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Untote in der Spuk-Immobilie

Tatort-Blitzkritik Nr. 253 „Fürchte dich“ (Frankfurt am Main) Untote in der Spuk-Immobilie

Gäbe es die Auszeichnung für den blödsinnigsten „Tatort“ der Saison, sie wäre vergeben: an die Folge aus Frankfurt am Main mit dem Titel „Fürchte dich“. Der Tatort aus Frankfurt am Main biedert sich völlig humorlos bei billigen Horrorfilmen an.

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Frankfurt.  Regisseur und Drehbuchautor Andy Fetscher, der vor zehn Jahren mit Horrorfilmen ins Kinogeschäft gestartet ist, hat versucht, diese Gattung mit dem Sonntagabendkrimi zu verschmelzen und hat sich dabei – mit Verlaub – lächerlich gemacht.

Ein mysteriöser Todesfall in den 1950er Jahren, nach dem ein Kind spurlos verschwand, wird nach dem Skelettfund auf einem Dachboden neu aufgerollt, die Handlung wird mit allerhand Gespenster- und Schreckensbildern garniert. Das Schlimme dabei ist: Der Regisseur erzählt seine Spukgeschichte ohne jede Ironie. Jörg Himstedt, zuständiger Redakteur beim Hessischen Rundfunk, bestätigt: „Wir mussten einen Weg finden, den klassischen Ermittler-,Tatort‘ mit dem Genre des Horrorfilms zu verbinden und beide Genres dabei ernst zu nehmen. Ein Hybrid-,Tatort‘ sozusagen.“

Die beiden renommierten Ermittler-Darsteller Margarita Broich und Wolfram Koch sind dabei heillos unterfordert. Auch, weil die eigentliche Hauptrolle die Villa einnimmt, in der Kommissar Brix (Koch) vor einiger Zeit untergekommen ist. Es ist ein Horrorhaus und selbstverständlich alt. Da knarren die Dielen, die Scheiben klirren, der Keller gähnt, eine Untote mit schlechten Zähnen geht um, die Stromversorgung hat die Aufgabe, in dramatischen Momenten auszufallen, draußen blitzt und donnert es.

Das alleinstehende Gemäuer könnte in jeder Edgar-Wallace-Klamotte mitwirken. Nebelschwaden in Innenräumen gab es vermutlich seit den Durbridge-Straßenfegern der 1960er Jahre nicht mehr. Sie passen allerdings zur ehemaligen Peter-Zadek-Schauspielerin Zazie de Paris, der neben der Rolle der zaubergläubigen Hauseigentümerin auch noch die der Gelegenheitshexe mit Schreckensfratze zufällt.

Dass es da eine tragische Hintergrundgeschichte von Kindesmissbrauch gibt – in der Nebelvilla war einmal ein Waisenheim untergebracht –, und dass es da noch eine Bruder-Totschlag gibt, rettet das Unternehmen „Fürchte dich“ leider nicht. Und auch die Jugendliche Merle (Luise Befort), die Brix bei den Ermittlungen nicht von der Seite weicht, frischt den altbackenen Horror nicht auf. Wenn zum Schluss die Kommissarin und Psychologin Janneke (Broich) raunt: „Nichts ist mehr so wie zuvor“, dann kann man das nur auf die Spuk-Immobilie beziehen: Sie findet ein flammendes Ende.

Michael Berger

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