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Mit der Panzerfaust durchs Schiebedach

Tatort-Blitzkritik Nr. 190, "Fegefeuer", 3. Januar 2016 Mit der Panzerfaust durchs Schiebedach

Der vierte Schweiger-"Tatort" ist der stärkste: 90 Minuten Nervenkitzel zur besten Sendezeit. Klar, es ist ein bisschen viel Tschiller-macht-sie-alle-im-Alleingang-nass und nicht ganz so viel Logik, aber "Fegefeuer" ist vor allem packende Krimikost im Kinoformat.

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Hamburg. Okay, jetzt wissen wir, warum das Erste die Til-Schweiger-Doppelfolge verschoben hat: Der Überfall angeblich tschetschenischer Islamisten auf Judith Rakers und das Tagesschau-Studio, das wäre kurz nach den Terroranschlägen von Paris sehr heftig gewesen. Und wir wissen auch, was Nick Tschiller mit der Bazooka vorhatte, die er in "Der große Schmerz" beschafft hat: In einer Sporttasche schleppt er sie auf seiner Flucht/Jagd mit sich herum, um sich - lässig durchs Schiebedach - den Weg freizuschießen.

"Du bist genau wie er", kreischt ihn seine Tochter an, sie meint Tschiller und seinen Gegenspieler, den kurdischen Gangsterboss Astan (herrlich grimmig: Erdal Yildiz). Das deckt sich mit Nick Tschillers Selbsteinschätzung: Als sein wieder mal herrlich erfrischender Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) ihm noch in Teil drei ein "Wir sind doch die Guten!"  zuruft, nuschelt er nur: "Ich nicht mehr." Genau wie er: Astan rettet seinem Feind und Entführer Nick, als der mit einem anderen Fiesling dann doch nicht fertig und beinah erdrosselt wird, sogar das Leben. Und dann menschelt es mächtig zwischen Tschiller und dem Mörder seiner Frau. Alles nur Fake: Astan legt Tschiller wieder rein, sticht ihn mit einer halben Schere nieder und und flieht. Eine Kehrtwende jagt die nächste… mit packendem Finale im Nahverkehrszug von Sprötze nach Hamburg-Hauptbahnhof.

Zur heimlichen Hauptfigur wird Ines Kallwey (Britta Hammelstein), die ein Upgrade vom Mauerblümchen zur strategischen und Retterin von Tschiller und ganz Hamburg erfährt und mit viel Schneid dem koksenden Innensenator das Handwerk legt, der den Hafen an böse Russen verscherbeln wollte.

360 Minuten Til-Schweiger-"Tatort" sind vorüber, und wenn es um den Spannungsgehalt geht, ist Nick Tschiller weit vorn in der ewigen Ermittler-Tabelle. Den Spitzenplatz hat er bei der Zahl der selbst getöteten Schurken, er ist der einzige, der zwei Handys erschossen hat, eher im Mittelfeld liegt er bei der Originalität der Stories. Unterm Strich dürfen Schweiger und die "Tatort"-Fans trotzdem zufrieden sein: Das Unterhaltungsniveau liegt deutlich über Schnitt. Das ist die Hauptaufgabe dieser Krimi-Reihe. Vor allem "Fegefeuer" war klasse. Nun geht es ab 4. Februar im Kino weiter - sicherlich noch weniger zimperlich.

 Von Lars Fetköter

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