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Die Psychologin war's - man hätte es wissen können

Tatort-Blitzkritik Nummer 248, „Zwei Leben“ (Luzern) Die Psychologin war's - man hätte es wissen können

Den Ruf, nicht unbedingt die große Action abzuliefern, werden die Tatort-Kommissare aus Luzern wohl so schnell nicht los. Aber immerhin: Das Drehbuch von „zwei Leben“ hielt einige Überraschungen und eine spannende Grundidee bereit. 

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Ein Opfer, das eigentlich schon seit Jahren tot ist und den Tsunamie von 2004 nutzte, um unterzutauchen; ein Busfahrer, dem der vermeintlich Lebensmüde vor das Fahrzeug springt und der dadurch psychisch zusammenbricht; am Ende ein Täter, mit dem man am wenigsten gerechnet hat – was allerdings gute „Tatort“-Tradition ist und somit ein wenig von der Spannung nimmt. Die Psychologin war's - man hätte es wissen können.

Ein gelungener Krimi also? Fast. Neben grandiosen schauspielerischen Leistungen (Michael Neuenschander als Busfahrer Beni, Saskia Vesper als Witwe Conti, Stephanie Japp als Psychologin oder - wenn auch nur in einer ständigen Nebenrolle - Fabienne Hadorn als Gerichtsmedizinerin) wetteifern vor allem Stefan Gubser als Kommissar Flückiger und Jean-Pierre Cornu als Polizeichef um den Titel des größten Langweilers. (Das Rennen macht übrigens erneut Cornu mit gut einer Länge Vorsprung, wie jedes mal beim Luzern-Tatort.) Will man es positiv sehen, könnte man sagen, die beiden demonstrieren die gemütliche Schweizer Gemütsruhe vortrefflich. Man kann aber sagen, dass das einfach dröge wirkt. Das kommt der Sache näher.

Flückiger immerhin bleibt es vorbehalten, die beiden bedeutungsschwersten Sätze dieser 90 Minuten sagen zu dürfen. „Lass uns den einen finden, der ihn etwas mehr umbringen wollte als die anderen“, raunzt er bedeutungsschwer seiner Kollegin zu. Das klingt gut, aber wie man am Ende weiß, begibt er sich damit zunächst auf die falsche Fährte. Und Flückiger gehört auch der Schlusssatz: „Mut ist manchmal pure Unwissenheit“, sagt er zu seiner Freundin, als er mit dem Koffer vor ihrer Tür steht. Man hätte es nicht treffender sagen können.

Uwe Nesemann

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