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Zwölf Affen gegen Rio

TV-Vorschau Zwölf Affen gegen Rio

Es gibt nicht viel für unseren Kolumnisten Jan Freitag zu besprechen für die Fernsehwoche, denn Olympia nimmt viel Sendezeit in Beschlag. Abwechslung vom Sport sollte man auf jeden Fall nicht bei der misslungenen Serie "12 Monkeys" suchen.

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Die Serie "12 Monkeys" hat Philosophie, Humor und Scharfsinn aus dem Original-Film von 1995 entfernt und ist nicht zu empfehlen.

Quelle: RTL Nitro

Die Tage des Terrors sind ein dauernder Stresstest der Informationsgesellschaft. Wegen einer online verbreiteten Falschmeldung etwa, in München seien drei Männer mit Langwaffen auf der Flucht, räumte nicht nur das Erste sein Abendprogramm für die schleichende Erkenntnis, dem Rattenrennen sozialer Netzwerke doch ein wenig ungefiltert zu folgen. Und nach Nizza, Ankara, Würzburg, Ansbach schossen die Spekulationen dann weiter so wild durch den virtuellen Raum, dass seriöse Nachrichtenbändiger heillos überfordert waren, sie zu sortieren.

Was also tun – abwarten und weiter Tierdokus zeigen wie im Jahr 2001, als die ARD vom brennenden Twintower zurück auf die unterbrochene Tierdoku schaltete, während RTL lückenlos aus New York berichtete? Oder auf die Gefahr hin, auch mal ins Leere zu senden, „Tagesschau“ und „heute“ lieber gnadenlos durchziehen als seriöse Stimmen im multimedialen Dauerfeuer untergehen zu lassen? Die Hektik der Weltlage macht es zusehends kompliziert, das richtige Maß zu finden…

Allerdings auch, wenn die Geschwindigkeit gegen Null geht wie beim lausigen Gefälligkeitsinterview, das Sigmund Gottlieb dem türkischen Dekret-Herrscher Recep Tayyip Erdoğan gewährte. Mies vorbereitet, seltsam radebrechen, dauernd defensiv, schlagfertig wie ein Sandsack und ohne jeden Drang zum Nachhaken, also durchweg huldvoll ergeben, gesellt sich der CSU-nahe BR-Chefredakteur damit zu einer Reihe Kollegen, die ihrerseits an despotischen Hardlinern gescheitert sind: von Jörg Haider (Erich Böhme) über Mahmud Ahmadinedschad (Claus Kleber) und Wladimir Putin (Jörg Schönenborn) bis Baschir al-Assad (Thomas Aders).

Wie man windige Gestalten ganz ohne Gesichtsverlust knackt, zeigte die ARD zuletzt, als ihre Doku Inside IOC dessen Präsident dicht auf den Pelz rückte. In den klugen Interviews wurde Thomas Bach gar nicht recht bewusst, wie sehr er sich als Pate einer profitablen Vetternwirtschaft entlarvt. Trotzdem geht es diese Woche in Rio natürlich mit fröhlichem Elan, erstaunlich vielen Russen, Myriaden fieser Mücken, erschreckend routinierter Terrorgefahr und einer öffentlich-rechtlichen Berichterstattung los, die zum vorerst letzten Mal fast rund um die Uhr erfolgen darf. Und wird.

Sportlich starten die Spiele schon Mittwoch mit Fußball, bevor die Eröffnungsfeier am Freitag zur Geisterstunde (Wiederholung 9.05 Uhr) dann 170 Stunden Live-Bilder mit maximalem Pomp einleitet – wegen der Zeitverschiebung vorwiegend zu nachtschlafender Zeit, ringsum flankiert vom soziokulturellen Begleitkonzert, das den Finger gern in die Wunde eines olympiafeindlichen Umfeldes legen möchte. Und wird? Weil man das Premiumprodukt Olympia nicht zu sehr stören will, läuft die wichtige ARD-Doku „Wie Olympia und Co. die Gastgeber knebeln“ mit respektvollem Abstand schon heute (22.45 Uhr), während es tags drauf an Arte ist, die Schattenseiten solcher Megaevents mit einem Themenabend zu skizzieren. Kritik der übertragenden Sender zur Primetime? Ach komm‘, schauen wir lieber Bogenschießen…

Oder jene Teile des Restprogramms, die ein bisschen von Rio ablenken. Was RTL am Freitag mit „100 kurioseste Olympia-Momente“ noch themennah versucht, misslingt dem Ableger Nitro am Mittwoch Uhr mit beklagenswerter Routine: Um 22.55 Uhr opfert das hochglänzende Serienspinoff „12 Monkeys“ von Philosophie über Humor bis Scharfsinn wirklich alles, was Terry Gilliams Dystopie 1995 zur SciFi-Legende gemacht hat. Mit Aaron Stanford als Bruce Willis surft die Zeitreise zum Ursprung eines menschheitsvernichtenden Virus so sehr an der Oberfläche, dass man glatt in die Realität des ZDF-Spätfilms „Alki Alki“ vorm Vortag zeitreisen möchte.

Auch Axel Ranischs Auftakt der Nachwuchsfilmreihe „Shootingstars“ spielt zwar in einer trostlosen Umgebung; doch die Parabel auf Freundschaft im Dunste des Alkohols mit einer hinreißenden Christina Große im Klammergriff zwischen ihrem Mann und dessen Saufkumpan, ist vermutlich von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltsamer als alle 23 bisherigen Folgen von „12 Monkeys“ zusammen. Ähnliches dürfte für den „Spieler mit der Nummer 5“ (Mittwoch, 21.50 Uhr, Arte) gelten, die internationale Koproduktion über einen argentinischen Ex-Profi und seinen Versuch, nach dem Fußball mit sich klar zu kommen. Gefolgt wird er von einem Dreiteiler über „Die wilden Zwanziger“ im Berlin der goldenen Zwischenkriegsjahre.

Unterhaltung mit Relevanz zur Perfektion getrieben, haben hingegen die „Wiederholungen der Woche“ . Zum Beispiel „Scarface“ , Howard Hawks‘ Urversion schonungsloser Mafia-Fiktionen mit Paul Muni als zeitlos lässiger Al Capone von 1932 (heute, 21.55 Uhr, Arte).

Oder in Farbe: „Der Clou“ mit Robert Redford und Paul Newmann als Kleinganoven, die ungefähr zur gleichen Zeit einen Großganoven in Chicago hinters Licht führen, wofür es 1973 gleich sieben Oscars gab.

Und zwei Sachfilmtipps noch zum Schluss: Am Freitag um 19.30 Uhr beleuchtet ZDFinfo nochmals ausgiebig Ursache und Wirkung der AfD, während sich 3sat Samstagabend ab 20.15 Uhr vier Stunden lang live auf dem Wacken-Festival 2016 rumtreibt. Faster, Harder, Louder!

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