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Viel gewagt, alles gewonnen

„Tatort“-Blitzkritik Nr. 191: „Rebecca“ (Konstanz) Viel gewagt, alles gewonnen

Riskant, riskant: Mit „Rebecca“ greift der „Tatort“ ein Thema auf, dass jedem unter die Haut geht. Solch ein Ritt auf der Rasierklinge endet bekanntermaßen nicht selten im dramaturgischen Desaster. Diesmal aber nicht: Der vorletzte Beitrag aus Konstanz gehört im Gegenteil mit zum Besten, was die ARD uns auf diesem Sendeplatz je präsentiert hat.

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Konstanz. Mulmig wird es dem Zuschauer, und gleich in den ersten Szenen schafft sich der Reflex, wegsehen zu wollen, Raum. Das ist schwere Kost, keine Frage, und es wird auch schnell deutlich, dass es wenig zu Lachen geben wird in den kommenden 90 Minuten.

Der Plot: Junge Mädchen werden entführt, gefangen gehalten, gedemütigt und misshandelt, und dabei einer so grundlegenden Gehirnwäsche unterzogen, dass sie jeden Bezug zum richtigen Leben verlieren. Und wenn sie nicht „funktionieren“, werden sie einfach getötet. Das erinnert zumindest im Kern an den Fall Kampusch in Österreich und befreit die Autoren vom Vorwurf, sie hätten völlig überdreht und den Bezug zur Realität verloren. So etwas gibt es nicht? Doch – so etwas gibt es, leider.

Trotzdem hätte das alles ins Auge gehen können, hätte nicht eine ganze Reihe von wirklich überdurchschnittlich gute Darstellern ihr Bestes gegeben. Vorneweg Sebastian Bezzel, der als Kommissar Perlmann erneut seine „Chefin“ Eva Matthes an die Wand spielt, dazu die noch ziemlich unbekannte Gro Swantje Kohlhof, die als Rebecca den schwersten Part zu schultern hatte. Und – vielleicht noch sensationeller – Klaus Manchen, der den abartig kranken Haupttäter so facettenreich und abgebrüht spielte, dass man mit offenem Mund vor dem Fernseher saß.

Die Bilanz: Autor Marco Wiersch hat viel gewagt, aber dank toller Schauspieler und überzeugender Regie (Umut Dag) am Ende alles gewonnen. Da schmerzt es umso mehr, sich demnächst von der Konstanzer Tatort-Crew verabschieden zu müssen, die die Latte für ihre Nachfolger nun noch einmal ordentlich hoch gelegt hat. Wie sagt Rebecca im allerletzten Satz dieser Folge: „Ich vermiss' dich, Perlmann“. Stimmt schon – aber eine Folge kommt ja noch.

Von Uwe Nesemann

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