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Berührend - aber nicht spannend

Tatort-Blitzkritik Nr. 101: „Angezählt“ Berührend - aber nicht spannend

Im Wiener Tatort ist vieles von vornherein klar, der Rest ist vorhersehbar. Trotzdem gelingt den Filmemachern ein packender Streifen. Verantwortlich dafür ist Ermittlerin Bibi Fellner (Adele Neuhaus), in deren Figur die Fäden des Films zusammenlaufen.

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Was kann ein Tatort bieten, bei dem die Tat offen vor den Augen der Zuschauer abläuft? Manche Autoren ziehen Spannung aus der kleinteiligen Ermittlungsarbeit, manche setzen auf ein Psychogramm des Täters.

Der Wiener Tatort konzentriert sich dagegen diesmal auf ein Porträt der Kommissarin Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Sie ist die Hauptfigur, wir sind mit ihr bei der Therapeutin, begleiten die robuste Ermittlerin mit dem Herz am rechten Fleck durchs Wiener Rotlichtmilieu, erleben ihre Träume, ihre Sehnsucht nach Geborgenheit. Und Neuhauser füllt die Rolle, trägt den Film mühelos.

Die deprimierende Szenerie des Mädchenhandels - Bibi Fellner: So was nenne ich nicht Prostituierte, so was nenne ich Sklavin - ist die harte Kulisse für das Stück. Und die Fragen, die Fellner aufwirft, sei es die Frage nach der Rolle der Verantwortung oder nach dem Umgang mit Schuld und Vergebung, sind große Themen, über die es sich immer wieder lohnt, Gedanken zu machen - oder Filme zu drehen.

Anrührend, wie Fellner und Kollege Eisner (Harald Krassnitzer) sich des Zwölfjährigen annehmen, der Mörder ist, aber kein Täter, sondern Verführter. Und dass die verprügelte Bibi am Ende ihren Vater im Heim besucht, ihn, dem früher gerne die Hand abrutschte und dem sie bisher nicht verzeihen konnte, rundet die Geschichte zwar ab, war aber vorhersehbar.

Nein, spannend war der Tatort nicht, sehenswert schon. Und doch hätte ein weiterer Verzicht dem Film gut getan: Der Verzicht auf drastische Bilder verbrannter Haut und auf die brutale Prügelszene am Ende.  Der Zuschauer hatte Bibi Fellner schon vorher am Boden und wieder aufstehen gesehen - im übertragenen Sinne. In Szenen, die stärker waren als die, in der die Kommissarin Blut spuckt.

Nick Vogler

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