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Spannender Stillstand

„Tatort“-Blitzkritik Nr. 247: „Stau“ Spannender Stillstand

Dieser Stuttgarter „Tatort“ ist so ganz anders als alles, was wir bisher aus diesem Format kennen. Keine brutalen Gewaltszenen, keine Jagd auf den Mörder, kein Gezicke zwischen den Kommissaren, was viele für ein unverzichtbares Stilmittel halten. Stattdessen Stillstand statt Action.

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 Kann das trotzdem spannend sein? Ja, auf jeden Fall, wenn man es so macht wie Regisseur und Drehbuch-Autor Dietrich Brüggemann. Bei seiner „Tatort“-Premiere setzt er auf genaueste Beobachtungen und darauf, dass sich die Zuschauer in die Situationen bestens hineinversetzen können, weil alle das aus ihrem Alltag kennen. Menschen, die unter Zeitdruck stehen, aber zum Stillstand verdammt sind.

Dieser „Tatort“ kommt mit nur zwei Schauplätzen aus: Dem Ort, wo das Mädchen angefahren und tödlich verletzt wurde, und dem Stau auf der Stuttgarter Weinsteige, auch im echten Leben eine Staufalle. Klingt wenig, reicht aber bei dieser Form des Erzählens völlig aus. Auch die Kommissare treten bei ihren Ermittlungen im Stau auf der Stelle, das passt wunderbar. Ein toller Einfall am Anfang ist auch, die Stimmung in den Autos über die Musik zu transportieren. Witzig, wie sich drei Wartende in einem Transporter treffen, um gemeinsam einen Joint zu rauchen und Kommissar Lannert ihnen empfiehlt, mal zu lüften – oder auch die völlig abseitigen Telefonate, die Bootz immer führen muss.

Am Ende steigert sich der Frust der im Stau Gefangenen, es gibt Tumulte, und selbst die Verkehrspolizisten beginnen zu verzweifeln und werden laut. Auch die Auflösung im allerletzten Moment ist absolut stimmig.

Dieser Stuttgarter „Tatort“ ist ungewöhnlich – und ungewöhnlich gut. Bitte mehr davon.

 

Christian Risch

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