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Knapper Sieg im Daten-Puzzle

Tatort-Blitzkritik Nr. 100: „Gegen den Kopf“ (Berlin) Knapper Sieg im Daten-Puzzle

Akribische Polizeiarbeit überführt den Täter: Das klingt nach Schwarzbrot. Aber was die Berliner Kommissare in diesem Tatort von Stephan Wagner (Buch und Regie) abliefern, ist feine Krimikost. „Gegen den Kopf“ ist ein dichtes Kammerspiel, intensiv gespielt und mit einem hohen Spannungsgrad - obwohl die Frage nach den Tätern einer brutalen U-Bahn-Schlägerei mit Todesfolge für den Zuschauer eigentlich nach fünf Minuten beantwortet ist.

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Berührend - aber nicht spannend

Berlin. Akribische Polizeiarbeit überführt den Täter: Das klingt nach Schwarzbrot. Aber was die Berliner Kommissare in diesem Tatort von Stephan Wagner (Buch und Regie) abliefern, ist feine Krimikost. „Gegen den Kopf“ ist ein dichtes Kammerspiel, intensiv gespielt und mit einem hohen Spannungsgrad - obwohl die Frage nach den Tätern einer brutalen U-Bahn-Schlägerei mit Todesfolge für den Zuschauer eigentlich nach fünf Minuten beantwortet ist.

Es ist ja schon einmal erfrischend, wenn nicht sechs Verdächtige der Reihe nach auftauchen und kurz vor Schluss der siebte endlich der Mörder ist. Dieser Krimi fesselt durch das zähe Ringen um die Beweise. Handy- und Kameradaten rund um den Tatort-Bahnhof werden ausgewertet, der Hergang minutiös rekonstruiert. Immer wieder Rückschläge: Das Opfer ist an einem Herzinfarkt gestorben. Ein glaubwürdiger Zeuge sagt, das Opfer habe zuerst zugeschlagen. Die üblen Schläger sind auf einmal ganz schüchtern und sogar sympathisch. Die Recherche wird ausgeweitet, mehr Zeugen befragt, die Stunden vor der Tat akribisch rekonstruiert. Ein mühsames Puzzle. Am Ende gibt es einen knappen Sieg für das Gute. Der Fall ist gelöst, die 90 Minuten sind gut investierte Fernsehzeit.

Verschweigen wir nicht diverse Ungereimtheiten: Die Tatsache, dass die zwei halbstarken Täter (die beide ganz stark gespielt werden) ohne Handy unterwegs sind, ist abwegig. Erst kurz vor Schluss richten die Ermittler die Frage darauf, mit wem das Opfer kurz vor (und eben auch während!) der Tat telefoniert hat. Der Streber im Ermittlerteam heißt Schott und hält nicht dicht, sondern ist in Wahrheit das Leck zur Boulevardpresse. Nur knapp entgeht der Tatort der Versuchung, den Zeigefinger angesichts der datensammelwütigen Behörden allzu hoch zu erheben.

Aber ein paar Perlen wiegen diese Schwächen wieder auf: Dass SEK rückt im Tarnwagen als Klempner-Gang an, irrt sich in der Wohnung und überwältigt ein putziges Rentnerpaar im Bett. Als sie dann ein Stockwerk höher den Hauptverdächtigen fassen wollen, ist der nicht etwa auf der Flucht sondern: in der Berufsschule. Das Beste aber ist die Lagerkollerszenerie des Ermittlerteams: Die Nerven bei Stark und Ritter, ihren Chefs und ihren Untergebenen, liegen nachvollziehbar blank. Die Action spielt sich im Kopf ab, in den Augen der Akteure, in den Blickduellen im Verhörraum. Stark.

Von Lars Fetköter

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