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Rollentausch in Wien

Tatort-Blitzkritik Nr. 228: „Schock“ (Wien) Rollentausch in Wien

Man lässt es ja gerne ein wenig menscheln in den „Tatort“-Krimis unserer Tage. Mehr oder weniger tiefe Einblicke in das Seelenleben der Kommissare und ihre bisweilen schadhafte Einstellung zum Leben an sich und den eigenen Problemen im Besonderen sind an der Tagesordnung.

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Wien. Bisweilen, so meint man, mehr als nötig. Aber manchmal kommt eben auch so etwas wie ein Geistesblitz dabei heraus, ein Aha-Erlebnis der eher hoffnungsfrohen Art - auch wenn es in Wahrheit um tieftraurige Randnotizen unserer eigenen Wahrheit geht.

Was auffällt, ist zunächst einmal dies: Oberstleutnant Moritz Eisner und Majorin Bibi Fellner (wann wird man sich an diese Dienstgradbezeichnungen wohl endlich gewöhnen?) haben die Rollen getauscht. Der wie immer unrasierte Harald Krasnitzer übernimmt diesmal den Part des von beruflichen und privaten Problemen überrollten Ermittlers, Adele Neuhauser den der souveränen Kriminalistin. (Dass Hubert Kramar in der Rolle ihres Vorgesetzten Major Rauter auch diesmal nicht recht mithalten kann, ist nur in hübsche Randnotiz. Schwamm drüber.) Der Rollentausch zwischen Eisner und Fellner ist nicht ungefährlich und hätte in die Hose gehen können – ist er aber nicht, was man sowohl dem Drehbuch als auch den Darstellern als Pluspunkt gutschreiben darf.

Zumal auch die Handlung als solche eher ein Seiltanz ist, der Zuschauer schwankt zwischen Bewunderung und Kopfschütteln. Werden unsere kommenden Akademiker wirklich schon im Studium verbrannt, müssen sie wirklich schon an den Unis lernen, Ellbogen einzusetzen und Rücksichtslosigkeit gegen sich und andere zum Maß aller Dinge zu machen? Andererseits: Muss ein TV-Krimi sich wirklich immer haarklein an der Realität entlanghangeln?

Unterm Strich sammeln die Wiener aber dann doch wieder soviel Pluspunkte, dass auch ein grenzwertiger Stoff wie „Schock“ in der Tatort-Statistik in der Kategorie „gelungen“ landet. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es Aaron Karl gelingt, die Rolle des zum Elternmord bereiten David Frank so überzeugend zu spielen. So war es am Ende tatsächlich ein „Tatort“ der besseren Art – auch wenn man am Ende gar nicht so genau weiß, warum eigentlich.

Uwe Nesemann

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