zum Ablenken von allem, was Menschen mit Empathie und Intelligenz verzweifeln lässt und nein, damit ist nicht die Bambi-Verleihung am Donnerstag live im Ersten gemeint: Ab heute um 22.10 Uhr zeigt Vox die achtteilige Erfolgsserie Humans aus England über eine parallele Gegenwart, in der Maschinen das Leben und auch sonst alles dominieren.

Stärkerer Tobak ist der ARD-Mittwochsfilm Ein Teil von uns, in dem Brigitte Hobmeier als Tochter einer obdachlosen Mutter schon deshalb zu Hochform auflaufen kann, weil die Eskalationsspirale endlich mal nicht unter reichen Leuten spielt. Im Anschluss zeigt Arte ein liebevoll aufbereitetes Porträt des Enfant terribles der Nachkriegszeitliteratur Truman Capote, gefolgt von jenem Biopic, das Philip Seymour Hoffman vor zehn Jahren den Oscar einbrachte. Und Freitag drauf, ebenfalls im Ersten, darf Bjarne Mädel in Wer aufgibt ist tot brillieren, einer morbiden Version von Und täglich grüßt das Murmeltier. Und dann wären noch folgende Wiederholungen der Woche: Schwarzweiß heute Abend um 22 Uhr im BR: May Spils‘ unerreichte Slackerkomödie Zur Sache Schätzchen von 1967 mit Uschi Glas in ihrer vielleicht einzig anspruchsvollen Rolle an der Seite des liebenswerten Schwabinger Soziopathen Martin (Werner Enke). Parallel dazu auf Arte in Farbe und pünktlich zum 2. Teil im Februar: Trainspotting, Danny Boyles Drogenmilieustudie mit Ewan McGregor in seiner ersten großen Rolle. Und der Dokutipp: Pulverfass Türkei (Mittwoch, 20.15 Uhr, ZDF Info), die präzise Analyse unseres Verhältnisses zu Erdogans Reich nach dem Putsch.

Mehr von Jan Freitag lesen Sie unter www.freitagsmedien.com

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