Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Spannendes Spiel mit der Geschichte

Tatort-Blitzkritik Nr. 251 "Der rote Schatten" (Stuttgart) Spannendes Spiel mit der Geschichte

Ein Krimi wie aus dem Lehrbuch - aus dem Geschichtslehrbuch. Sozusagen Pflichtlektüre, passend zum 40. Jahrestag der Todesnacht von Stammheim, der Landshut-Entführung und dem Mord an Hanns Martin Schleyer und daher eher schwere Kost. Aber trotzdem spannend - und bildend.

Voriger Artikel
Alles Porno, oder was?
Nächster Artikel
Solo für eine Mörderin

Es zerrt an den Nerven, wenn aufrichtige Kommissare wie Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) an die Grenzen der Ermittlung stoßen. Wenn ein Staatsanwalt die Hand auf die Akten legt, im Hintergrund undurchsichtig Strippen gezogen werden. Dass die kühle, schöne Staatsanwältin Emilia Álvarez (am Anfang nackt im Bild, warum nur?) sich trotz Anweisung von oben nur halb in den Weg stellt, lässt das Team die Herzen der Zuschauer mal wieder erobern. Gut und böse scheinen sich klar voneinander zu trennen.

Allerdings bleibt da noch die Kategorie "undurchsichtig". Und in diesem Karton wird im Stuttgart-Tatort einiges transportiert. Wie war sie wirklich, die Todesnacht von Stammheim, warum sind so viele Details ungeklärt? Wer deckelte in der Wirklichkeit die Aufklärung und warum? Die geschichtsträchtigen Ereignissen rund um die Verbrechen und das Ende der RAF-Terroristen in den 70er Jahren holt Regisseur Dominik Graf mit einem fiktiven Mord in die Jetztzeit.

Ungewöhnlich für einen Tatort: Graf scheut sich nicht, Zeitdokumente zu zeigen. Und er scheut sich nicht, Schnipsel in den Film einzubauen, die wie Dokumentationen wirken. Damit verwischen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Schon gibt es Stimmen im Netz, die diesem Tatort Geschichtsklitterung vorwerfen. Das allerdings zu unrecht: Der Tatort bleibt trotz des geschichtlichen Ansatzes ein Sonntagabend-Krimi. Da sind Kunstgriffe erlaubt. Dem Zuschauer fällt es trotzdem manchmal schwer, all den Denkansätzen und langwierigen Ausführungen zu folgen und dabei die Handlung nicht aus den Augen zu verlieren.

Es bleibt vieles unklar in Stuttgart, so wie in der echten Geschichte. Wenn es Ziel der Tatortmacher war, das zu zeigen: Hut ab, Mission erfüllt!

Von Nick Vogler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Alle „Tatort“-Teams im Überblick

Ein Überblick über die „Tatort“-Teams der ARD