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Alles Porno, oder was?

Tatort-Blitzkritik Nr. 250 „Hardcore“ (München) Alles Porno, oder was?

So viele Spuren gibt es selten: Sperma von Dutzenden Männern im Planschbecken am Tatort und im Magen der Toten. Dazu sind alle gefilmt worden, ohne Hose, aber mit Gesichtsmaske. Der „Tatort: Hardcore“ aus München ist nichts für prüde Gemüter – ein schmieriges Sittengemälde.

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Der Traum von der heilen Familie zerplatzt am Ende gleich mehrfach. Stella Harms bricht ihr Versprechen, nie wieder Pornos zu drehen – weil sie süchtig ist nach dem romantikfreien Sex vor der Kamera. Ihr Mann Markus gibt sich als Mörder von Stellas Freundin Marie zu erkennen – weil er geglaubt hatte, dass sie seine Gattin zum Pornodreh überredet. Die Lebenslüge fällt in sich zusammen. „Wir wollten doch was anderes“, sagt er verzweifelt. „Du wolltest was anderes“, entgegnet sie. Die Illusion einer moralisch einwandfreien Musterehe endet für die junge Mutter zwischen nackten Männern am Dreh und für den Ehemann als Mörder im Gefängnis.

Dieser Münchner Krimi ist vielschichtig inszeniert. Am Ende versinken auch fast alle anderen beteiligten Männer in Verzweiflung: Zwei Sexfilmer, durch kostenlose Internetkonkurrenz ohnehin in Not geraten, bekämpfen sich gegenseitig bis zum Scheitern. Ein zwischendurch Hauptverdächtiger verletzt sich stümperhaft beim Versuch, das Rohmaterial eines Pornos zu klauen, auf dem er zu sehen ist. Maries Vater, der als Staatsanwalt auch der Vorgesetzte der Münchner Kommissare ist, sieht seinen Ruf zerschellen. Schauspielerisch hochwertig ist sein Zusammenbruch (gespielt von Götz Schulte), als er im Verhörzimmer gestehen muss, dass er alle Filme seiner Tochter hat aufkaufen wollen: „Ich wollte sie doch nur in Würde unter die Erde bringen“, wimmert der kurz zuvor noch so schneidige Staatsanwalt.

Und die Kommissare? Batic und Leitmayr sind gewohnt unterhaltsam, sie stapfen staunend durch die glitzernde und miefige Pornowelt und rätseln über Fachbegriffe wie BJ, ATM und Bukkake, die aber auch hier nicht ausführlich erklärt werden sollen. Ihr Assistent Kalli (Ferdinand Hofer) ist die eigentliche Überraschung: Er wandelt sich vom Laufburschen zum Matchwinner der Ermittlung. Wenn die beiden ergrauten Altstars in Rente müssen, ist er als Nachfolger eine gute Option.

Von Lars Fetköter

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