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Verschnupft gegen das Elend der Welt

Tatort-Blitzkritik Nr. 246 „Virus“ (Wien) Verschnupft gegen das Elend der Welt

Die Ermittler in Österreich haben mit gewaltigen Problemen zu kämpfen: Ein Mord, schwierige Integration von Flüchtlingen, Ebola. Das Schlimmste aber ist offenbar eine kommende Erkältung von Kommissarin Fellner. Hatschi!

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Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) kommen nach wie vor nicht so recht miteinander klar. Das ist in Tatort-Ermittlerkonstellationen nix Neues und so recht versteht man auch nicht, warum die Bibi so grantelt. Meistens meint es der Eisner doch wirklich gut mit ihr. Naja, vielleicht nervt sie auch gerade das. Aber will ein Tatortzuschauer sich darüber wirklich am ersten Tatortsonntagabend der neuen Saison Gedanken machen? Der Blitzkritiker atmet da jedenfalls schon schwer, gibt dem Streifen aber noch eine weitere Chance.

Der Ansatz scheint ja Potenzial zu haben: Die (immer noch aktuelle) Frage: „Wie geht eine Gemeinde mit Flüchtlingen um?“ war ja allein schon Grundlage für etliche Krimis zuvor. Nun kommt ein Katastrophenszenario hinzu, das Angst machen kann und zudem sämtliche Ermittlungen behindert. Der Widerstreit, in den die Seuchenschutzbeamten und die Kommissare geraten, ist tatsächlich spannend. Wer hat mehr Recht: Diejenigen, die drastische Maßnahmen umsetzen, um eine Ausbreitung einer gefährlichen Krankheit zu verhindern? Oder die, die trotzdem im gefährlichen Umfeld ermitteln? Überfordert scheinen jedenfalls alle, ein realistisches Bild, wenn man sich irgendeinen beliebigen Beamtenapparat in solch einer Situation vorstellt.

Alles, was Spannung verspricht, erstickt aber leider in der stark gedrechselten Handlung. Die Dialoge wirken gestelzt, es fehlt nur noch, dass vor jeder Pointe im Untertitel das Wort „Pointe“ eingeblendet wird. Wie Eltern, die glauben, sie könnten sich bei der Pflege des fiebernden Kindes nicht anstecken, glauben sich Fellner und Eisner darüber erhaben, sich mit Ebola infizieren zu können. Bibis aufkeimende Erkältung ist im Grunde genommen die größte Beeinträchtigung, die man sich überhaupt vorstellen kann. Das kann jeder, der schon mal erkältet war, zwar nachvollziehen – im Film erscheint das im Angesicht weltbewegender Entwicklungen allerdings ein wenig albern. Mal sehen, ob der Faden mit den Kommissaren in Quarantäne in der nächsten Folge wieder aufgenommen wird. Vielleicht haben die Wiener Tatortmacher noch eine echte Pointe im Gepäck. Für den Auftakttatort der Saison 2017/18 wäre allerdings auch das dann einfach zu spät.

Nick Vogler

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