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Solo für eine Mörderin

Tatort-Blitzkritik Nr. 252 „Tatort: Zurück ans Licht“ (Bremen) Solo für eine Mörderin

Solo für eine Mörderin Der „Tatort: Zurück ans Licht“ aus Bremen bietet mehr als das Psychogramm einer neurotischen Blenderin (22. Oktober 2017) Ein intensives menschliches Drama wollte Regisseur Florian Baxmeyer in seinem „Tatort“ mit dem Titel „Zurück ans Licht“ inszenieren. Und das ist ihm auch gelungen – zum Preis einer einspurig erzählten Geschichte.

Bremen.  Fast eineinhalb Stunden lang baut Baxmeyer eine Person als mögliche Täterin auf: Maria Voss heißt sie, sie wird als ehrgeizig und schmerzfrei dargestellt von Nadeshda Brennicke. Die Schauspielerin, bekannt geworden als historische Hamburger Gangsterfrau Gisela Werler in „Banklady“ (2013), bringt das Kunststück fertig, ihre Figur im Laufe der Handlung immer unsympathischer erscheinen zu lassen: mit affektiertem Business-Geschwafel, eisernem Wiederauferstehungswillen – sie sollte nach einem Unfall eigentlich nie wieder gehen können, fährt jetzt aber auf Rollerblades durch die Nacht –, mit der Stimme einer Pornodarstellerin und aufgespritzten Lippen.

Ladendiebin und Sexarbeiterin ist sie auch noch. Diese Frau wird so zentral als mögliche Täterin vorgestellt – es geht um den Mord an einem Pharmaunternehmer –, dass man als geübter „Tatort“-Zuschauer fast sicher ist, dass jemand ganz anderes aus dem sozialen Umfeld des Opfers dem Mann das Leben genommen, ihn in eine Kiste gepackt und in der Weser versenkt haben muss. Die Bremer Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) bleibt fast nur die Rolle von Stichwortgebern der raumgreifenden Maria Voss, auch wenn diese letztlich als Blenderin und tragisch Gescheiterte enttarnt wird.

Das einzig Substanzielle, was am Schluss von dem tatkräftigen Karrieremenschen übrigbleibt: Sie war es doch, die den Mord begangen hat – die Hauptverdächtige, wie im richtigen Leben. Eine Kapriole der Geschichte wirkt allerdings sehr konstruiert: dass Stedefreund in einem schwachen Moment der Frau verfällt, die er bei seiner Observation als berechnende Taktikerin kennengelernt hat. Dass der „Tatort: Zurück ans Licht“ aber nicht als eindimensionales Psychogramm und Solo einer hochneurotischen Person im Gedächtnis bleibt, ist einer Nebenhandlung zu verdanken: dem Beziehungs-Pingpong des romantisch unterversorgten Kommissars Stedefreund und seiner BKA-Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram).

Die beiden liefern mehr als die „Tatort“-typischen Privatscharmützel der Ermittler. Immerhin bietet eine ihrer Duell-Szenen dem fabelhaften Oliver Mommsen die Gelegenheit, sich in ungezwungener Nacktheit zu zeigen. Wie sie sich ständig sinnlich verfehlen, erotisch missverstehen und am Schluss trotz deutlich spürbarer Anziehungskräfte trennen, erscheint dann als größte Tragödie in diesem Drama. Und Nina Simone singt dazu mit gequälter Soul-Stimme „Ain’t Got No Home“. Michael Berger

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