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Auf den Hund gekommen

Tatort-Blitzkritik Nr. 212, Die Kunst des Krieges (Wien), 4. September 2016 Auf den Hund gekommen

Das Schöne am Wiener Tatort ist, dass man sich immer auf das Ermittlerduo freuen kann, egal, ob die Handlung nun spannend oder langweilig, das Drehbuch überzeugend oder eher unrealistisch ist...

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Eine Kritik von Christian Risch.

Diesmal passt auch das. „Die Kunst des Krieges“ ist zwar kein ausgefeiltes Stück Krimi mit lauter verblüffenden und atemberaubenden Wendungen, aber solide gemacht und mit viel Witz, Wiener Schmäh und skurrilen Einfällen. Zum Beispiel, dass Moritz Eisner auf den Hund kommt.

Der Schocker kommt gleich am Anfang: Eine Leiche mit abgeschnittener Zunge und abgehackten Händen: Der brutale Mord an einem Schleuser führt Moritz Eisner und Bibi Fellner in die organisierte Kriminalität, hier geht es um Menschenhandel und Schleuderkriminalität. Und darum, dass Flüchtlinge als Prostituierte oder superbillige Abeistkräfte für drei Euro die Stunde ausgebeutet werden, ein ganz aktuelles Thema in Östereich wie in Deutschland.

Seit er am Tatort war, hat Moritz Eisner einen kleinen Terrier an den Hacken, den er erst ganz widerwillig mitnimmt, der ihm aber später ans Herz wächst, er nennt ihn liebevoll „Percy“. Bei den Ermittlungen trifft Bibi einen alten Spezi, den Zuhälter Andy Mittermeier (super gespielt von Michael Fuith), der für die Tatzeit ein Alibi hat, weil "zwa Hosn" (zwei Hasen) bei ihm waren - und der auch sonst allen Klischeevorstellungen von einer Milieugröße bestens entspricht.

Mittermeier ist der Böse, der das lukrative Geschäft mit den Schleusungen übernehmen will, das ist schnell klar. Wie Eisner und Fellner ihm dann die Morde nachweisen, ist etwas langatmig geraten und wenig überraschend. Mittermeier liefert mit seinen pseudophilosophischen Sprüchen von der „Kunst des Krieges“ ein schönes Zerrbild, er vergiftet "Percy" und fast auch sein Herrchen. Und als Eisner im Krankenhaus liegt, taucht Mittermeier wie der Leibhaftige im Dunkeln auf. Der sonst so wunderbar grantelnde und mit seiner oft chaotischen Kollegin schimpfende Eisner wird von Bibi am Krankenbett getröstet, sie halten sogar Händchen, wenns drauf ankommt.

Der Showdown auf dem Hochhausdach, na ja, da wollte der Regisseur wohl noch etwas klassische Spannungszutat hineingeben, bis das Blut spritzt. Am Ende kommt Moritz schon wieder auf den Hund, einen neuen. Eisner und Fellner bleiben sehenswert.

Eine Kritik von Christian Risch

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