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Verunsicherte Versicherer

Tatort-Blitzkritik Nr. 255: „Auge um Auge“ Verunsicherte Versicherer

Kein Slapstick, kein Klamauk, dafür Spannung und viele beeindruckende Szenen: Der vierte „Tatort“ aus Dresden ist ein gelungener Krimi nach klassischen Vorbildern – bis hin zum nächtlichen Showdown. 

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Die Gegensätze sind gut geschildert: Hier die eiskalten Manager des Versicherungskonzerns in ihrem Glaspalast, die Kunden um ihre Ansprüche prellen und intern ein Klima der Verunsicherung und der Angst unter den Mitarbeitern schaffen, dort die verzweifelten Opfer und ihre Helferin. „Hier, wo die Wut hingehört, steht keiner. Die Leute stehen an der falschen Stelle“, sagt Martina Scheuring, die, wie sich am Ende herausstellt, Oberfiesling Heiko Gebhardt vom Hochhausdach aus in seinem Büro erschossen hat. Ihr Satz spielt an auf die Pegida-Demonstrationen gegen Flüchtlinge in Dresden. Auch in der Kontroverse um einen alten Computer geht es um die Flüchtlings-Thematik. Kommissarin Henni Sieland schenkt das Gerät einer Flüchtlingsfamilie und zieht sich damit den geballten Zorn ihres Chefs auf sich. Als der dann hilflos auf einem „Computer der neuesten Generation“ herumhackt, blafft er einen jungen Kollegen an: „Die taugt bei Menschen ja auch nichts.“ Hier prallen Welten aufeinander.

Doch trotz dieser Kontroverse: Die Ermittler sind ein homogenes Team und ein großes Plus dieses Tatorts. Die impulsive Henni Sieland (Alwara Höfels) und die vermittelnde Karin Gorniak (Karin Hanczewski) bilden ein starkes Duo, das immer besser zusammenwächst. Wer sagt, dass es zwischen Kommissaren immer Konkurrenz geben muss? Es geht auch freundschaftlich. Und ihr altbackener und etwas schrulliger Chef Peter Michael Schnabel, toll gespielt von Martin Brambach, passt irgendwie auch dazu, sorgt sich um „seine Mädels“, als es am Ende brenzlig wird.

Drehbuchautor Ralf Husmann hatte Spaß an der Idee, „Verunsicherung in einer Versicherung“ zu zeigen. Es ist ihm gut gelungen. Christian Risch

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