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Borowski vergrault seine Kollegin

Tatort-Blitzkritik Nr. 245 „Borowski und das Fest des Nordens“ (Kiel), 18. Juni 2017 Borowski vergrault seine Kollegin

Was ist nur aus Borowski geworden? Er säuft, er verkämpft sich im Gezänk mit seiner Kollegin, er tänzelt mit einer Kellnerin auf den Schultern durch die Festmeile der Kieler Woche. Dieser „Tatort“ macht schlechte Laune. Vor allem, weil er viel zu viele Fragen offen lässt.

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Eine Kritik von Lars Fetköter.

Mišel Maticevic spielt den psychisch labilen Affektmörder Roman Eggers wahnsinnig gut. Aber über die Hintergründe seiner Taten und die Struktur seines nur angedeuteten Doppellebens schweigt sich der Film weitgehend aus. Er liebt seine Kinder, Frauen finden ihn attraktiv, ansonsten bleibt dieser Mann ein großes Rätsel. Seine Rettungstat für den vom Feuertod bedrohten Borowski bleibt ebenfalls unerklärt.

Die Spannungen zwischen Borowski (Axel Milberg) und seiner Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) nehmen dramatisch zu – aber auch das wird nicht plausibel. Immerhin haben die beiden ungleichen Figuren sich zu Anfang ihrer 14 gemeinsamen „Tatort“-Krimis gut ergänzt und sind eigentlich ein spannendes Ermittlerpaar gewesen. Bei der Frage, wie nach dem Verdächtigen zu fahnden sei, hintergeht sie ihn sogar, wahrscheinlich weil Borowski sich ihr gegenüber zunehmend wie ein grober Klotz benimmt.

Die Drehbuchvorlage stammt vom 2015 verstorbenen Bestsellerautor Henning Mankell, der ja Spezialist für düstere und brutale Verbrechensszenarien ist. Aber dass die Geschichte derart zerfasert, darf man nicht dem toten Schriftsteller anlasten, sondern muss dafür den Drehbuch-Vollender Markus Busch und Regisseur Jan Bonny in Haftung nehmen. Stark, aber äußerst brutal ist die sechsminütige Szene, in der Eggers und sein Gläubiger (mit Baby auf dem Arm) in eine Spirale zunehmender seelischer und körperlicher Verletzung geraten: ein roher Streit bis aufs Blut, auf Leben und Tod. Dieser „Tatort“ hebt irgendwie darauf ab, ob Männer und Frauen vielleicht gar nicht miteinander können. Die Antwort bleibt im Nebel.

Auch sonst hinterlässt der düstere Krimi viele Fragezeichen. Zu viele. Zum Beispiel dieses: Was sagt eigentlich die Landeshauptstadt dazu, dass eines ihrer Aushängeschilder (der „Tatort“) ein anderes (die „Kieler Woche“) so schauderhaft ins Bild rückt? Dort wird auch nur gesoffen und gegrölt – was wiederum zu Borowski passt. Dass Kommissarin Brandt entsetzt das Weite sucht und in der nächsten Folge nur noch in Gestalt ihres Versetzungsgesuches auftritt, ist nur zu verständlich.

Von Lars Fetköter

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