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Odenthal by night

Tatort-Blitzkritik Nr. 186: LU Odenthal by night

Im "Tatort" aus Ludwigshafen glänzen nur die Stadt, Jürgen Vogel und Ingrid van Bergen.

Ludwigshafen. Der "Tatort: LU"  hatte neben den beiden Kommissar-Darstellern Ulrike Folkerts und Andreas Hoppe drei Protagonisten, die prominent in Szene gesetzt wurden. Zum einen die Stadt Ludwigshafen. Der Titel der Folge, "LU", war ja nicht nur wegen des Vornamens des Hauptverdächtigen in diesem etwas wirren Mordgeschehen gewählt worden. "LU" ist auch das Autokennzeichen der Stadt. Die Filmbilder zeigen eine Metropole voller postmoderner Architektur: Die Rheinbrücken und die aus der Luft gefilmten Autobahntrassen sehen nach großer weiter Welt aus, die Anlagen der Badischen Anilin- und Sodafabrik nach multinationalem Konzern, die Innenstadt scheint ausschließlich aus Einkaufspalästen und anderen Konsumzonen der Wohlstandsära – 1970er, 1980er Jahre? – zu bestehen. Einer der zentralen Orte, das ehemalige Kaufhaus, das der Volksmund Tortenschachtel nannte, wurde übrigens nach den Dreharbeiten abgerissen. Besonders die Nachtaufnahmen zeigen eine Stadt, die glitzert und nie ruht. Fast wie New York. Und mittendrin Lena Odenthal by night. Dass auch der Altkanzler-Standort Oggersheim zu diesem Gemeinwesen zählt, ahnt man nicht.

Die zweite bedeutende Erscheinung im "Tatort: LU" ist natürlich der Schauspieler Jürgen Vogel als ehemaliger Geldeintreiber Lu Wolf. Vogel ist als zwielichtiger Kerl unbezahlbar. Seine Figur strahlt eine äußerst gefährliche Gelassenheit aus, das "Halunke"-Tattoo auf dem Unterarm war eigentlich überflüssig. Der Flirt des Mannes mit der Kommissarin ist eine schauspielerische Sternminute, weil Sentimentalität und Sinnlichkeit mitvibrieren. Vogel kreuzt zum dritten Mal den Weg der "Tatort"-Ermittler aus Ludwigshafen - und zum letzten Mal, wenn man den Lu-Leichnam in Frieden ruhen lässt.

Zuletzt noch eine Beigabe für Zuschauer mit Sinn für Antiquitäten: Ingrid van Bergen als emeritierte Puffmutter Charlotte. Die 85 Jahre alte Diva zeigt ihre Runzeln so selbstbewusst wie Jürgen Vogel sein Lückengebiss. Dass diese Schauspielerin in prähistorischen Zeiten (1977) ihren jungen Geliebten erschoss, das macht ihre "Tatort"-Präsenz prickelnd-pikant.

Ohne diese Extras wäre "Tatort: LU" ein eher ärgerliches Fernsehspiel geworden. Was sollen die grobkörnigen Schwarz-Weiß-Bilder? Dramatik vorgaukeln? Warum diese alberne Konkurrenz zwischen Old School (Odenthal/Kopper) und New School (Frau Stern)? Dass das altgediente "Tatort"-Personal vom digital vernetzten Profiler-Nachwuchs bedrängt wird, wurde bereits in vielen Krimis durchdekliniert. Nebenbei: Old School ist eindeutig unterhaltsamer.

Zuletzt: Die Handlung ließ sich nur schwer ertragen. Dass bei einem hohen Konzern-Manager wie jenem mit einem Doktortitel veredeltem Mark Moss ständig der Ganove durchbricht, ist unglaubwürdig. Solche Herrenmenschen machen sich die Hände nicht schmutzig, sie lassen ballern und morden.

Michael Berger

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