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James Böndchen schießt und jammert

Tatort-Blitzkritik Nr. 189 „Der große Schmerz“ (Hamburg), 1. Januar 2016 James Böndchen schießt und jammert

Spannend ist er ja, der dritte Schweiger-Tatort. Unterhaltsam und gut gedreht ist er auch. Aber „Der große Schmerz“ ist auch eine Ego-Show von Til Schweiger, die mit großem Tamtam als Hamburger James-Bond-Verschnitt inszeniert wird.

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Hamburg. Das Melodram: Nick Tschiller kann seine niedergeschossene (und fast schon zurückgewonnene) Frau nicht retten, obwohl er sie doch persönlich in die Notaufnahme trägt.

Das Rache-Epos: Natürlich denkt niemand an Tschillers durch zwei Schiffsdecks gepurzelten Erzfeind Firat Astan (Erdal Yildiz), der sich schwer verletzt wieder aus den Trümmern räkelt und damit auch in Folge vier („Fegefeuer“, Sonntag, 20.15) die Blofeld-Rolle einnehmen darf.

Das Action-Feuerwerk: Waterboarding, Nasenbruch, Schlag- und Schusswechsel mit zwei Mafia-Clans, die er beinah im Alleingang überwältigt – Tschiller pfeift auf Dienstvorschriften und Political Correctness, ist aber nicht so gut ausgerüstet wie 007. (Was ist eigentlich aus der Bazooka geworden, die er sich besorgt hat?)

Die Selbstbefreiung in letzter Minute: Die deutlichste James-Bond-Anlehnung ist die Flucht aus der Folterkammer. Wie Daniel Craig in „Spectre“ vom fiesen Gehirn-Bohrer seines Gegenspielers angesteuert wird, kreischt Tschillers Arm eine Kreissäge entgegen – doch er vertrimmt seine Entführer und kommt rechtzeitig zum Showdown mit Blofeld-Astan.

Den ganzen Tatort lang spielt Schweiger, wie er immer spielt: mal lässig, mal jammerlappig („Ich hab's verbockt“), immer nuschelnd. Ein Hamburger James Böndchen. An die undeutliche Sprechweise schließen sich seine Kollegen an, vor allem Tschillers Partner Yalcin Gümer (schwächer als in den ersten beiden Schweigers: Fahri Yardim). Warum sind die Dialoge so schlecht zu verstehen?

Noch ein Wort zu Helene Fischer, neben Luna Schweiger die zweite Person, die wegen ihres Namens und nicht wegen ihrer Schauspielkunst dabei ist. Als eiskalte russische Killerin macht sie ihre Sache erstaunlich gut. Atemlos durch die Neujahrsnacht: Klar, der Spannungsbogen verlangt auch das Ansehen des vierten Teils und wahrscheinlich auch den Kinobesuch für Part V im Februar. Noch zwei Gelegenheiten zu zeigen, ob Nick Tschillers Abgang eine schmerzende Lücke in die Riege der Tatort-Ermittler reißt.

Von Lars Fetköter

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