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Tatort-Blitzkritik Nr. 195: "Du gehörst mir" (Ludwigshafen) Aufgerieben

Bereitet da jemand seinen Abschied vor? In "Du gehörst mir" muss Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) gleich an mehreren Fronten kämpfen. Das ist sehr anstrengend für die dienstälteste Tatort-Ermittlerin. Und mitunter auch für den TV-Gucker.

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Dabei erzählt sich die Handlung recht flüssig: Junge Tänzerin liegt nach einer brutalen Vergewaltigung im Koma, die beiden mutmaßlichen Täter werden umgebracht, es gibt drei Hauptverdächtige. Endlich mal wieder ein simpler und gut strukturierter Plot, den Drehbuchautor Jürgen Werner (Erfinder des Tatort-Teams aus Dortmund) da geschrieben hat.

Dazu spielt Regisseur Roland Suso Richter mit den Möglichkeiten des Handy-Videos - als zweiter Bildebene zum eigentlichen Handlungsablauf. Vor allem aber als Rückblende. Die Sterbende erwacht zum Leben, bekommt eine Stimme, eine Seele.

Bunte Bilder im sonst so grauen Ludwigshafener Alltag. Und sowohl die fröhliche Tochter Marie (Elisa Afie Agbaglah) als auch die trauernde Mutter Birte Rainders (Sandra Nedeleff) überzeugen mit der eindringlichen Darstellung ihrer Rollen.
Das kann leider nicht von allen Figuren behauptet werden. Der Gebrauchtwagenhändler beklagt schlecht laufende Geschäfte, fährt aber einen neuen Porsche - und vergisst vor lauter Mundart das Schauspielen. Die Bodybuilder sind tätowiert, lassen sich von blonden Mädels bedienen und handeln natürlich mit anabolen Steroiden. Der Rapper hat herausnehmbare Goldzähne, ein riesiges Basecap und nennt sich "El Macho".

Weiteres Ärgernis: Johanna Stern (Lisa Bitter) vom LKA entpuppt sich immer mehr als oberlehrerhafte Zicke, die nicht teamfähig scheint. Schade, die forsche Nachwuchskraft hätte eigentlich das Potenzial, den mittlerweile doch sehr eingefahrenen Ermittler-Laden um Odenthal, Kopper, Keller und Becker mit ihrer erfrischenden Art wieder in Schwung zu bringen.
Der fehlt vor allem der Kriminalhauptkommissarin. Streitsüchtig, dünnhäutig, gehetzt und fahrig reibt sie sich an Fall und Kollegen auf, macht Fehler, Vorwürfe und befindet sich weiterhin in der Selbstfindungsphase. Das kostet allein beim Zusehen Kraft und erfordert schon gar keine Fortsetzung.

Oder gibt es die vielleicht bald gar nicht mehr? Am Ende leistet Odenthal eine Art Sterbehilfe, danach rennt sie vergeblich dem davontuckernden Kopper hinterher. Was bleibt, sind drei verwaiste Kaffeebecher. Wie symbolhaft.Christopher Steckkönig

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