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Spannung und Stullen aus der Tupperdose

Tatort-Blitzkritik Nr. 205: „Narben“ aus Köln, 1.5.2016 Spannung und Stullen aus der Tupperdose

Seit 20 Jahren ermitteln Freddy und Max in Köln, aber von Abnutzungserscheinungen gibt es keine Spur, findet unser Autor. Der Tatort "Narben" punktet mit starkem Drehbuch, guten Darstellern und Regie - und einem brandaktuellen Bezug.

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Eine Kritik von Christian Risch.

Die Liste der Kölner Tatorte ist lang. „Narben“ ist schon der 66. Fall, den Max Ballauf und Freddy Schenk gemeinsam lösen. Im nächsten Jahr haben sie 20. „Hochzeitstag“, die beiden Kommissare, die sich beim Observieren die Stullen aus der Tupperdose teilen wie ein vertrautes Ehepaar. Rührend. Aber von Abnutzungserscheinungen keine Spur. Auch diesmal ermitteln sich Max und Freddy durch eine spannende Story, was natürlich maßgeblich auch mit dem starken Drehbuch von Rainer Butt, der Regie von Torsten C. Fischer und den vielen guten Darstellern zu tun hat.

Wer hat ihn ermordet, den Klinikarzt, der aus dem Kongo geflüchtet ist? War es eine Beziehungstat? Ein rassistischer Hintergrund? Oder steckt gar ein Polizist dahinter? Am Anfang des Tatorts wird uns eine Vielzahl von möglichen Motive geboten. Die Story ist fesselnd, erst nach und nach lassen sich die Teile des Puzzles zusammenfügen, wissen wir, was wirklich hinter dem Mord steckt.

Der blutige Konflikt im Kongo spielt plötzlich mitten in Deutschland, Opfer und Täter begegnen sich im Flüchtlingsheim, danach beginnt ein Wettlauf, wer zuerst bei Cecile Mulolo (sehr gut gespielt von Thelma Buabeng), der traumatisierten Zeugin der Gewalttaten, sein wird. Die Narben, nicht nur die auf der Haut, schmerzen noch immer. Für die Ärztin Sabine Schmuck und Krankenschwester Angelika Meyer (sehr gut gespielt von Julia Jäger und Laura Tonke) bricht eine Welt zusammen, als sie erfahren, dass sie in bester Absicht einem Menschen geholfen haben, der Gewalt und Folter auf dem Gewissen hat. Und am Ende, welche bittere Ironie des Schicksals, muss Max der traumatisierten Cecile noch ins Bein schießen, damit sie nicht ihren Peiniger ermordet.

Insgesamt ein spannender, eindrucksvoller Tatort mit brandaktuellem Bezug. So kann es mit Max und Freddy noch lange weitergehen.

 

Christian Risch

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